1. FC Kaiserslautern
Die Gefahr kommt aus der Luft: Wie der FCK zurzeit die Zweite Liga aufmischt
Torsten Lieberknecht geriet kurz ins Schwärmen. „Paul Joly hat eine Sensationsflanke. Das ist endlich mal wieder ein Junge, der richtig geil flanken kann und dem man nicht im Training sagen muss, wie er zu flanken hat. Sondern er macht es einfach. Das hilft enorm“, sagte der Trainer des 1. FC Kaiserslautern nach dem 4:1-Sieg gegen Preußen Münster am Freitagabend.
Außenverteidiger Joly flankt, Mittelstürmer Ivan Prtajin trifft mit dem Kopf – so lässt sich vereinfacht das gar nicht so geheime Geheimrezept zusammenfassen, das den Tabellenvierten FCK in der Zweiten Liga dank dreier Siege in Folge in den Dunstkreis der Aufstiegsplätze befördert hat. Ein Erfolg mit Köpfchen.
Die Zahlen untermauern den subjektiven Eindruck. Fünf seiner insgesamt zwölf Tore in dieser Saison hat der 1. FC Kaiserslautern mit dem Kopf erzielt – zieht man die beiden Elfmetertreffer gegen Schalke (1:0) und in Elversberg (1:2) ab, hat der FCK aus dem Spiel heraus jedes zweite Tor per Kopf markiert. Das ist der unangefochtene Topwert in der Liga. Die Gefahr kommt bei den Pfälzern momentan vor allem aus der Luft. Zum Vergleich: In der gesamten vergangenen Saison hatten die Lauterer sieben Mal mit dem Kopf getroffen.
Hinter diesem Trend steckt ein klarer Plan von Trainer Lieberknecht. „Wir wussten, dass Münster die Flanken nicht gut verteidigt. Ähnlich wie Fürth letzte Woche. Und dann haben wir so einen kopfballstarken Stürmer wie Ivan vorne drin und dann musst du die Flanken einfach reinbringen“, sagte Mittelfeld-Mann Semih Sahin nach dem Münster-Spiel. Im Zusammenspiel mit der Dynamik von Joly riss der gebürtige Mannheimer immer wieder die linke Abwehrseite der Preußen auf, im Zentrum halfen der präsente Faride Alidou (starke 12,35 Kilometer Laufleistung) und Naatan Skyttä die Räume zu schaffen, die der wuchtige Mittelstürmer Prtajin nutzte. Fünf Tore hat der Kroate in den beiden Spielen in Fürth (3:0) und gegen Münster erzielt, drei davon mit dem Kopf. Außerdem legte Prtajin gegen Münster dem Finnen Skyttä das 2:0 auf. Es war ein sinnbildliches Tor für den Aufschwung des FCK im September 2025: Vorlage per Kopf, Abschluss per Kopf, Tor.
Wie werden die kommenden Gegner auf die neue Lauterer Stärke reagieren?
Aber natürlich analysieren die nächsten Gegner wie der SC Paderborn, bei dem die Pfälzer am Samstag (13 Uhr) zu Gast sind, diese neue Lauterer Stärke. Und werden versuchen, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Trainer Lieberknecht glaubt jedoch nicht, dass es gelingen wird, die pfälzische Lufthoheit komplett zu neutralisieren. „Das ist schwer, sich darauf einzustellen“, sagte der 52-Jährige. Der erfahrene Strafraum-Experte Prtajin verfüge über die richtige Intuition, wie er sich bei Hereingaben in der Box bewegen muss. „Dieses Gefühl als Stürmer, sich zum richtigen Zeitpunkt zu lösen, möchte man gerne verteidigen, aber das ist manchmal nicht so einfach“, sagte Lieberknecht.
Zudem habe der FCK dank Transfer-Volltreffer Joly seine Flankenqualität im Vergleich zur Vorsaison erheblich gesteigert. Erst Ende August wechselte der Franzose auf Leihbasis von AJ Auxerre an den Betzenberg – und ist in nur drei Partien für Kaiserslautern zum aktuell besten Vorbereiter der gesamten Zweiten Liga aufgestiegen. Vier Tore hat Joly mit seinen Flanken bereits aufgelegt. Dabei war der 25-Jährige aufgrund des Kreuzbandrisses von Simon Asta in Elversberg fast auf den letzten Drücker geholt worden. Eine Top-Verpflichtung, die sich im Rekordtempo auf dem Betze akklimatisiert hat, wie Lieberknecht betonte. „Da muss man auch mal unsere Scouting-Abteilung loben. Dass sie so einen Spieler in so kurzer Zeit gefunden haben“, sagte der FCK-Coach.
