Meinung
Der FCK und die Frage nach dem Co-Trainer
Es war einmal ... So beginnen Märchen. Nicht nur solche über Schneewittchen oder Dornröschen. Sondern auch über eine sportliche Traum-(Wohnungs-)Gemeinschaft in Kaiserslautern. Torsten Lieberknecht und Carsten Rump, Trainer und Co-Trainer des Fußball-Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern, standen sich so nahe, dass sie häufig auch abseits des Spielfeldes Zeit miteinander verbrachten.
Kein Wunder, denn Lieberknecht hatte sich ausdrücklich Rump als Partner gewünscht und bekommen. Teilweise wohnten sie sogar zusammen; wenn Lieberknecht abends nicht den langen Weg nach Hause, nach Darmstadt, auf sich nehmen wollte. Voller Freude sprach er öffentlich über die tolle WG, in der Rumps Gattin auch stets dafür sorgte, dass der Kühlschrank voll ist, auf dass die beiden Recken nicht verhungern.
Ende einer Männerfreundschaft
Wäre dies tatsächlich ein Märchen, dann müsste es enden mit ... dann leben sie glücklich noch heute zusammen. Ein Happyend also. Nur: Davon ist nicht mehr die Rede. Im Gegenteil: Die einstige Männerfreundschaft dürfte am Ende sein. Nach allem, was man hinter vorgehaltener Hand so hört. Offiziell gibt’s dazu auf Nachfrage nichts. Die einen wollen nichts, der andere darf nichts sagen. Weil er sich derzeit gleichermaßen im Angestelltenverhältnis wie im Krankenstand befindet. Und Letzteres ist offenkundig einer der Knackpunkte.
Dass jemand unvermittelt krank ausfällt, ist völlig normal. Das kann auch Co-Trainern passieren. Was den Verantwortlichen im Allgemeinen und Lieberknecht im Besonderen jedoch übel aufgestoßen ist: der Zeitpunkt der gesundheitlichen Demission. Mitten in der laufenden Rückrunde und das von jetzt auf nachher. Dabei lassen sich doch die meisten Knieoperationen – wenn sie denn nicht gerade aus einem Unfall resultieren – einigermaßen terminieren. Also beispielsweise in die Winterpause. Oder in die Zeit zwischen abgelaufener Spielzeit und Start der Saisonvorbereitung, wenn Zweitligakicker und ihre Trainer gemeinhin nicht auf dem Platz stehen müssen.
Ein denkbar fragwürdiger OP-Zeitpunkt
Rump jedoch wählte den März; also einen Zeitpunkt, da der FCK durchaus noch Hoffnungen auf einen Aufstieg hätte haben können. Ob das mit seinem Chef Lieberknecht oder gar noch ein Stück höher in der Hierarchie so abgesprochen war, entzieht sich unserer Kenntnis. Wir vermuten mal: war es nicht. Und dass Lieberknecht seither eilfertig regelmäßig Krankenbesuche absolviert, davon ist auch nichts bekannt. Das Verhältnis war also schon im März, vor der OP-Entscheidung, zumindest angeschlagen – wer auch immer daran Schuld trägt.
Nun wäre es nicht statthaft, vor allem das Auswärtsversagen der Mannschaft allein darauf zurückzuführen, dass ihr im Spiel- und Übungsbetrieb plötzlich ein Co-Trainer abhanden gekommen ist. Aber es lässt sich zweifelsfrei konstatieren: Andere haben die Arbeit, die normalerweise der rechten Hand des Cheftrainers obliegt, mitmachen müssen. Neben ihren üblichen Aufgaben – egal ob als Standardtrainer, als Videoanalyst oder gar als oberster Übungsleiter. Und wenn diese, das unterstellen wir einfach mal, mit ihrem eigentlichen Job ausgelastet sind, bleibt bei ungeplanter, monatelanger Zusatzarbeit irgendwo irgendwas auf der Strecke.
Wunderliche Gerüchte
Der FCK ist nicht dafür bekannt, öffentlich sehr offensiv mit Abgängen umzugehen – anders als bei der Verkündung von Neuverpflichtungen. Und gerade Veränderungen im Betreuungspersonal – vom sportlichen bis zum medizinischen – erfährt man normalerweise eher nebenbei.
Aber irgendwann in den nächsten Wochen wird sich der Verein festlegen und äußern müssen, wie es mit seiner zweitwichtigsten Personalie am Spielfeldrand weitergehen soll. Ob vom Verhältnis Lieberknecht/Rump noch so viel intakt ist, dass der Co nach der Rekonvaleszenz seine Tätigkeit wieder aufnehmen kann. Oder ob das Tischtuch auch menschlich derart zerschnitten ist, dass nur noch die schnellstmögliche Trennung Sinn ergibt, worauf die zuletzt aufkeimenden wunderlichen Gerüchte hindeuten. Dann lautet nur noch die Frage: Bekommt man die Demission einvernehmlich hin oder landen die Parteien streitend vor dem Arbeitsgericht?
Und die einst märchenhafte Wohngemeinschaft, die dem Cheftrainer temporär Kost und Logis nach einem langen Arbeitstag in Kaiserslautern bot, ganz abgesehen von der menschlichen Wärme? Die war offenkundig doch zu schön, um dauerhaft wahr zu sein. Es war halt einmal ...
