1. FC Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Das Wort Aufstieg gehört beim FCK auf den Index

Frustabend in Südhessen: FCK-Verteidiger Atanas Chernev beim 0:4 in Darmstadt.
Frustabend in Südhessen: FCK-Verteidiger Atanas Chernev beim 0:4 in Darmstadt.

Nach der heftigen Niederlage in Darmstadt beginnen beim FCK die Aufräumarbeiten. Der Wind rund um den Betzenberg wird rauer. Gegen Fürth steht ein Schlüsselspiel an.

Es wirkte wie ein symbolisch aufgeladenes Bild. Kurz nach Mitternacht am Sonntagmorgen tuckerte der Mannschaftsbus des 1. FC Kaiserslautern nach der heftigen 0:4 (0:3)-Niederlage beim SV Darmstadt 98 durch hartnäckige Nebelbänke über die A5 entlang der hessischen Bergstraße. Der notwendige Durchblick hatte dem FCK auch in den 90 Minuten zuvor auf dem Rasen im Stadion am Böllenfalltor gefehlt. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur angespannten Situation beim pfälzischen Fußball-Zweitligisten.

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Gehen die Lauterer Verantwortlichen nach diesem bedenklichen Auftritt einfach zur Tagesordnung über?
Das Gegenteil ist der Fall, die Aufräumarbeiten begannen umgehend. Geschäftsführer Thomas Hengen und Sportdirektor Marcel Klos schritten sofort nach dem Abpfiff in die Gästekabine, auch vor den Mikrofonen gab es Tacheles zu hören. „Vielleicht ist es so, dass die Ambitionen im Verein für den einen oder anderen zu hoch sind“, schimpfte ein aufgebrachter Hengen. Klos forderte gegen den Tabellenletzten SpVgg Greuther Fürth am Samstag unmissverständlich einen Sieg: „Ich nehme die Mannschaft voll in die Verantwortung. Da müssen wir eine Reaktion zeigen.“ Und die Spieler? Zeigten die angebrachte Selbstkritik. „Darmstadt ist eine sehr gute Mannschaft und du kannst hier mal verlieren. Aber das teilweise so herzuschenken, ist eine bodenlose Frechheit den Leuten gegenüber, die hierhergefahren sind“, zürnte Torhüter Julian Krahl. Schon in der Pause war es offenbar laut und emotional geworden. „Wir haben uns gegenseitig die Meinung gesagt“, berichtete Stürmer Daniel Hanslik.

Traurig vor den eigenen Fans: Lauterns Trainer Torsten Lieberknecht.
Traurig vor den eigenen Fans: Lauterns Trainer Torsten Lieberknecht.

Wie sehr ist der Druck auf Trainer Torsten Lieberknecht gestiegen, nachdem der FCK den Kontakt zu den Aufstiegsplätzen verloren hat?
Sportdirektor Klos kanzelte Nachfragen zum Trainer in Darmstadt kategorisch ab. Sein Tenor: Lieberknecht sitzt weiter fest im Sattel. Allerdings bewegt sich der Haßlocher beim Punkteschnitt (1,57) mittlerweile auf dem Niveau seines im April 2025 ohne größere Vorwarnung beurlaubten Vorgängers Markus Anfang (1,53). Einen Freifahrtschein besitzt auch Ex-FCK-Profi Lieberknecht nicht, trotz seiner unbestritten hohen Identifikation mit der Aufgabe am Betzenberg. Er hat es bisher nicht geschafft, den Lauterern ihre Leistungsschwankungen und die Auswärtsschwäche auszutreiben – der erhoffte Angriff auf die Aufstiegsplätze wird mutmaßlich auch in dieser Saison nicht gelingen.

In Darmstadt beklagte sich der 52-Jährige darüber, dass die Mannschaft seine Vorgaben einfach nicht befolgt habe. „Wir haben die Dinge vor dem Spiel angesprochen, Doppelpassverhalten am Flügel, Spielverlagerung, Standards – wer wen verteidigt. Und keiner hat irgendetwas umgesetzt“, sagte Lieberknecht und schwärmte danach – offensichtlich als Gegenentwurf zu seinem eigenen Team – von der auf allen Ebenen funktionierenden Mannschaft der „Lilien“, deren Aufstieg er prognostizierte. Das klingt nach alarmierenden Aussagen. Auch für den Trainer bekommt das Fürth-Spiel eine herausgehobene Bedeutung. Bei den Fans, die ihr Team trotz der schweren Niederlage am Böllenfalltor nach Abpfiff weiterhin wohlwollend aufmunterten, schwindet Lieberknechts Kredit.

Hat der FCK denn historisch betrachtet überhaupt noch eine Chance auf den Aufstieg?
Ja, aber eine ganz kleine. Mit 31 oder weniger Punkten nach 21 Spieltagen hat bisher lediglich ein Zweitligist noch den Sprung nach oben geschafft. Der SC Paderborn startete in der Saison 2013/2014 mit nur 29 Zählern nach 21 Partien eine phänomenale Aufholjagd und stieg mit 62 Punkten als Zweiter am Ende direkt auf. Ähnliche Kunststücke gelangen Darmstadt 98 2014/2015 (32 Punkte nach 21 Spielen) und Energie Cottbus 2005/2006 (ebenfalls 32 Punkte). Klar ist aber auch, dass der FCK bei jetzt acht Zählern Rückstand auf den Relegationsplatz eine außergewöhnliche Serie benötigen würde, um noch einmal eine Rolle im Aufstiegsrennen spielen zu können: Von den verbleibenden 13 Spielen müssten die Lauterer etwa neun gewinnen, um in den Bereich der „kritischen Marke“ von 60 Punkten zu kommen, mit der man normalerweise unter den ersten drei Teams landet. Das wird schwer, vielleicht ist es sogar unmöglich. Zur Einordnung: Von den vergangenen zehn Liga-Spielen gewannen die Roten Teufel lediglich drei, in der „Formtabelle“ der Zweiten Liga in diesem Zeitraum stehen die Pfälzer mit nur elf Punkten auf einem ernüchternden 14. Platz.

Sollte das Wort „Aufstieg“ nach dem Nackenschlag von Darmstadt und mit Blick auf den schlechten Trend der vergangenen Monate nicht sowieso besser bis auf Weiteres auf dem Index landen?
Das wäre dringend ratsam, der Blick auf die Tabelle verbietet sich momentan. Der FCK hat nicht nur einen satten Rückstand auf die Aufstiegszone angehäuft, sondern muss zunächst erst einmal wieder Konstanz und eine gesunde Basis in seine eigenen Leistungen bringen. Die Integration der vier Winterzugänge muss schnell vorangetrieben werden, die teils haarsträubenden individuellen Fehler müssen abgestellt werden. Lieberknecht braucht außerdem tragfähige Lösungen für die Offensive, wie der FCK ohne den beim 1:3 gegen Elversberg verletzten Zielspieler Ivan Prtajin (Achillessehnenriss) zu Toren kommen kann. „Wir müssen uns nicht nach der Tabelle richten, es geht einfach darum, so viele Spiele wie möglich zu ziehen. In der eigenen Hand haben wir es nicht mehr. Von daher: einfach Gas geben, Spiele gewinnen und ein anderes Gesicht zeigen als heute“, umschrieb Stürmer Daniel Hanslik in Darmstadt das Anforderungsprofil für die nächsten Wochen.

Wie sieht das Lauterer Programm bis Ende Februar aus?
In den beiden Spielen gegen Schlusslicht Greuther Fürth (Samstag, 13 Uhr) und beim Drittletzten Preußen Münster (Sonntag, 22. Februar, 13.30 Uhr) geht es erst einmal um eine Konsolidierung nach dem Prtajin-Schock und dem entmutigenden K.o. von Darmstadt. Wenn die Trendwende nach zuletzt zwei Niederlagen in Folge gelingen sollte, könnten kühne Optimisten vor dem Duell gegen den aktuell Dritten SC Paderborn (Samstag, 28. Februar, 13 Uhr) auf dem Betzenberg vielleicht wieder den Rückstand nach oben ausrechnen. Abwehrmann Luca Sirch will die laufende Saison jedenfalls noch nicht abschreiben. „Die Zweite Liga ist verrückt, da kann jeder gegen jeden gewinnen. Wir müssen erst einmal unsere Punkte holen und dann weiterschauen“, sagte der 26-Jährige in Darmstadt.

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