1. FC Kaiserslautern
Das Ende der Fluktuation: Ein Trio steht für Stabilität
Wolfgang Erfurt, Tobias Frey und Gero Scira sind schon ein wenig stolz auf ihre Leistung. Seit fünf Jahren sorgen die drei im Vorstand des 1. FC Kaiserslautern für Kontinuität. Dabei durchlebten sie gemeinsam die schwärzeste Stunde des Vereins – und ernten nun die Früchte.
Schon der Start im Dezember 2018 war turbulent. Der Verein war nach der Saison 2017/18 erstmals in die Dritte Liga abgestiegen. An der Spitze herrschte eine Fluktuation beinahe wie im Kader der ersten Mannschaft. Wer heute in eines der Gremien gewählt oder für ein Amt berufen war, konnte am nächsten Tag schon wieder weg sein. Doch Erfurt, Frey und Scira ließen sich in die Pflicht nehmen, um ihrem Herzblut-Verein zu helfen. „Wir hätten uns 2018 niemals vorstellen können, dass wir drei auch 2024 noch zusammen hier sitzen“, schildert Erfurt die Anfänge. Und Scira ergänzt lachend: „Ich habe damals gedacht: Das machst du ein Jahr, und dann ist das für dich wieder fertig.“ Aus dem einen Jahr wurden deren fünf – und das Zählwerk läuft weiter.
Zunächst gibt es Turbulenzen
Das Trio funktioniert vor allem deshalb so gut, weil alles miteinander abgestimmt wird. „Bei uns gibt es keine Mehrheitsbeschlüsse, sondern nur einstimmige“, betont Erfurt. Und: Sie haben sich ihre Zuständigkeiten aufgeteilt. Tobias Frey beispielsweise kümmert sich in erster Linie um die Finanzen und um die Abteilungen – er selbst entstammt der Riege der Triathleten. Erfurt ist der Generalist. Scira hat sich die Mitgliederwerbung auf die Fahnen geschrieben.
Die Kampagne, die inzwischen seit Februar 2022 so erfolgreich läuft und die Anzahl der Mitglieder seither auf rund 34.000 verdoppelt hat, sollte sogar kurz nach Amtsantritt angegangen werden. Doch die Turbulenzen im Verein, die Corona-Krise und die Insolvenz machten einen Strich durch die Rechnung. Es waren die schwärzesten Stunden des Traditionsvereins, und vorübergehend stand alles auf der Kippe. „Es war eine enorm herausfordernde Zeit“, blickt Erfurt zurück.
Das Trio erinnert sich an nicht weniger als 23 Sitzungen des ehrenamtlichen Vorstands im Jahr 2020, als neben der drohenden Zahlungsunfähigkeit auch noch die Arbeit in den Abteilungen durch Corona zum Erliegen kam. Und dazu die schlimme sportliche Lage in der Saison 20/21. Der FCK stand auf einem Abstiegsplatz in der Dritten Liga, der damalige Geschäftsführer Oliver Voigt hatte den Auftrag, auch für die Regionalliga zu planen.
Schuldenlast wird langsam weniger
Dazu die Schuldenlast des eingetragenen Vereins aus der Zeit vor 2016. Rund sieben Millionen Euro. Zwischenzeitlich lagen die Verbindlichkeiten bei neun Millionen Euro. Erfurt: „Aber Aufgeben war nie eine Option, Aufgeben wäre unverzeihlich gewesen. Wir sind dennoch alle an Bord geblieben und haben uns immer nur gesagt: Der e.V. darf nicht in die Insolvenz gehen.“ Dennoch blieben nach der Sanierung der KG auf Aktien, in die die Profiaktivitäten ausgelagert worden waren, auch beim e.V. Schulden in Millionenhöhe. Aktuell sind es noch rund 5,5 Millionen Euro – dank der verdoppelten Mitgliederzahl und der damit deutlich höheren Beitragseinnahmen weiterhin mit fallender Tendenz.
Inzwischen liegen diese dunklen Stunden weit hinter dem Vorstandstrio. Der e.V. sei stabiler geworden, betonten die Vorstandsmitglieder in der Jahreshauptversammlung Ende November. Die Wahrheit geht noch ein Stück weiter. Nicht nur bessert sich die finanzielle Lage peu à peu, sondern die Abteilungen laufen auch wieder auf Volllast. Zum Teil gibt es sogar Wartelisten für die Aufnahme neuer Aktiven.
Planungen für die 125-Jahr-Feier laufen
Es sind neue Aktivitäten hinzu gekommen. Die E-Sport-Abteilung beispielsweise. Oder die Frauenfußballerinnen. Dazu zeigt die Geschäftsstelle, wie sehr sich die Situation gebessert hat. 2019 hatte sie laut Erfurt gerade noch drei Mitarbeiter. Mittlerweile sind es 25 in Voll- und Teilzeit geworden. Der enorme Mitgliederzuwachs will auch bewältigt werden.
Die nächste große Aufgabe steht bereits an: die Feierlichkeiten zum 125. Geburtstag des 1. FC Kaiserslautern, die sich im kommenden Jahr über die gesamten zwölf Monate hinziehen sollen – intern und extern. Auch die Abteilungen sollen mehr Unterstützung bekommen. „Wir wollen hier die Strukturen noch verbessern“ sagt Frey, nennt beispielsweise mehr Marketing der Abteilungen und des Gesamtvereins als Ansatzpunkte, um die Wurzeln des Vereins noch mehr zu stärken.
Und wie lange arbeitet so ein ehrenamtlicher Vorstand im Dienste des Vereins? Auf 30 bis 35 Stunden taxieren Erfurt, Frey und Scira ihren jeweiligen Aufwand. Pro Woche. „Aber inzwischen ist die Lage ja auch deutlich erfreulicher. Da macht es viel Spaß.“
