1. FC Kaiserslautern
„Beim FCK herrscht immer Druck“
Torsten Lieberknecht wirkt angespannt. Am Samstag (13 Uhr, Liveblog auf rheinpfalz.de) trifft der 1. FC Kaiserslautern in der Zweiten Fußball-Bundesliga auf den Tabellenletzten, die SpVgg Greuther Fürth. In der Pressekonferenz am Donnerstag vor der Partie antwortet Lieberknecht energisch und entschlossen auf die Fragen der anwesenden Journalisten. Als zweimal kurz hintereinander im Raum ein Handy klingelt, schaut der Trainer in die Richtung des Geräuschs. „Wo klingelt das Telefon? Das passt gerade nicht“, grantelte er.
Der Grund für Lieberknechts Laune ist klar – und verständlich. Vergangene Woche haben die Roten Teufel völlig verdient mit 0:4 gegen Darmstadt 98 verloren. Die Stimmung auf dem Betzenberg ist danach rapide schlechter geworden – bei den Verantwortlichen, den Spielern und bei den Fans. Aber Lieberknecht weiß auch: „Beim FCK herrscht immer Druck.“
„Das ist bitter“
Da stimmt ihm Mittelfeldspieler Fabian Kunze zu. Wenn seine Teamkollegen gegen die Franken den Auftritt aus der Vorwoche vergessen machen wollen, muss Kunze zuschauen. Er hat am Böllenfalltor seine zehnte Gelbe Karte gesehen. Ausgerechnet in dieser Lage fehlt der Stamm- und Führungsspieler gesperrt. „Das ist bitter, dafür gibt es aber keinen guten Zeitpunkt“, sagt er, darauf angesprochen. Ist nach der zweiten Gelbsperre ein Beitrag in die Mannschaftskasse fällig? „Ich habe noch nichts gehört“, antwortet Kunze und lacht.
Für ihn wird gegen das „Kleeblatt“ aller Wahrscheinlichkeit nach Leon Robinson in die Aufstellung rücken. Gegen Darmstadt fehlte er wegen seiner Roten Karte in der Woche zuvor beim 1:3 gegen Elversberg. Kunze würde seiner Mannschaft gerne helfen. In der Zuschauerrolle fühlt er sich nicht wohl: „Ich mag das gar nicht. Ich kann dann halt nicht eingreifen.“
Spielen, „damit die Birne frei wird“
Lieberknecht scheut den nun gestiegenen Druck nicht. „Bislang ist es immer gelungen, zusammen mit meiner Mannschaft, mit meinem Team Lösungen zu finden“, sagt er. Die braucht es. Denn Lieberknecht selbst hatte nach dem Spiel in der Vorwoche bekundet, dass seine Spieler keine seiner Anweisungen umgesetzt hätten. Die Pleite sei aber aufgearbeitet. In der Woche habe man mit spielerischen Elementen trainiert, „damit die Birne frei wird“. Teil der Aufarbeitung in dieser Trainingswoche war das Auftreten der Mannschaft am vergangenen Spieltag. „Die Körpersprache spielt auch eine Rolle. Das ist das, was die Fans auch zu Recht kritisieren“, berichtet Lieberknecht.
Beim 0:4 am Böllenfalltor stand eine neu formierte Dreierkette auf dem Rasen. Jacob Rasmussen und Atanas Chernev waren erst im Winter gekommen, müssen sich noch einspielen. In Maxwell Gyamfi und Luca Sirch standen ihnen in Halbzeit eins und zwei jeweils ein dienstälterer Roter Teufel zur Seite. Um seine Aussage zur fehlenden Eingespieltheit zu untermauern, blickt Lieberknecht nach Darmstadt. Zwei Jahre spiele die Mannschaft dort schon zusammen. „80 Prozent der Mannschaft ist von mir zusammengestellt worden“, sagt der Ex-„Lilien“-Trainer. Und nun, gut eineinhalb Jahre nach seinem Aus am Böllenfalltor mischt jenes Team unter Anleitung von Lieberknecht-Nachfolger Florian Kohfeldt kräftig im Aufstiegsrennen mit.
Berisha-Einsatz fraglich
Ruft der Haßlocher hier indirekt dazu auf, auch ihm und seinem Trainerteam Zeit zu gewähren, um die neu aufgebaute Mannschaft richtig zu formieren? Beim FCK war Dirk Schuster 2022/23 der bislang letzte Cheftrainer, der über eine gesamte Saison hinweg an der Seitenlinie stehen durfte. Vier Neuzugänge hat der FCK im Winter begrüßt. Zu den Verteidigern Chernev und Rasmussen kommen die Stürmer Norman Bassette und Mergim Berisha hinzu. Ob Letztgenannter am Samstag spielen kann, ist noch offen.
In Darmstadt hatte Lieberknecht selbst nach vier Spieltagen und einem völlig verkorksten Start in die Saison 2024/25 – die erste nach dem Abstieg aus dem Oberhaus – die Reißleine gezogen. Die Roten Teufeln gehen nun mit zwei Niederlagen in Serie in das Duell am Samstag. Schon jetzt gibt es im Internet Fans, die einen neuen Chef auf der Trainerbank fordern. Der Druck ist also größer als ohnehin schon. Kaum vorzustellen, dass er abnimmt, wenn gegen Fürth nicht die volle Anzahl Punkte auf dem Betzenberg bleibt.
