FCK-Kolumne
Böhms Betze: Wie geht es Pokalheld Dominik Schad in Thailand?
Einen seiner größten Tag im Trikot des 1. FC Kaiserslautern erlebte Dominik Schad am 10. August 2019. DFB-Pokal, erste Runde. Gegner: Mainz 05. Endstand 2:0, der FCK pfeffert als Drittligist den hoch favorisierten Bundesligisten aus dem Wettbewerb. Erinnerungen, als wäre es gestern gewesen. Ich nannte Schad damals „Mittelstrecken-Europarekordler“. Er lief und lief und lief, spielte unglaublich. Sechseinhalb Jahre später telefonieren wir nun mal wieder miteinander.
Es ist Mittwoch dieser Woche, 10.45 Uhr deutscher Zeit. Schad, inzwischen 29 und stolzer Papa eines eineinhalbjährigen Sohnes namens Lian, sitzt in Chiang Mai, der zweitgrößten urbanen Stadtregion im Norden Thailands mit rund zwei Millionen Einwohnern. Dort ist’s kurz vor 16 Uhr und „nur“ 37 Grad heiß. Trocken-heiß. Kein typisches Tropenklima, wie man es einem Klima-Klischee entsprechend von Deutschland aus erwartet, wo einem schon beim Sitzen das Hemd am Körper pappt. Wir sind für 11 Uhr verabredet, Schad bittet um Vorverlegung des Gesprächs. Das Training wurde kurzfristig verlegt. „Da ist mal wieder die thailändische Spontaneität dazwischengekommen“, unkt Schad, „aber daran gewöhnt man sich. Und man merkt schnell, wie einfach das Leben sein kann, wenn man mal aus Deutschland rauskommt.“
Im deutschen Winter, ein halbes Jahr nach seinem letzten Engagement bei Preußen Münster, unterzeichnete Schad einen Vertrag beim thailändischen Erstligisten Lamphun Warriors FC. Er lebt mit seiner Frau Franziska und dem Sohnemann in einem Loft, das sich in einer großzügigen Anlage mit Garten, Pool und Fitnessräumen befindet. Im Eingangsbereich des Haupthauses eine Rezeption, Security inklusive. „Da gewöhnt man sich schnell dran“, erzählt Schad, „wir fühlen uns hier sehr sicher.“ 60 Quadratmeter sind’s für drei Personen. „Für uns reicht das derzeit voll aus, man fühlt sich ein bisschen wie im Urlaub.“ Die Lage sei „überragend“, zentraler geht’s kaum. Die größte Mall der Stadt nur fünf Minuten fußläufig entfernt. Lebensqualität hoch, Kosten gering.
„Es wird sehr oft schnell wild“
Bei den Warriors ist Schad ein Hauptdarsteller. Sein Trainer ist Dennis Amato, ein Ludwigshafener. Der ehemals in Hoffenheim stürmende Peniel Mlapa und Verteidiger Jonas Schwabe sind ebenfalls Landsleute. Zu den Auswärtsspielen fliegen die Warriors oft in die 700 Kilometer entfernte Region Bangkok, wo zehn der 16 Thai-Erstligaklubs ansässig sind. 3000 Zuschauer kommen zu den Warriors-Heimspielen im Schnitt. Das Niveau? Vielleicht Dritte Liga, aber anders. „Es wird oft schnell wild“, sagt Schad, „die individuelle Qualität ist aber da. Du hast viele Japaner, Brasilianer, natürlich Thais, klein, wendig. Das ist auf eine andere Art schwierig zu verteidigen.“ Auch Trainer müssen sich anpassen. „Ein Typ Schleifer würde hier nicht so gut funktionieren. Der würde sehr schnell auf Granit beißen.“
Die Warriors belegen Platz zwölf. Drei der 16 Mannschaften steigen ab. Mit einem Sieg am Wochenende gegen den Neunten Chiangrai United kann die Amato-Elf den Ligaverbleib zementieren. Damit stiege die Chance gewaltig, dass Schad ein Warrior bleibt. „Wir fühlen uns sehr wohl“, sagt er und erinnert sich an die vereinslose Zeit im zweiten Halbjahr 2025: „Ich bin realistisch – und glaube nicht, dass es jetzt einfacher würde, einen Verein zu finden.“ Einen Wechsel innerhalb Thailands mag Schad nicht ausschließen. Sein Leben hat er durch das Auslandsabenteuer schon jetzt bereichert.
Von 2018 bis 2023 spielte Dominik Schad beim 1. FC Kaiserslautern. Es war „die prägendste Zeit“ seine Karriere, mit dem Aufstieg 2022 und natürlich dem Pokalerfolg gegen Mainz 05. „Die Stimmung danach in der Stadt war unglaublich“, schwärmt Schad, „es war ein Wahnsinnsabend.“ Manchmal stellt er sich die Frage, was wohl gewesen wäre, hätte er sich im Spätjahr 2020 nicht so furchtbar verletzt. Im Spiel gegen den FC Ingolstadt brach er sich das Wadenbein, fiel Ewigkeiten aus. Die Laufbahn erlebte einen bösen Knick. „Ich war auf einem guten Weg“, sinniert Schad, „der Beinbruch war der Wendepunkt meiner Karriere. Ich war davor nie verletzt, aber das hat alles ins Stocken gebracht.“ Wehmut? „Man kann es nicht mehr ändern. Nun bin ich froh, diesen Weg eingeschlagen zu haben.“ Es geht ihm und seinen Lieben gut. Und das ist die Hauptsache.
Unser Autor
Andreas Böhm, 59, hat als Fan den Pokalsieg 1990 und die Meisterschaft 1991 hautnah miterlebt. Seit 1995 ist er der journalistischen Neutralität verpflichtet, seit 2013 FCK-Reporter für diese Zeitung.
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