FCK-Kolumne
Böhms Betze: Wie Dickson Abiama plötzlich zum Unterschiedsspieler wurde
Glücklicherweise kann man im Internet auf YouTube auch Zusammenfassungen von Fußballspielen sehen, die in voller Länge von einem Dienst übertragen werden, für den man kein Abonnement besitzt. Andernfalls wäre mir eine echte Sahneschnitte an Tor entgangen. Ein Tor aus der dritten deutschen Liga. Erzielt von einem Mann, der beim 1. FC Kaiserslautern den Ruf eines Stolperhannes hatte, dem nichts gelang, so sehr er sich auch mühte.
Das Tor also: Ein langer diagonaler Schlag von der linken Seite, bestimmt über 40, 50 Meter. Unser Protagonist pflückt den Ball mit dem rechten Fuß wunderbar aus der Luft, sodass er verarbeitungsfertig liegen bleibt. Kurzes Drehen um die eigene Achse, ein Blick, gezwirbelter Schuss mit links aus etwa 14 Metern halbrechter Position ins lange Eck, touchierter Innenpfosten, 1:0 – Freudentänzchen. Von Dickson Abiama. Der für Rot-Weiss Essen immer, immer wertvoller wird.
Gesamtkunstwerk des Unterschiedsspielers
Manch einer attestierte dem 27-jährigen Stürmer mit Blick auf diese Szene Champions-League-Reife, andere nannten das Tor ein Gesamtkunstwerk. In Abiama, so schreibt „Revier Sport“, habe Rot-Weiss einen weiteren Unterschiedsspieler bekommen. Hätten Sie es für möglich gehalten, dass Dickson Abiama noch mal solche Lobeshymnen zuteil werden sollten? Es freut mich ungemein, dass er nun endlich ein sportliches Zuhause gefunden zu haben scheint, in dem er sich entfalten kann. Nach allem was man hört, ist Abiama ein feiner Kerl. Wie viel Spott und Häme musste er sich in seiner Kaiserslauterer Zeit doch gefallen lassen.
Im Winter zum aktuellen Tabellenzweiten aus Essen gekommen, markierte Abiama in elf Spielen sechs Tore, vier bereitete er vor. Der Traditionsklub aus dem Pott hat es in der eigenen Hand, die Dritte Liga endlich, endlich zu verlassen. Kein Wunder, dass Rot-Weiss den vom FCK geliehenen Abiama gerne fest verpflichten würde. Problem: keine Kaufoption. FCK-Chef Thomas Hengen sagte zu „Revier Sport“, man nehme Abiamas starke Verfassung sehr wohl auch in der Pfalz wahr – und sei „sehr entspannt“. Schließlich besitze „der Junge“ einen laufenden Vertrag. Bis 30. Juni 2027. Rot-Weiss müsste einiges investieren, um Dickson Abiama fest an sich zu binden. Ich hoffe, dass dies gelingt – denn Abiama hätte es verdient.
Unser Autor
Andreas Böhm, 59, hat als Fan den Pokalsieg 1990 und die Meisterschaft 1991 hautnah miterlebt. Seit 1995 ist er der journalistischen Neutralität verpflichtet, seit 2013 FCK-Reporter für diese Zeitung.
Info
Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.
