FCK-Kolumne RHEINPFALZ Plus Artikel Böhms Betze: Wenn es rappeln muss in der FCK-Kabine

Kevin Kraus, Terrence Boyd, Mike Wunderlich (von links): drei Typen, die mit dem FCK in die Zweite Liga zurückkehrten.
Kevin Kraus, Terrence Boyd, Mike Wunderlich (von links): drei Typen, die mit dem FCK in die Zweite Liga zurückkehrten.

Man muss die Vergangenheit nicht verklären. Aber sie kann helfen, die Gegenwart zu verstehen. Auch in Bezug auf den 1. FC Kaiserslautern

Was ist die Kernsubstanz einer intakten Mannschaft? Was braucht es, damit sie funktioniert, ungeachtet eines taktischen Konzepts, körperlicher Fitness, eines Mindestmaßes fußballerischen Vermögens? Sie braucht Typen – und eine klare Hierarchie. Diese Überzeugung hat sich weiter in mir gefestigt, als ich nach dem 0:3 in Kiel mit einem ehemaligen Profi des FCK telefonierte, der in Kaiserslautern 2022 den Aufstieg feierte und daran großen Anteil verbuchte.

Ich werde seinen Namen nicht nennen, weil er das nicht mag und weil er nicht in den Verdacht geraten möchte, Dinge zu beurteilen, die er nur noch aus der Ferne hört oder beim Betrachten der Spiele im TV sieht. Einer der wichtigsten Sätze des Gesprächs lautete: „Du brauchst zwei, drei Jungs, die das Wort haben. Wir brauchten keinen Trainer, um die Dinge zu regeln. Und das hat der Trainer auch ein Stück weit erwartet.“

Man muss die Vergangenheit nicht verklären. Doch sie kann helfen, die Gegenwart zu verstehen. Es war eine besondere Mannschaft mit besonderen Typen. Eine Einheit, die nach dem Training mit 17, 18 Kerlen um die Häuser zog. Mit Spielern, Galionsfiguren, vor denen die anderen in der Truppe Respekt hatten, sie vielleicht sogar fürchteten, weil sie wussten: Ziehe ich nicht mit, geht’s mir an den Kragen.

„Der hat einen an der Waffel ...“

„Die Grundtugenden im Fußball ändern sich nicht. Du musst deinen Mann stehen und vorangehen“, sagt mein Gesprächspartner. „Manch einer hat vielleicht gedacht: Der hat einen an der Waffel, ist nicht ganz dicht. Ich bin deutlich geworden, angeeckt. Aber es war nie persönlich gemeint, sondern immer auf den Erfolg bezogen.“ Manchmal seien die Fetzen geflogen, Spindtüren zu Bruch gegangen, Gift und Galle durch die Kabine gespritzt.

Die Truppe stieg auf. Traut man der aktuellen Elf des FCK solche selbstreinigenden Prozesse zu? Ich tue es nicht. Nicht mal Marlon Ritter zählt für mich zu dieser Spezies. Der Kapitän ist für jede Verbalinjurie Richtung Gegner zu haben, aber kann er auch einen Teamkollegen einnorden? Ritter ist außerhalb des Platzes ein anderer, das merkt man schon an seinen Interviews, wenn es mal nicht so lief, wenn es auf den Deckel gab. Da wirkt er fast zurückhaltend.

An die Chefetage mag ich nur einen halben Vorwurf richten. Ja, es ist ihre Aufgabe, Leader zu finden. Doch ich glaube, es gibt solche Spieler immer weniger. „Die Zeiten werden zunehmend anders“, sagt mein Gesprächspartner, „wir waren einfach andere Typen.“ Typen, die den Erfolg um jeden Preis wollten. Typen, wie der FCK sie dringend braucht, um „auf Sendung“ zu sein. Immer. Und nicht nur zur Primetime.

Unser Autor

Andreas Böhm, 59, hat als Fan den Pokalsieg 1990 und die Meisterschaft 1991 hautnah miterlebt. Seit 1995 ist er der journalistischen Neutralität verpflichtet, seit 2013 FCK-Reporter für diese Zeitung.

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Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.

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