FCK-Kolumne
Böhms Betze: Was der frühere FCK-Torwart Andreas Luthe mit Markus Söder zu tun hat
Ernährt Andreas Luthe sich noch vegan? Zumindest ist nichts Gegenteiliges bekannt. Zu seiner Profizeit beim 1. FC Kaiserslautern verzichtete der heute 38 Jahre alte Ex-Torhüter auf Lebensmittel tierischen Ursprungs. Nicht aus ethischen Gründen, sondern weil er sich durch diese Art der Nährstoffzufuhr am wohlsten, fittesten und wenigsten verletzungsanfällig fühlte. Daraus ergibt sich nun folgende Frage: Kann ein Veganer in einer Partei reüssieren, dessen Oberhirte bekennender Foodblogger und Wurstvernichter ist? Will meinen: Kann Andreas Luthe unter der Obhut der Markus-Söder-Karawane einen Platz im Stadtrat ergattern? Luthe kandidiert bei der Kommunalwahl am 8. März für den CSU-Ortsverband Stadtbergen, der zum Landkreis Augsburg gehört. Er wird auf Platz 22 der 24 Namen umfassenden Liste geführt.
Dass der große Blonde sich abseits des Fußballs ehrenamtlich und sozial engagiert und schon seit ehedem über die Grasnarbe hinausblickt, ist bekannt. Parallel zu seiner sportlichen Laufbahn war er Mitbegründer des Vereins „In safe Hands“, der sich mit vielfältigen Projekten für Wertschätzung und Chancengleichheit von Kindern einsetzt. Luthe studierte , Wirtschaftspsychologie, Betriebswirtschaftslehre, Sportmanagement, ist Sprecher und Coach. Er arbeitet als freiberuflicher Unternehmensberater, versteht sich als Teamplayer und Teamentwickler. Nun möchte er als Vorstandsvorsitzender des Zweitligisten VfL Bochum in seiner bayerischen Wahlheimat auch noch in die Politik gehen.
Genug Zeit für viele Ehrenämter?
Aber warum? Auch die Politik beklage ein Altersproblem, sagte Luthe unlängst der WAZ. Er unterstütze den Stadtbergener Ortsverband schon lange in Fragen der Sport- und Jugendförderung. Wie Luthe all seine ehrenamtlichen Tätigkeiten überhaupt „wuppen“ kann und ob dann, sofern er gewählt würde, überhaupt genug Zeit für den VfL Bochum bliebe, sind Fragen, bei denen Luthe zur Gegenoffensive anhebt. Wenn man diese Diskussion führe, müsse man sich darüber unterhalten, ob der Vorstand des VfL Bochum nicht besser in Vollzeit arbeite, so wie es bei anderen Vereinen schon geschehe, sagt Luthe. „Auch das wäre ein Teil der Professionalisierung. Ansonsten darf ein ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender weitere Ehrenamtsposten wahrnehmen.“ Luthes Aufgabe ist wie die seiner Kollegen eher eine kontrollierende. Der Geschäftsführung obliegt das operative Geschäft. Auf Kickrunden mit einstigen Kameraden verzichtet Luthe. Er golft, schwimmt, läuft. Fußball finde nur noch in seinen Gedanken und den Gesprächen beim VfL statt.
Die Chance gewählt zu werden, scheint ungeachtet des Listenplatzes nicht unbedingt schlecht zu sein. In Bayern können Wählerinnen und Wähler ihre Stimmen kumulieren, also mehrere Stimmen auf eine einzelne Person „häufen“. Bekanntheit und Beliebtheit erlangen daher eine noch größere Bedeutung. Und diesbezüglich könnte Luthe ein Plus für sich verbuchen. Intellekt und Eloquenz sind ebenso ausgeprägt. Wenn er in CSU-Landen jetzt auch noch genussvoll und öffentlichkeitswirksam in die Wurst beißt, dürfte er kaum mehr zu stoppen sein. Muss ja keiner wissen, dass es eine vegane Wurst ist.
Unser Autor
Andreas Böhm, 58, erlebte als Fan den Pokalsieg 1990 und die Meisterschaft 1991 hautnah mit. Seit 1995 ist er der journalistischen Neutralität verpflichtet, seit 2013 FCK-Reporter für diese Zeitung.
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Dieser Artikel stammt aus der RHEINPFALZ am SONNTAG, der Wochenzeitung der RHEINPFALZ. Digital lesen Sie die vollständige Ausgabe bereits samstags im E-Paper in der RHEINPFALZ-App (Android, iOS). Sonntags ab 5 Uhr erhalten Sie dort eine aktualisierte Version mit den Nachrichten vom Samstag aus der Pfalz, Deutschland und der Welt sowie besonders ausführlich vom Sport.
