FCK-Kolumne
Böhms Betze: Lautern, mir graut vor dir
Lautern, mir graut vor dir! Goethe, leicht abgewandelt. Faust. Zu der manch ein FCK-Fan in diesen Tagen die Hand ballt. Seit Wochen dilettieren des roten Teufels Balltreter vor sich hin. Kein Plan? Keine Lust? Keine Leidenschaft. Keine Tore. Keine Punkte. Dafür Ausflüchte und leere Versprechen. Der Spott nahe dem Allzeithoch. Semih Sahin und Mahir Emreli einen Tag nach dem 0:1 von Dresden auf der Tribüne in Elversberg? Muss man Verständnis haben. Wollen halt auch mal guten Fußball sehen. Wenn der FCK erst ein öffentliches Training offeriert und kurz darauf wieder cancelt? Sternstunde für Sarkasmusfreunde: Gibt doch öffentliches Training – am Spieltag. Übungsinhalt: auslaufen. Beißende Ironie. Ätzender Zynismus. Tiefste Enttäuschung. Schmerzende Seele. Flächendeckendes Unverständnis.
Was ist nur los mit dieser Truppe, die keine mehr ist? Dass da nix mehr stimmt, sieht ein Blinder mit Krückstock, pflegte mein Mathe-Lehrer einst zu sagen. Aber weshalb? Wann fing das an? Und warum wurde es nicht verhindert? Wer hätte es verhindern müssen? Auch der Trainer macht mittlerweile den Eindruck, als stünde er kurz vor der Kapitulation. Das von ihm Gesprochene soll Kampfeswillen vermitteln, Körper und Blick signalisieren Hilflosigkeit. Was tun?, sprach Zeus. Alle raus am besten, ätzt das Volk. Was tun? Scheideweg. 2022 Sonnenaufgang. Aufstieg. Der schlafende Riese erwacht. Dieser kleine Scheißer, wie Terrence Boyd sagte, als die Helden nicht nur vom Erfolg trunken auf dem Stiftsplatz den Aufstieg feierten.
Vom Hofe, ihr Helden
Doch der Riese taumelt. Keiner mehr da, der ihn erweckt hat. Kein Wunderlich, kein Hercher, kein Zimmer, kein Kraus, kein Boyd. Lange fort. Und nun sollen Kenny Redondo und Daniel Hanslik verschwinden. Zwei weitere Helden, die dem FCK den Selbstwert zurückzugegeben haben. Schuldigkeit getan. Vom Hofe, jetzt!
Alles hat seine Zeit. Mag sein, dass auch der beiden Zeit gekommen ist. Sie den Ansprüchen sportlich nicht mehr genügen. Doch man verliert loyale Sportsleute. Die immer taten, was in ihrer Macht stand. Die sich identifizierten. Man verliert zwei der letzten Spieler, die den Fans auch in Jahren in Erinnerung sein werden. Die Trennung ein Fehler? Zwei Herzen schlagen, ach! in meiner Brust. Goethe. Faust. Das Original.
Unser Autor
Andreas Böhm, 59, hat als Fan den Pokalsieg 1990 und die Meisterschaft 1991 hautnah miterlebt. Seit 1995 ist er der journalistischen Neutralität verpflichtet, seit 2013 FCK-Reporter für diese Zeitung.
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