1. FC Kaiserslautern
0:3-Enttäuschung in Nürnberg: FCK-Trainer Lieberknecht spricht von „Virus“
Als sich die Spieler des 1. FC Kaiserslautern ihren über 5000 mitgereisten Fans im Gästeblock des Max-Morlock-Stadions näherten, gab es vernehmliche Pfiffe. Frust, Enttäuschung, Ratlosigkeit. Nur eine Woche nach dem Derby-Triumph mit einem 3:0 gegen den Karlsruher SC hatte der FCK am Samstag wieder sein Auswärtsgesicht gezeigt. Das 0:3 (0:1) beim 1. FC Nürnberg war auch in der Höhe verdient. Tore von Luka Lochosvili (2., 83.) und Adam Markhiev (58., Foulelfmeter) sorgten für einen ungefährdeten Erfolg des Teams von Trainer Miroslav Klose.
Dessen Kollege Torsten Lieberknecht musste in der Pressekonferenz wieder einmal erklären, wie die drastischen Leistungsausschläge in dieser Saison entstehen können. „Es ist gefühlt ein Virus bei uns drin. Immer nach einem Topspiel, in dem wir unsere Qualität zeigen, gelingt es nicht, das zu bestätigen. Das war der Auftrag an die Mannschaft und das werden wir auf der langen Rückfahrt nachdenklich hinterfragen“, sagte der 52-Jährige.
Auch Kapitän Marlon Ritter fand klare Worte für den nächsten völlig verkorksten Auftritt in der Fremde. „Wir hatten vielleicht zehn Minuten vor der Pause, in denen du das Gefühl hattest: Heute könnte was gehen. Ansonsten war das von vorne bis hinten, von jedem Spieler, einfach zu wenig. Wenn du keine Zweikämpfe führst, wenn du dich vorführen lässt und der Gegner mit dir machen kann, was er will, kommt so ein Ergebnis dabei raus“, sagte der Führungsspieler.
Eigentlich hätten es die Derby-Sieger erneut richten sollen. Lieberknecht schickte die identische Startelf wie beim 3:0 gegen den KSC ins Rennen. Doch von frischem Selbstvertrauen durch den Prestigesieg war beim FCK in den desolaten ersten 30 Minuten nichts zu sehen. Schon nach der ersten Nürnberger Ecke schlug es hinter Torhüter Julian Krahl ein: Julian Justvan brachte die Kugel scharf und mit Effet in die Mitte, Luka Lochosvili übersprang den an diesem Nachmittag in vielen Situationen indisponierten Maxwell Gyamfi und köpfte zum 1:0 ein (2.).
Kims Grätschen verhindern Schlimmeres
Der Auftakt zu einem Chancenfestival für den komplett überlegenen „Club“, der die Lauterer anfangs an die Wand spielte. Allein Ji-soo Kim verhinderte mit zwei Hochrisikogrätschen gegen Mohamed Zoma (12., 22.) weitere Gegentreffer. Was der FCK seinen vielen nach Franken mitgereisten Fans anbot, war eine Frechheit. Auch ein zurecht mit Gelb geahndetes Frustfoul von Ritter gegen Markhiev (15.) blieb ohne aufrüttelnde Wirkung.
Erst nach einem Abseitstor per Kopf von Mergim Berisha (33.) wurde es für eine Viertelstunde lang ein bisschen besser aus Lauterer Sicht. Bei einem schnellen Gegenstoß nutzte Naatan Skyttä die kurzzeitige Konfusion in der Nürnberger Hintermannschaft und steuerte auf das Tor des FCN zu, in einer wilden Szene touchierte Paul Jolys Flanke zunächst die Latte, bevor Skyttä über Umwege noch einmal an den Ball kam und links vorbeischoss (37.). Die Nürnberger 1:0-Pausenführung war dennoch völlig verdient, allerdings hätte der knappe Rückstand dem FCK für den zweiten Durchgang weiter die Chance auf die Wende geboten.
„Das 0:2 hat uns komplett den Stecker gezogen“
Hätte. Denn nach einem frühen Abschluss von Semih Sahin (47.) verfiel der FCK wieder in den schlimmen Trott der Anfangsphase, und just in dem Moment, als Lieberknecht mit einem Dreifachwechsel einen Impuls geben wollte, ging das Spiel dahin. Sahin rempelte Zoma im Strafraum zu ungestüm um, den Elfmeter verwandelte Markhiev stramm in die Mitte (58.). „Das 0:2 hat uns komplett den Stecker gezogen“, sagte Sportdirektor Marcel Klos.
Die Einwechslungen von Mahir Emreli, Norman Bassette und Kenny Redondo brachten nichts außer weiterer Verunsicherung auf dem Platz, zu der auch Lieberknecht beitrug, in der er mehrfach umstellte. Erst rückte Mika Haas in die Dreierkette und Luca Sirch auf die Sechs – als das sichtlich nicht funktionierte, wurde mit der Hereinnahme von Leon Robinson ernuet die Struktur geändert. In Summe war es ein wirklich schlimmer Auftritt von Lieberknechts Team.
Vier Minuten nach dem Elfmeter zum 2:0 bewahrte nur ein starker Reflex von Krahl die Roten Teufel bei einem Schuss von Justvan vor dem 0:3. Ohne den FCK-Torhüter hätte es an diesem Nachmittag auch fünf oder sechs Gegentore für die Roten Teufel geben können, von einem quasi nicht vorhandenen Verteidigungsverhalten sprach Lieberknecht später.
Zwei Wochen Pause bis Düsseldorf
Beim zweiten Tor von Lochosvili zum 3:0 (83.) war nirgends Druck auf dem Ball, bis letztlich Gyamfi den Schützen gewähren ließ. Im Lauterer Torhüter brodelte es nach der siebten Auswärtsniederlage der Saison. „Das Besorgniserregende ist die Art und Weise. Das war jetzt das dritte Mal in diesem Jahr, dass wir mit keiner Haltung und keiner Gegenwehr Fußball gespielt haben. Wir haben uns einfach nicht gewehrt, das geht nicht“, sagte Krahl. Auf dem Betzenberg steht eine ungemütliche Länderspielpause mit vielen Gesprächen bevor – erst am Karsamstag (4. April, 13 Uhr) greift der FCK gegen Fortuna Düsseldorf mit Ex-Trainer Markus Anfang wieder ins Geschehen ein.
