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Samstag, 19. November 2016 Drucken

Berufe mit Zukunft

Handwerk mit Kunst vereint

Berufe mit Zukunft: Stuckateur ist ein vielfältiger Beruf – Von Verputzarbeiten bis zum Gestalten feiner Stuckelemente

Von Miriam Gabriel

 

Die Auswahl an Ausbildungsberufen – auch in der Pfalz – ist sehr groß. Die Serie Berufe mit Zukunft gibt einmal im Monat Einblicke in einige dieser Berufsbilder: Auszubildende berichten dabei aus der täglichen Praxis. Im Vordergrund stehen relativ neue Berufsbilder, solche, deren Tätigkeitsfeld und Name mehrfach geändert wurden, sowie eher außergewöhnliche Berufe.

 

Bauhandwerker und Künstler in einem Beruf zusammengefasst. Geht das überhaupt, oder muss man sich für ein Berufsbild entscheiden? Der Beruf des Stuckateurs lässt Beides zu, er vereint Handwerk mit Kunst. Stuckateure beherrschen grobe Verputzarbeiten genauso gut, wie das Gestalten feiner Stuckelemente. Schon in der Epoche der Renaissance und des Barock galten Stuckateure als Künstler, da sie für die Verschönerung von kirchlichen und weltlichen Repräsentationsräumen verantwortlich waren.

Thorsten Rotthus, Inhaber des gleichnamigen Stuckateurgeschäfts im westpfälzischen Rothselberg, führt diese gestalterischen Arbeiten ebenfalls aus. „Wobei wir hauptsächlich Verputzarbeiten im Innen- und Außenbereich, Altbausanierung, Trockenbauarbeiten und Malerarbeiten verrichten“, sagt der 45-Jährige. Dies seien die typischen Aufgabenbereiche des Stuckateurs. Aber auch die Sanierung nach Brand- und Wasserschäden sei eines der Tätigkeitsfelder. „Aktuell arbeiten wir an einem unglaublich tollen Auftrag, der es mir und meinen Mitarbeitern erlaubt, nahezu alle Arbeitsfelder unseres Berufes an einem Projekt auszuüben“, erzählt der Firmeninhaber stolz.

Gut Königsbruch im saarländischen Homburg/Bruchhof ist der derzeitige Arbeitsplatz, von dem Rotthus so schwärmt. Das Anwesen wurde 1766 erbaut und im Jahr 2014 nach einem langen Dornröschenschlaf von einem privaten Investor erworben. „Hier wird alles kernsaniert. Das Gut soll am Ende wieder so aussehen wie früher“, erklärt der Stuckateur die Ziele seiner Arbeit und fügt an: „Daher werden wir sowohl die Außenfassade verputzen, aber auch die Decken der Innenräume des Herrenhauses mit Stuck versehen. Hier können wir die ganze Bandbreite unseres Berufsfeldes zeigen.“ Daran beteiligt ist auch André Schulz aus Kaiserslautern, der sich derzeit im dritten Lehrjahr befindet. Schon als Jugendlicher habe der 23-jährige Auszubildende kleinere Arbeiten zu Hause immer selbst erledigt, weshalb die Wahl für einen handwerklichen Beruf nahelag. „Am liebsten mag ich das Verputzen, ich bin da eher für die groben Arbeiten“, sagt Schulz über seine Lieblingstätigkeit. Aber auch die Vielfältigkeit dieses Berufsbildes und die Möglichkeit, neue schöne Dinge zu erschaffen gefallen ihm. „Man sieht ein Ergebnis. Ich freue mich, wenn ich abends da stehe und die Wand oder das Haus fertig verputzt sind. Das macht es für mich aus“, bekräftigt Ausbilder Rotthus. Seit seiner Selbstständigkeit im Jahr 2000 bildet Rotthus regelmäßig junge Leute zum Stuckateur aus. „Wer seinen Hauptschulabschluss in der Tasche hat und Motivation für das Handwerk mitbringt, der ist im Stuckateurberuf genau richtig“, sagt Rotthus. Gute Noten in Mathematik und Sport sollten Bewerber ebenfalls mitbringen, genauso wie Teamfähigkeit. Aber auch Interessenten mit schlechtem Notenschnitt sollen sich nicht vor einer Bewerbung scheuen: „Ich stelle sie dann meist als Praktikant ein und schaue mir an, wie sie arbeiten. Gefällt mir was ich sehe, bekommen sie bei mir trotzdem einen Ausbildungsvertrag. Noten sind nicht alles, man muss sich den Menschen ansehen“, sagt Rotthus. Aber auch wetterfest sollten die angehenden Stuckateure sein, schließlich arbeite man oft bei Wind und Wetter im Freien.

„Die Berufsschule ist in Kaiserslautern, genau wie die Handwerkskammer. Wobei das erste Schuljahr in Kusel stattfindet, da dort alle handwerklichen Berufe gemeinsam unterrichtet werden und man erst ab dem zweiten Schuljahr nach Berufen getrennt wird“, sagt André Schulz. Neben den berufsbezogenen Fächern seien stehen auch Sozialkunde, Religion und Sport auf dem Stundenplan.

Ausgebildete Stuckateure haben aber auch die Möglichkeit ihren Meister zu machen. „Und nach dem Meister kann man beispielsweise ein Architekturstudium draufsetzen“, sagt der Ausbilder über die Weiterbildungsmöglichkeiten. Es sei aber in jedem Fall eine gute Wahl, sich für die Ausbildung zum Stuckateur zu entscheiden. „Unser Handwerk stirbt nicht aus. Es wird immer gebaut und immer saniert. Stuckateur ist ein Beruf mit Zukunft“, ist Rotthus überzeugt.

Info:

Viele Infos, Links und Videos zu Ausbildungsberufen gibt es auf der Seite Planet-beruf.de Die Beiträge der Serie sind auch online unter. Die Rheinpfalz.de/berufsbilder zu finden.

 

 

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