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Samstag, 24. September 2016 Drucken

Berufe mit Zukunft

Ein hoch spannender Beruf

Berufe mit Zukunft: Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik abwechslungsreich – Mathematisches Wissen gefragt

Von Volker Endres

 

Gibt auch Schulabgängern eine Chance, deren Lebensweg nicht gradlinig verlaufen ist. Georg Ludwig Kamb (Mitte) mit Peter Stork (links) und Ausbildungsleiter Jörg Karb. ( Foto: KUNZ)

Die Auswahl an Ausbildungsberufen – auch in der Pfalz – ist sehr groß. Die Serie Berufe mit Zukunft gibt alle zwei Monate Einblicke in einige dieser Berufsbilder: Auszubildende berichten dabei aus der täglichen Praxis. Im Vordergrund stehen relativ neue Berufsbilder, solche, deren Tätigkeitsfeld und Name mehrfach geändert wurden, sowie eher außergewöhnliche Berufe.

 

Ohne Strom läuft nichts. Ohne Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik auch nicht. Vom schweren Zuleitungskabel unter Starkstrom bis zur feinverzweigten Photovoltaikanlage und von der einfachen Steckdose bis zum Firmennetzwerk – die Fachleute wissen, wie der Strom zu fließen hat. „Ich habe in meiner bisher über zweijährigen Ausbildungszeit noch keinen einzigen Schlitz geklopft“ – Peter Stork aus Weisenheim am Sand kennt die Vorurteile, die mit seinem Berufsbild verbunden sind.

„Schlitzeklopfer“, die in Rohbauten die frisch verputzten Wände wieder aufklopfen oder fräsen, um die Elektroleitungen zu verlegen. „Genau genommen hatte ich diese Vorurteile selbst“, lacht der 22-Jährige. Doch es kam anders und heute ist er sich sicher, seinen Traumberuf gefunden zu haben – bei der Firma Kamb Elektrotechnik in Ludwigshafen: „Wir sind sehr stolz darauf, dass uns das Landeswirtschaftsministerium 2015 als „Attraktiver Arbeitgeber“ ausgezeichnet hat“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Georg Ludwig Kamb.

Jetzt installiert Stork Antennen-Anlagen und Steckdosen, verklemmt Kabel für Bus-Systeme, mit dem, je nach Sonneneinstrahlung, Klimaanlage, Heizung oder Jalousien vollautomatisch gesteuert werden, oder hilft bei der Installation von Computernetzwerken. „Jeder Tag ist anders“, sagt er. Dabei hat Stork den spannenden, ja sogar „hoch spannenden“ Beruf über Umwege gefunden, obwohl er eigentlich so naheliegend war: „Mein Vater arbeitet jetzt in der Medientechnik, aber gelernt hat er ursprünglich auch Elektroniker“. Trotzdem dauerte seine Berufsfindungsphase. „Ich habe die Realschule abgebrochen, den Hauptschulabschluss gemacht und anschließend im Bundesfreiwilligendienst in einem Kinderheim in der technischen Abteilung mitgearbeitet.“ Im Anschluss hatte der Weisenheimer in verschiedenen Bereichen gejobbt. Elektronik habe ihn dabei immer fasziniert. Beworben habe er sich in verschiedenen Richtungen. Eine Chance erhielt er nach sehr vielen Bewerbungen bei der Firma Kamb. „Wir wollen jeden Bewerber kennenlernen. Deshalb erhält bei uns jeder eine Einladung zu unserem eigenen Einstellungstest. Den hat noch mein Vater entworfen und ich habe ihn weiterentwickelt“, verriet Georg Ludwig Kamb. Schulwissen und praktisches Wissen wird dabei genauso abgefragt, wie Sprachkompetenz. „So erhalten bei uns auch Schulabgänger eine Chance, deren Lebensweg bisher nicht geradlinig verlaufen ist.“ Schulabgänger wie Peter Stork. Der absolvierte den Test immerhin so gut, dass er zu einem persönlichen Gespräch geladen wurde und anschließend die Möglichkeit zu einer Einstiegsqualifizierung erhielt. „Ich selbst war ein halbes Jahr dabei, es gibt aber auch die Möglichkeit, bis zu einem Jahr mitzuarbeiten.“ Nach einem halben Jahr waren sich Auszubildender und Lehrbetrieb gegenseitig sicher: „Das passt.“

Das passte, weil Stork in seinem Ausbildungsbetrieb die Abwechslung erlebte, die den Beruf ausmacht. „Die Bandbreite ist enorm, geht von der Mess- und Regeltechnik bis zur Datenkommunikation und eben auch der Hochspannung“, zählt er auf. Eine Bandbreite, die er fast vom ersten Tag an kennenlernen durfte. „Die Wirklichkeit passiert auf der Baustelle und nicht auf einem Klemmbrett, lautet Kambs Credo. Deshalb begleiten die Auszubildenden schnell die erfahrenen Fachkräfte an die eigentliche Arbeitsstelle. „Sobald sie die Grundlagen kennen, geht es raus.“

Wie wichtig die Grundlagen sind, stellte Peter Stork am eigenen Leib fest: „Ich habe das Angebot erhalten, nachträglich ins Ausbildungsjahr einzusteigen, aber ich habe schnell gemerkt, dass das nicht funktionieren würde. Die ersten drei Monate sind enorm wichtig. Hier lernt man die Grundlagen, auf denen letztlich alles andere aufbaut.“ Grundlagen, die auch auf Schulwissen basieren. „Wir sind mit Sicherheit der Handwerksberuf, der vom Auszubildenden die größte Anforderung an mathematisches Wissen stellt“, sagt auch der Firmenchef. Dafür seien auch die anschließenden Einsatzmöglichkeiten fast grenzenlos, erklärte Ausbildungsleiter Jörg Karb. „Und es werden beinahe täglich mehr. Zum Beispiel durch die Abstimmung der Heizsensoren oder Türklingeln, die mit dem Smartphone gekoppelt werden können“, zählt er auf und verweist darauf, dass, neben den Kenntnissen in Mathematik und Physik vor allem Sorgfalt wichtig ist: „Jedes Kabel muss richtig angeschlossen sein und jede Schraube sitzen“, so der Ausbildungsleiter. „Immerhin haben wir es hier mit Strom zu tun.“

Info:

Viele Infos, Links und Videos zu Ausbildungsberufen gibt es auf der Seite Planet-beruf.de Die Beiträge der Serie sind auch online unter: Die Rheinpfalz.de/berufsbilder zu finden.

 

 

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