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Mittwoch, 16. April 2014 Drucken

Mannheim und Region

Am Rande des Kriegs

Weltkriegszeichnungen ans Speyerer Stadtarchiv

Schützengräben ja, Kampfhandlungen nein: Der später nach Speyer gezogene Lehrer Wilhelm Weber durfte als Soldat nicht alles zeichnen. ( Foto: Lenz)

Mit der Darstellung eher ruhiger Begebenheiten in Zeiten des Ersten Weltkriegs hat Leutnant Wilhelm Weber seinen Fronteinsatz im französischen Norden bewältigt: Er hat Schützengräben, Soldaten- und Offiziersquartiere sowie Landschaften gezeichnet. Seine Tochter hat den 63 Blätter starken Nachlass dem Stadtarchiv Speyer übergeben.

Speyer.

Mit Bleistift und Tuschfeder hielt der im Jahr 1926 mit seiner Familie nach Speyer gezogene Lehrer aus Haßloch auf festem Papier fest, was dem Soldaten an Darstellung außerhalb kriegerischer Handlungen gestattet war. Die Zeichnungen entstanden in den Jahren zwischen 1915 und 1917 und in einigen Fällen als Vorderseite eines Briefes Webers an seine Frau. Auch die anderen Kunstwerke auf festem Papier im A5- und A4-Format hat die Gattin des Zeichners bekommen.

Einige der Zeichnungen sind als Reproduktion der Beitrag des Speyerer Stadtarchivs zu einer im Juni beginnenden Ausstellung der Universität Heidelberg. Im Herbst werden sie im Archiv-Lesesaal in der Johannesstraße 22a zu sehen sein. Außerdem sind sie digitalisiert und sollen ab Juni über Internet zugänglich sein.

Mindestens zwei der Werke offenbaren, dass sich der Künstler trotz aller Darstellungsvorschriften Witz bewahrt hatte. So zeichnete er beim Blick in ein wohl als Offiziersquartier beschlagnahmtes Wohnhaus in der französischen Region Lille einen an die Wand gemalten Kinderspruch. Unter dem französischen Satz steht – auf Deutsch – ein Satz, den Kaiser Wilhelm II. in einer Rede nach dem Kriegseintritt zum „bevorstehenden Kampfe“ ähnlich erwähnt hatte: „Ich kenne keine Parteien, ich kenne nur noch Deutsche.“ Der Satz ist durchgestrichen, ob vom Hausbesitzer oder vom Zeichner, bleibt offen. (wk)

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