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Montag, 31. August 2015 Drucken

Donnersbergkreis

Zieh’ dein blaues T-Shirt aus, wir grillen

Hintergrund: Durch die Sommerhitze der vergangenen Wochen summt es auf Steaks, Biergläser und Obstkuchen. Wespen nerven auf der Terrasse, beim Eisessen oder in der Bäckerei. Ein Patentrezept gegen die Plagegeister gibt es nicht. Ein paar Hausmittelchen können jedoch für Entspannung an der in diesem Jahr extrem „stichhaltigen“ Wespenfront sorgen.

Von Lorenz Hofstädter

 

„Du trinkscht dei Fanta nur mit’m Röhrche, vestann? Und zieh’ bloß dei Schuh aa, wann de ans Schwimmbad-Kiosk laafscht!“ Was haben damals die Vorschriften von Frau Mama genervt. Der Sohn hat damals nicht gewusst, was er heute als Vater weiß: Wo viele Menschen sind, sind viele Essensreste. Wo viele Essensreste sind, sind viele Insekten – im Hochsommer Wespen. Deswegen sollte man im Umfeld des Schwimmbad-Kiosks Schuhe anziehen, um nicht in eine am Boden am Ketchup schlürfende Wespe zu treten. Und: In der Zeit sollte grundsätzlich – gerade aus dunklen Flaschen – über den Strohhalm der Durst gestillt werden. Dadurch wird das Verschlucken einer Wespe und ein lebensgefährlicher Stich in den Rachen vermieden. Aber nicht nur Muttern hatte wertvolle Tipps zum Umgang mit Wespen.

Es gibt noch einige, mehr oder weniger wirksame, andere Hausmittelchen gegen die Grillverderber. Zudem hilfreiche Erkenntnisse aus neueren wissenschaftlichen Untersuchungen. Die Tipps scheinen überfällig. Denn viele Ersthelfer haben den Eindruck, dass während der letzten fünf Jahre die Anzahl der Insektenstich-Patienten zugenommen hat. Also: Immer öfter reagieren Menschen allergisch auf Insektenstiche im Allgemeinen, Wespenstiche im Besonderen. Außerdem fallen die allergischen Reaktionen immer stärker aus.

Besonders ärgerlich ist, wenn die summenden Nervensägen vollkommen unnötig angelockt werden. In erster Linie durch nicht weggeräumtes Essen oder Getränke. Zumal die Viecher nicht nur auf Süßes stehen, sondern auch auf Deftiges: Den Zucker nehmen sie für den Eigenbedarf, das Eiweiß von Fisch und Fleisch für die Aufzucht des Nachwuchses. Und: Im Gegensatz zu Bienen haben es Wespen auch auf Bier abgesehen. Im „Eigenversuch“ haben das gleich vier Exemplare in einem nicht mehr mit einem Bierdeckel verschlossenem Weizenbierglas am Eiswoog dokumentiert. Vielleicht lag’s ja aber an unserer sommerlich-bunten Kleidung. Grellbuntes sowie blaue und gelbe Farben stehen in Verdacht, Wespen anzulocken. Also zieht zum Grillen die blauen T-Shirts aus und die unbedenklichen, weißen an!

Ganz schlecht ist es auch, unmittelbar vorm Wespenausflug, den großen Holztisch auf der Terrasse pflegen zu wollen. Durch die offensichtlich leckeren Bestandteile der Politur werden Wespen zu äußerst renitenten Dauergästen. Die dann verstärkt Angriffe gegen die Dame des Hauses fliegen, wenn sie mit Haarspray für den perfekten Sitz der Frisur gesorgt und/oder sich nach dem Duschen mit duftenden Kosmetika eingecremt hat.

Die Haut stattdessen mit Kaffeesatz einzureiben ist zwar keine wirkliche Pflegealternative, hätte aber genau den gegenteiligen, weil abwehrenden Effekt bei Wespen. Außerdem helfen Basilikum oder mit Nelken versehene Zitronen oder Orangen, die in Scheiben geschnitten werden und auf den Tisch gestellt werden. Oder frisch geschnittene Knoblauchzehen und in Salmiak getränkte, ausgelegte Tücher. Deren Geruch mögen allerdings nicht nur die Wespen nicht, sondern auch die anderen, nicht ungebetenen Gäste. Dann also doch lieber der angenehmere und effektive Kaffeeduft, erzielt etwa durch in einem feuerfesten Gefäß angezündete Kaffeebohnen.

Kupfermünzen-Besitzer haben eine zusätzliche Option – denn offensichtlich können Wespen Kleingeld genauso wenig ab wie Börsenspekulanten. Dazu sollten Veranda-Esser einige Ein-, Zwei- oder Fünf-Cent-Stücke (oder wer noch welche hat Ein- oder Zwei-Pfennig-Münzen) intensiv zwischen den Händen reiben und dann auf den Esstisch in die Sonne legen. Der Anti-Wespen-Geruch entsteht dann übrigens direkt auf der Haut.

Im Selbstversuch kaum erfolgreich war die Weglock-Strategie. Mit dem zehn Meter entfernt ausgelegten rohen Schinken wurde nur ein „weiteres Fass“ für die Wespenplage aufgemacht. Zum – zumindest kurzfristigen – Weglocken noch besser geeignet sind überreife Weintrauben. Das haben unlängst Schüler beim Wettbewerb „Jugend forscht“ herausgefunden. Wollen Sie selbst Weglockmittel testen, lassen Sie auf jeden Fall von Marmelade und Honig die Finger: Die machen Wespen aggressiv. Gleiches gilt für das Wegpusten der Wespen, etwa vom Arm. Denn der menschliche, mit Kohlendioxid angereicherte Atem lässt die Tiere panisch werden und sie stechen aus Angst zu. Der Nabu rät auch von Wespenfallen ab – zum Beispiel mit einem Glas Bier, zwei Tropfen Spülmittel und zuckerhaltigem Sirup gefüllte PET-Flaschen. Zum einen würden die eigentlich – aufgrund anderer Schädlingen vertilgenden – nützlichen Wespen einen qualvollen Tod erleiden. Zum anderen würden laut Nabu vorwiegend alte und schwache Tiere in die Fallen gehen, aber keine Jungtiere, ganz zu schweigen ein ganzes Volk.

Viele dieser Tipps sind zwar auf der heimischen Terrasse praktikabel, nicht aber in Biergärten oder Freibad-Kiosken. Im Eisenberger Waldschwimmbad zum Beispiel. Dort berichtet Lars Hofbeck, Angestellter des Eisenberger Bäderbetriebs, von einer regelrechten Wespenplage „so schlimm wie selten zuvor“. Bei Hochbetrieb kämen täglich etwa 40 bis 50 Badegäste mit Wespenstichen zu den Schwimmbad-Mitarbeitern. Auch sie selbst seien entgegen früherer Jahre schon mehrfach Stichopfer gewesen. Die Badegäste berichten auch, dass das Wespengift noch stärker wirke als früher. Bei der Bekämpfung eines Stichs helfen die Schwimmbad-Bediensteten mit Kühlakkus weiter, empfehlen zudem „Fenistil“. Bei der Bekämpfung der Wespen selbst bleibt nicht viel. Wespenfallen kommen im Freibad wegen der vielen Kinder nicht infrage. Es bleiben nur die altbekannten Maßnahmen: Nicht nach den Wespen schlagen. Nicht in der Nähe von Mülleimern aufhalten. Gläser abdecken, Essen einpacken. Kleinkindern nach dem Essen den Mund abwischen. Und wie Muttern schon sagte: „Trink nur mim Röhrche und zieh’ bloß dei Schuh aa