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Sonntag, 11. Februar 2018 Drucken

Sport

Wo ist Bandabi?

Elisabeth Schlammerl

Der weiße Tiger Soohorang (l) ist das Maskottchen für die Olympischen Winterspiele und der asiatische Schwarzbär Bandabi ist das Maskottchen der Paralympics (Foto: dpa)

Soohorang hat einen anstrengenden Job, vielleicht sogar einen viel anstrengenderen als jeder Athlet, der an diesen Winterspielen teilnimmt. Denn der kleine weiße Tiger muss jeden Tag antreten. Von morgens bis abends steht er an der Langlaufloipe, der Sprungschanze oder bei den Alpinen draußen in Jeongseon herum. Manchmal wurde er sogar gleichzeitig an mehreren Orten gesichtet. Er schaut immer sehr freundlich, winkt und tanzt und lässt sich gerne mit Zuschauern, Volunteers, Journalisten und Sportlern fotografieren. Aber eigentlich ist Soohorang ein bisschen traurig, dass er alleine durch die Provinz Gangwon-do tigern muss. Sein Kumpel Bandabi, ein asiatischer Schwarzbär, fehlt ihm, der ist seit ein paar Tagen einfach verschwunden.

 

Die beiden sind ziemlich beste Freunde geworden, seit sie gemeinsam für die Veranstalter der Winterspiele in Pyeongchang als Maskottchen arbeiten. Bis vor Beginn der Olympischen Spiele traten sie fast immer gemeinsam auf. Sogar in Seoul standen sie gemeinsam an jeder Straßenecke und begrüßten die Menschen. Soohorang hat nur eine Erklärung für das Abtauchen von Bandabi: Er ruht sich einfach ein bisschen aus, schließlich kommt die stressige Zeit für ihn erst, wenn der weiße Tiger schon alles hinter sich hat. Bei den Paralympics im März wird dann Bandabi täglich im Einsatz sein.

 

Wie Soohorang und Bandabi sollen sich schon im alten Korea die beiden so ungleichen Raubtiere bestens verstanden haben, so gut, dass sie sich gemeinsam ihren Herzenswunsch erfüllen wollten. Der Legende nach sprachen eines Tages ein Bär und ein Tiger beim mächtigen Sohn des Himmels, Hwanung, vor und baten darum, in Menschen verwandelt zu werden. Der Herrscher über das Volk, der auf dem Berg Taebek lebte, stellte aber eine Bedingung: Die beiden mussten zuvor 100 Tage in einer dunklen Höhle leben und durften sich nur von Knoblauch und Beifuß ernähren.

 

Der Tiger hielt aber nicht lange durch. Sein Jagddrang war doch größer als der Wunsch, ein Mensch zu werden, und er ließ seinen Kumpel zurück. Der Bär erfüllte dagegen die Auflagen und wurde in eine Frau verwandelt. Ung-nyeo, so wurde sie genannt, aber langweilte sich bald allein. Also wandte sie sich noch einmal an Hwanung, damit er ihr half, einen Mann zu finden. Da ergab es sich, dass der große Herrscher selbst auf der Suche nach einer Partnerin war und Gefallen fand an Ung-nyeo. Die beiden heirateten und bekamen einen Sohn, den sie Dangun Wanggeom nannten. Der, so heißt es, hat vor mehr als 4000 Jahren das erste Königreich auf der koreanischen Halbinsel sowie die Stadt Pjöngjang, die heutige Hauptstadt von Nordkorea, gegründet