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Freitag, 30. Januar 2015 Drucken

Bad Dürkheim

Wenn in Dürkheim die Welt untergeht

Von Julia Plantz

 

Der Komet „Lovejoy“ ist sichere 70 Millionen Kilometer von der Erde entfernt und war zuletzt recht deutlich am Himmel zu erkennen. (Fotos: Alan Dyer/amazingsky.com/dpa/Privat )

Zum zweiten Mal in kurzer Zeit wird Bad Dürkheim Schauplatz mundartlich-komischer Fernsehfiktion. Diesmal wird’s noch schräger als beim Katzenberger-Krimi. Das SWR-Fernsehen plant eine Comedyserie um eine Dürkheimer Familie – fünf Wochen vorm Weltuntergang. Ausgedacht hat sich das ein ehemaliger Ellerstadter.


Die Welt geht also unter. Nein, keine Angst, es gibt keinen neuen Katzenberger-Krimi in Bad Dürkheim. Aber der SWR trägt trotzdem die Schuld. Statt einer „Katerstrophe“ steht uns nun eine Katastrophe ins Haus. Der Fernsehsender lässt einen todbringenden Kometen in Form des Saarlandes (!) unaufhaltsam auf die Erde zusteuern. Noch fünf Wochen bleiben bis zum sicheren Ende der Welt. Natürlich nur in der Fiktion. Im Herbst will das SWR-Fernsehen dieses Szenario über die Bildschirme flimmern lassen. Familie Fröhlich steht im Mittelpunkt der Serie – und die spielt in Bad Dürkheim.

Ausgedacht hat sich das schräge Szenario Drehbuchautor Markus B. Altmeyer. Der stammt aus Ellerstadt und hat den Mundart-Comedy-Endzeit-Mix erfunden – Arbeitstitel „Plötzlich Apokalypse – Die letzten Tage in der Pfalz“. Und weil der 30-Jährige als ehemaliger WHG-Schüler Bad Dürkheim sehr gut kennt, hat er dem SWR seine Heimat als Endzeit-Schauplatz vorgeschlagen. Zerstören will er aber die heimische Pfalz nicht – nicht mal in der Fiktion. Mit abstürzenden Steinbrocken und umfallenden Häuserfronten ist nicht zu rechnen. Die Saline, das Fass und auch das Michaelskapellchen dürfen stehen bleiben. Die Serie wird wohl ohne Spezialeffekte auskommen und sich auf die großen Sorgen (persönliche Probleme mit dem anstehenden Weltuntergang) und kleinen Sorgen (Geldnot, Liebeskummer) der Protagonisten konzentrieren. Nur Opa Alfred, ein Ex-Winzer, hält sich mit Glücksspiel, Callgirls und natürlich Riesling bei Laune.

Wie viele Flaschen Riesling Altmeyer getrunken hat, um sich das auszudenken, ist nicht bekannt. Seine Erklärung klingt so: „Ich wollte schon immer mal was Schräges, Regionales im Mundart-Comedy-Bereich machen“, sagt er. Kombinieren wollte er das mit etwas „Hollywoodmäßigen“. Und schließlich sei so ein Weltuntergang ein „schönes Vehikel für existenzielle Probleme“. Solche Ansätze gebe es noch nicht viele in Deutschland. Im Hauptabendprogramm der ARD – wie der Katzenberger-Krimi – sei sowas wohl nicht möglich. „Das ist schon eine schräge Grundvoraussetzung, umso mehr hat es mich gefreut, dass der SWR es gewagt hat“, so Altmeyer.

Im Mai und Juni, so schätzt er, kommt die Katastrophe, Verzeihung, das Fernsehteam, auf uns zu. Was von Bad Dürkheim abgefilmt wird, steht laut SWR noch nicht fest. Auf Wunsch der Redaktion hat Altmeyer eine Spielbank in die Handlung eingebaut. Wahrscheinlich, dass die Produktionsfirma dort anfragt. Weinberge kann Altmeyer auf jeden Fall versprechen. Michaelskapellchen und Riesenfass seien im Gespräch, da er aber nicht in den Produktionsprozess eingebunden sei, könne er das nicht versprechen. Auch die SWR-Sprecherin kann dazu nichts sagen, auch nicht zu Schauspielern und dem Regisseur – die stehen laut ihrer Aussage noch nicht fest.

Mit den guten Erfahrungen des Katzenberger-Teams in Bad Dürkheim habe das neue SWR-Projekt aber nichts zu tun, so die Sprecherin. Die Redaktion der Serie sei nicht die gleiche wie beim Krimi. Und anders als im Film darf Dürkheim wohl seinen richtigen Namen behalten.

„Es gibt schon so viel Schwäbisches und Badisches“, sagt Altmeyer über seinen Wunsch, endlich auch einmal die Pfalz in den Fokus zu rücken. Streng regional wird es zugehen, mit Dialekt, Wein und einem Exilsaarländer. Möglichkeiten zur Recherche hat Altmeyer reichlich. Er lebt seit Kurzem in Karlsruhe. Seine Eltern leben nach wie vor in Ellerstadt.

In sechs Teilen wird Familie Fröhlich gezeigt, wie sie mit der Ankunft von „Gisbert“ – so heißt der Komet – umgehen will. Wahrscheinlich werden die 30-Minüter zur besten Sendezeit in Doppelfolgen gezeigt, so Altmeyer. Vier Teile sind schon komplett geschrieben. Ob er sich mit dem Thema Apokalypse nicht die Möglichkeit einer Fortsetzung verbaut hat? Altmeyer schweigt. Wie es endet, und ob es nicht vielleicht doch noch Hoffnung für die Dürkheimer gibt, es bleibt im Dunkeln...