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Samstag, 14. März 2015 Drucken

Bad Dürkheim

Welpen sind Rotfuchs-Junge

Laut der Wildauffangstation in Maßweiler – Aber wie kamen sie in den Gully? – Im Moment geht’s allen gut

Bisher nicht verkehrt: Fuchswelpen werden als Hundeartige bei Bedarf genauso aufgepäppelt wie Hundebabys. ( Archivfoto: Franck)

Das Geheimnis um die Welpen von Wachenheim scheint gelüftet: Auf Fotos haben Mitarbeiter von „Tierart“, der Auffangstation für Wildtiere im südwestpfälzischen Maßweiler die sechs aus einem Gully geborgenen Neugeborenen jetzt als Wurf einer Rotfüchsin bezeichnet. Sie sollen zeitnah dort übergeben werden.

Der „Sechserpack“ war wie berichtet am Montagvormittag in einem Kanalschacht in einem Neubaugebiet in Wachenheim zufällig entdeckt worden – noch mit Nabelschnur und schon beinahe erfroren. Der Verein Tierhilfe hat die Welpen an eine seiner Pflegerinnen in Herxheim übergeben, wo sie seither rund um die Uhr im Zwei- bis Drei-Stunden-Takt mit der Flasche aufgepäppelt werden. Länger als diese Spanne ist Helga Schreuder, die sich um sie kümmert, bisher nach eigenen Worten kaum zu Schlaf gekommen. Die 53-Jährige nächtigt auf der Couch im Wohnzimmer direkt neben der Welpenbox mit ihren Schützlingen, die derzeit das Leben im Haus diktieren. „Eine Freundin übernimmt manchmal eine Fütterungsschicht, so dass ich wenigstens mal zum Einkaufen komme“, so die Hausfrau zur RHEINPFALZ. Sie sei „im Moment ziemlich platt“, bekannte sie. Was ihr darüber hinweghilft: „Bis jetzt geht es allen gut.“ Ob sie die Sechs freilich alle durchbringe, lasse sich erst nach etwa 14 Tagen sagen, meint die Herxheimerin aus langer Erfahrung als „Tiermama“. Auch ihre Border-Collie-Hündin „Shari“ hat die Welpen mittlerweile wie erhofft „adoptiert“.

Zwei Tierärzte hätten unabhängig voneinander die Findlinge als Hundewelpen definiert, sagt Judith Räch, Vorsitzende der Tierhilfe. Bei Hunden lässt sich erst nach zwei, drei Wochen die Rasse erkennen. In dieser Woche hatten sich beim Verein wie auch bei der RHEINPFALZ schon vereinzelte Stimmen gerührt, die die Tierbabys zum einen als Marderhunde, in einem Fall aber auch als Füchse erkennen zu glaubten. Letzte Annahme scheint jetzt bestätigt. „Sie kommen jetzt natürlich in fachkundige Hände“, sagt Räch. Man habe ihr aus Maßweiler bestätigt, dass „wir bis jetzt nichts falsch gemacht haben“: Die Aufzucht ausgesetzter Fuchswelpen, die zoologisch zu den Hundeartigen zählen, sei die gleiche wie bei Hunden. Zudem, betonen Räch und die Pflegemutter fast in gleichem Wortlaut, dass die Knäuel im Kanalschacht zunächst nichts anderes als sechs kleine Würmchen gewesen seien, die ohne Hilfe verendet wären.

Eine brisante, nach wie vor empörende Frage wird im Falle von Füchsen noch mysteriöser: Wie kamen die Welpen in den Gully? Obendrauf eine schwerer Deckel, unten von einem Korb abgeschlossen? Man kann nur spekulieren. Ein denkbares Szenario: Die Feh, die eben ihre Welpen geworfen hat, wird aufgescheucht, zum Beispiel von einem freilaufenden Hund. Sie muss ihre Jungen verlassen, auf die der Hundehalter stößt und nicht weiß, was tun. In seiner Ohnmacht und mit dem schlechten Gewissen, dass er seinen Hund hat wildern lassen, nimmt er den Wurf mit und versteckt ihn im Kanalschacht. Die Anzeige gegen Unbekannt wegen Tierquälerei wird von der Polizei jedenfalls aufrechterhalten. Vielleicht ergeben sich jetzt unter dem Aspekt „Füchse“ neue Hinweise. (psp)