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Mittwoch, 21. Februar 2018 Drucken

Olympia-Tagebuch

Von wegen nur Tee – nein, Kaffee!

Olympia-Tagebuch: Röstereien und Cafés sind der große Renner in Korea

Von

Elisabeth Schlammerl

Nach zwei Wochen in Ostasien wird es Zeit, sich mit den Klischees zu beschäftigen – und damit aufzuräumen. Eines ist, dass Koreaner nur Tee trinken, keinen Kaffee. Sicher, es gibt hier eine alte Tee-Tradition. Sie reicht bis ins siebte Jahrhundert zurück. Aber tatsächlich finden sich in Korea mittlerweile viel mehr Café- als Teehäuser. In der Hauptstadt Seoul gibt es gefühlt die größte Kaffeehaus-Dichte auf der Welt. Kaum verlässt man die eine Filiale, steht man schon vor der nächsten.

Aber nicht nur die international auch in Europa bekannten Ketten vertreiben ihre Spezialitäten. Korea selbst hat auch ein paar Café-Imperien aufgebaut – mit zum Teil klangvollen Namen. Eines heißt „Angel-in-us“, der Engel in uns, und kommt Medienschaffenden in Alpensia derzeit wahrlich wie ein Engel vor. Die etwas mehr als drei Euro für eine Caffè Latte sind eine gute Investition und die perfekte Alternative für die dünne, geschmacklose Plörre in den diversen Pressezentren. In „A Twosome Place“ geht man wohl am besten zu zweit und gönnt sich auch noch einen leckeren Tiramisu-Kuchen oder ein vegetarisches Sandwich. „Tom N Tom“ soll die größte eigene Rösterei in Korea haben und bietet als Spezialität verschiedene Brezeln amerikanischer Art.

In der Olympia-Dependance Gangneung gibt es für die etwas mehr als 200.000 Einwohner rund 300 Cafés. Zu den Sehenswürdigkeiten in der Stadt am Meer gehören nicht nur der Markt mit allerlei Meeresgetier wie dem Penisfisch oder riesige Kraken, sondern auch die Coffee Street neben dem kleinen Hafen unten am Anmok Beach. In den 1990er-Jahren waren dort immer mehr Kaffeeautomaten aufgestellt worden.

Der Strand erfreute sich großer Beliebtheit bei der Jugend, vor allem, weil die Maschinen irgendwann auch Kaffee in diversen Geschmacksrichtungen lieferten. Einer der ersten Barista Koreas, Park Yi-choo, eröffnete schließlich Anfang dieses Jahrtausends am Anmok Beach ein Café mit Kaffeerösterei, weitere folgten und ersetzten nach und nach die alten Automaten, aus denen ja noch Instantkaffee floß.

Mittlerweile befinden sich auf einer Länge von rund 500 Metern rund 30 Cafés, ein paar Filialen bekannter Ketten, aber auch Unikate wie das Santorini, das optisch ein wenig griechisches Inselflair vermittelt, oder das Café Alberto mit einer Auswahl feinster Kuchen und Torten sowie italienischem Eis.

Seit 2009 finden zudem regelmäßige Kaffee-Festivals in Gangneung statt. Die diesjährige Winterausgabe mit dem „Jazz Presso“ bietet Seminare für Barista-Neulinge oder künftige Kaffeehaus-Besitzer an und zeigt eine Ausstellung über die koreanische Kaffee-Geschichte. Außerdem treten Jazzkünstler und heimische Volksmusikgruppen auf. Neben Kaffee gibt es aber auch Tee zu trinken – und die koreanische Variante von Glühwein, die im Café do Brasil allerdings Vinho quente heißt und die europäischen Geschmacksnerven arg strapaziert.