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Dienstag, 13. Februar 2018 Drucken

Sport

Viele Ringe, keine Stimmung

Von Lars Becker

Hintergrund: Die Sportler finden den geringen Zuschauerzuspruch enttäuschend

Ein eisiger Wind fegt durch die Olympischen Spiele von Pyeongchang. Er drückt die Stimmung unter den ohnehin wenigen Zuschauern auf den Nullpunkt und sorgte gestern für die Absage des Riesenslaloms mit Goldfavoritin Viktoria Rebensburg. Erste Verletzte gab es beim Snowboard. Die Deutsche Silvia Mittermüller zog sich bei einem Sturz im Training für den Slopestyle-Wettbewerb einen Innenmeniskus-Riss zu. Schon am Sonntag erlitt die Australierin Tess Coady einen Kreuzbandriss.

„Mich hat eine Windböe erwischt, dadurch bin ich zu kurz gekommen und voll eingeschlagen“, beschrieb Mittermüller, die am Sonntag allerdings mit Fieber pausierte. Sportdirektor Stefan Knirsch übte deutliche Kritik: „Wir müssen gemeinsam mit dem Internationalen Skiverband FIS nach Möglichkeiten suchen, unsere Athleten besser zu schützen.“

Immer mehr Athleten schimpfen auch über die Geisterstimmung bei den Wettkämpfen. Als Olympiasieger Arnd Peiffer im Alpensia-Biathlonstadion aufs oberste Siegerpodest stieg, jubelte auf der Tribüne nur eine Handvoll deutscher Fans. Sie sangen „Oh, wie ist das schön“ – doch schön findet dieses Trauerspiel von den Sportlern keiner. „200 Leute sind vielleicht hier. Da kommen beim Training in Oberhof, Ruhpolding und Antholz schon zehn Mal so viele“, grummelte Biathlet Simon Schempp. Teamkollege Benedikt Doll fügte hinzu, dass er vor seinen Olympia-Debüt gar nicht so aufgeregt gewesen sei: „Hier sind zwar überall olympische Ringe, aber ansonsten ist ja nicht viel los.“ Das ist auch kein Wunder, weil zum Beispiel die Kapazität im Biathlon-Stadion nur 7500 Zuschauer beträgt.

So spartanisch sind die Ränge bei allen Schneesportarten in und um Pyeongchang gebaut worden. Erschwert wird die Lage noch dadurch, dass zumindest alle nordischen Disziplinen wie von den europäischen TV-Sendern gewünscht in den Abend- und Nachtstunden über die Bühne gehen. Dann fällt das Quecksilber durch den eisigen Wind schnell auf gefühlte minus 20 Grad. „Es waren ja ein paar Leute da, aber die sind zwischendurch wahrscheinlich erfroren. Ich hätte das auch nicht ausgehalten“, übte sich Bundestrainer Werner Schuster nach der ersten Skisprung-Entscheidung in Sarkasmus. Als sein Schützling Andreas Wellinger Olympiasieger wurde, war es 19 Minuten nach Mitternacht – die Tribünen waren komplett leer.

Ähnlich trist sind auch die Siegerehrungen auf dem Olympic Medal Plaza. Vielleicht 100 Menschen wollten sehen, wie Biathletin Laura Dahlmeier ihr erstes Olympia-Gold überreicht bekam. „Ich hatte mir das schon ein bisschen anders vorgestellt“, sagte sie danach. Zusammengefasst passt vielleicht am besten das Etikett, das Werner Schuster der Stimmung in Pyeongchang gibt: „Das ist hier wie im Deutschland-Pokal.“ Der erfahrene Coach zeigte dafür aber auch Verständnis: „Schließlich gibt es hier keine Wintersport-Tradition. Und erfolgreiche Sportler haben sie auch nicht.“ Außer im Shorttrack.

1,18 Millionen Olympia-Tickets waren ohnehin nur verfügbar, und davon sind nur etwa 80 Prozent verkauft. Die Olympia-Organisatoren wussten wahrscheinlich schon im Voraus das geringe Interesse im eigenen Land und die fiese Kälte einzuschätzen.

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