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Donnerstag, 27. Juni 2019 Drucken

Sport

U21-EM: Am Scheideweg

Von Tobias Schächter

Der FC Augsburg wirbt um ihn: Levin Öztunali.

Der FC Augsburg wirbt um ihn: Levin Öztunali. ( Foto: dpa)

Zweimal holte Deutschlands U21 bislang den EM-Titel, 2009 konnte sie ihn nicht verteidigen. Die aktuelle Generation strebt dies an. Die nächste Hürde auf dem Weg zum großen Ziel ist Donnerstag um 18 Uhr Rumänien. Zu einem Faktor könnte die Hitze werden. Der Mainzer Levin Öztunali spielt auch um seine Zukunft.

Die Gegner würden immer namhafter je länger das Turnier dauere, vermutete Levin Öztunali kürzlich im Trainingsquartier der deutschen U21-Nationalmannschaft in den Hügeln des Friaul.

Der Offensivspieler des FSV Mainz 05 hat sich geirrt. Während große Fußballnationen wie Italien oder England ausgeschieden sind, trifft die deutsche Auswahl heute auf Rumänien. Die Osteuropäer sind zum ersten Mal seit 21 Jahren wieder bei einer EM dabei. Öztunali hingegen kann nach dem Gewinn des EM-Titels 2014 mit der U19 nun nach 2017 zum zweiten Mal in Serie auch mit der U21 die Kontinentalmeisterschaft gewinnen.

Mit 23 Jahren ist Öztunali der älteste Spieler im Kader von Trainer Stefan Kuntz. In der Bundesliga kam er bislang 126-mal zum Einsatz, erzielte sieben Tore und kommt auf 19 Vorlagen. Doch trotz seines großen Erfahrungsschatzes stagniert die Entwicklung des 28-maligen U21-Nationalspielers, nur Fabian Ernst absolvierte noch drei Spiele mehr in dieser deutschen Nationalmannschaft. Das Talent liegt dem gebürtigen Hamburger als Enkel der deutschen Fußball-Ikone Uwe Seeler im Blut. Aber den ganz großen Durchbruch hat er in der Bundesliga weder bei Bayer Leverkusen, Werder Bremen noch in Mainz geschafft. Immer wieder deutet Öztunali enorme Qualitäten an, ohne sie über einen längeren Zeitraum regelmäßig auf den Platz bringen zu können. Auch bei dieser U21-EM ist das so: Einer guten Leistung gegen Dänemark (3:1) zum Auftakt folgte eine sehr gute gegen Serbien (6:1) mit einer tollen Torvorbereitung, während er zum Vorrundenabschluss gegen Österreich (1:1) wie das ganze Team schwächer agierte.

Schwankende Leistungskurven begleiten Öztunali seine ganze Karriere, die im Moment am Scheideweg steht. Die letzte Saison in Mainz verlief unbefriedigend, in 15 Einsätzen blieb er torlos, bereitete nur zwei Treffer vor. Nun spielt er in Italien bei der EM um seinen Marktwert und seine Zukunft. Die Mainzer dürften Öztunali, dessen Vertrag noch bis 2021 läuft, bei einem entsprechenden Ablöse-Angebot ziehen lassen. Das Interesse vom FC Augsburg ist wohl ernsthaft. Dort würde er auf Trainer Martin Schmidt treffen, der offensive Außenbahnspieler liebt und Öztunali aus gemeinsamen Mainzer Zeiten gut kennt. Auch U21-Trainer Stefan Kuntz setzt Öztunali im 4-3-3-System als Außenstürmer ein, eine Rolle, die im besser zu liegen scheint, als eine Achter-Position im 4-4-2 mit Raute unter Trainer Sandro Schwarz in Mainz.

Öztunali spielt im Nationaltrikot mit mehr Selbstvertrauen und besser als zuletzt bei den „Nullfünfern“. Eine stichhaltige Erklärung dafür hat der im Gespräch zurückhaltende, eher schüchterne Fußballer nicht. Öztunali ist das Gegenteil eines Lautsprechers, er vermutet: „In Mainz spielen wir ein anderes System, vielleicht liegt es am System, man weiß es nicht.“ Die ordentlichen Leistungen bei der EM täten ihm aber natürlich gut, gibt er zu.

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