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Dienstag, 13. Mai 2014 Drucken

Speyer Land

Süße Träume im Hotel Schäbig

Bei einem Kunstprojekt kann man eine Nacht auf dem ehemaligen Benjamin-Franklin-Kasernengelände verbringen

Von Gerhard Bühler

 

Die ehemalige US-Militärsiedlung Benjamin Franklin Village stellt für die Planer die mit Abstand schwierigste Aufgabe im Zuge der Konversion in Mannheim dar. Um Bürger an der Entwicklung des Areals zu beteiligen und Anregungen und Ideen zu finden, ist unter dem Namen „Franklin Factory“ ein Beteiligungsverfahren mit Besichtigungen, Vorträgen und Kultur gestartet. Ein Kunstprojekt bietet mit Rauminstallationen sogar Übernachtungen in der Geisterstadt an.

 

 

Ein merkwürdiges Gefühl beschleicht den Besucher beim Rundgang durch die einst von 8000 Menschen belebte Siedlung – entlang der aufgereihten Wohnblocks mit ihren Kinderspielplätzen, vorbei an einer großen Kirche, drei Kindergärten und dem Medizinischen Zentrum. Alles ist in so gutem Zustand, als könnte sich jederzeit eine Tür öffnen und jemand heraustreten. Nur das kniehoch gewachsene Gras zwischen den Häusern verrät etwas über die vergangene Zeit seit dem Auszug der Amerikaner.

Das ansonsten verschlossene Gelände wurde eigens für die Besucher der „Franklin Factory“ geöffnet. Thema war ein besonderes Kunstprojekts. Auf Einladung des Festivals „Theater der Welt“ in Verbindung mit dem Nationaltheater verwirklicht die Künstlergruppe „raumlaborberlin“ derzeit in Mannheim ihr Kunstprojekt „Hotel shabbyshabby“ (in etwa: „Hotel SchäbigSchäbig“). Unter dem Motto „Hotelzimmer deiner Träume“ geht es um die Schaffung von insgesamt 20 Rauminstallationen, die an den verschiedensten Orten in Mannheim platziert werden. Drei davon stehen bald auf Benjamin-Franklin-Gelände.

Wie bei einem richtigen Hotelzimmer können Abenteuerlustige darin eine Übernachtung reservieren. In der Einsamkeit der Sport-Arena, dem Schnellrestaurant und auf einer Straßenkreuzung des verlassenen Geländes ist etwas Grusel im Preis inklusive. Eigentlicher Kern der von der städtischen Entwicklungsgesellschaft MWSP initiierten „Franklin Factory“ ist eine Veranstaltungsreihe, die seit Jahresbeginn regelmäßig in der ehemaligen „Elementary School“ der Militärsiedlung stattfindet.

„Wir wollen hier gemeinsam mit interessierten Bürgern über die Entwicklung des Areals nachdenken und diskutieren. Und Menschen anziehen, die Lust haben, hier zu leben und zu arbeiten“, sagt Mannheims Konversionsbeauftragter Konrad Hummel. „Wie kommt hier Leben hinein, wie bekommen wir die soziale Mischung hin?“, nennt er wichtige Fragen. Die Veranstaltungen mit einem ungewöhnlichen Mix aus Besichtigungen, Vorträgen, Workshops und Kultur werden offenbar gut angenommen. Im Schnitt seien 300 Besucher da, zum Teil Anwohner aus Käfertal und Vogelstang, zum Teil Menschen, die Immobilien kaufen wollen, erzählt Hummel.

Derzeit laufen die Kaufverhandlungen der Stadt mit der Bundesagentur für Immobilienaufgaben. Ein Teil der Fläche ist als Baugrund für Einfamilienhäuser vorgesehen. Was aus den mehr als 2000 Wohneinheiten wird, wie viele der Wohnblocks abgerissen werden, um Freiflächen zu schaffen, ist noch unklar.