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Mittwoch, 22. April 2015 Drucken

Spielen für die Internetgemeinde

Christopher Strasser betreibt mit zwei Freunden einen eigenen Youtube-Kanal, auf dem Videospiele getestet werden

Von Jan Hess

 

Queidersbach. Drei junge Männer aus Queidersbach spielen gerne Videospiele. Dabei filmen sie sich und kommentieren den Verlauf. Die Filme veröffentlichen sie dann auf ihrem eigenen Kanal der Internetplattform Youtube.

 

 

„So, meine Lieben, da sind wir wieder. Herzlich willkommen zu Let’s Play ,Ori And The Blind Forest‘“, begrüßt Christopher Strasser seine Zuschauer. Der 21 Jahre alte Queidersbacher betreibt einen eigenen Youtube-Kanal, auf dem er Videospiele testet. „Wir haben endlich den Ginso-Baum erreicht und ich bin gespannt, was uns jetzt hier erwarten wird. So wie ich gehört hab, soll das jetzt doch ziemlich heftig werden.“

Für die nächsten 15 Minuten seines Videos nimmt Christopher Strasser seine Zuschauer mit in den mystischen Wald Nibel. Über Dornen und Abgründe, vorbei an zahlreichen, recht ungemütlich aussehenden Gegnern, steuert er seinen Spielhelden Ori durch die virtuelle Welt und versorgt seine Zuschauer währenddessen fleißig mit Eindrücken und Kommentaren zu dem gerade neu erschienenen Computerspiel. Solche „Let’s Plays“, wie die kommentierenden Kleinfilme in der Computerspielszene genannt werden, las-sen sich auf der Videoplattform Youtube bereits seit einigen Jahren finden. „Die meisten, die solche Videos aufnehmen, kommen jedoch aus dem Nordwesten oder dem Osten Deutschlands. Hier in der Gegend gibt es so etwas kaum“, sagt Strasser. Zusammen mit seinen Freunden Kevin Hartmann (19) und Sandy Krafczick (21) hat Strasser Anfang des Jahres den neuen Youtube-Kanal aufgebaut. „GeeksterDE“ beschäftigt sich mit „Let’s Plays“ zu Videospielen verschiedener Genres. „Da wir sowieso regelmäßig zocken, dachten wir uns: Wieso nehmen wir das nicht auf, testen und kommentieren die Spiele für andere Interessierte“, sagt Krafczick, der für den Kanal momentan „Oceanhorn“ spielt und begleitend dazu kommentiert.

Aus rechtlicher Sicht bereite die Aufnahme und Veröffentlichung von Spielausschnitten keine Probleme. „Bei den meisten Spielen ist in der Spielbeschreibung genau angegeben, was man zeigen darf und was eben nicht“, erklärt Hartmann. Die meisten Spielhersteller betrachteten „Let’s Plays“ als kostenlose Werbung.

Die drei Queidersbacher spielen für ihre Tests überwiegend „blind“, also zum ersten Mal und ohne den Lösungsweg zu kennen. Das individuelle Spielerlebnis des Kommentierenden steht dabei im Vordergrund, wie die Jungen erklären. Kevin Hartmann probiert sich derzeit an „Kaizo Mario“, einer Modifikation des bekannten Nintendo-Klassikers „Mario World“. „Das ist fast wie das Originalspiel, nur sehr viel schwerer“, sagt Hartmann. „Und es ist sehr unterhaltsam, wenn Kevin irgendwann ausflippt, weil das Spiel kaum zu schaffen ist“, ergänzt Krafczick lächelnd.

Um die durchaus unterhaltsame Mimik während des jeweiligen „Let’s Plays“ für den Zuschauer sichtbar zu machen, lassen die drei während der Aufnahme meistens auch ihre Webcam mitlaufen. Die Mitschnitte werden dann am PC zusammengefügt. Etwa zwei Stunden dauert es, bis ein zehn- bis 20-minütiges Video fertig ist. Je nach Größe dauert der Upload auf Youtube nochmal so lange.

Das Besondere an „GeeksterDE“ sei, dass sie nicht nur Aufnahmen von Einzel-„Let’s Plays“ in Hochdeutsch veröffentlichten, sagt Strasser. „Wir laden auch Multiplayer-Spiele hoch, die wir in schönem pfälzischem Dialekt kommentieren.“ Seit Ende Februar füttern die drei Queidersbacher ihren Youtube-Kanal nun mit Videos. Mit der Resonanz sind sie bisher zufrieden: „Wir haben noch kaum Werbung gemacht und trotzdem schon elf Abonnenten“, sagt Krafczick. Mit den dreieinhalb Millionen Abonnenten des populärsten „Let’s Players“ im deutschsprachigen Raum, Erik Range alias Gronkh, wollen sie sich ohnehin nicht messen. „Für uns ist es ein Hobby. Unser Ziel ist es erst einmal nicht, mit den Videos Geld zu verdienen“, erklärt Strasser.