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Montag, 19. Januar 2015 Drucken

Südwest

Noch mehr Nummernschild-Vielfalt

Von Christoph Hämmelmann

Zurückgekehrt: Etwa 4,5 Prozent der Autos im Donnersbergkreis haben mittlerweile wieder das alte ROK-Kennzeichen. (Foto: Nobi)

Der Nummernschild-Professor: Ralf Bochert mit wiederzugelassenen Autokennzeichen verschwundener rheinland-pfälzischer Landkreise. (Foto: dpa)

Kennzeichen untergegangener Kreise dürfen sich Autofahrer schon länger wieder an die Stoßstange schrauben. Der Kreis Südwestpfalz geht nun noch weiter: Er will eine alte Kombination ausgeben, die jenseits der Kreisgrenze noch immer benutzt wird. Ein Professor sagt: Der Trend ist schön für Nostalgiker, hilft aber auch Reformern.

 

ZWEIBRÜCKEN. ROK ist wieder da: Gut 3000 Autos haben in den vergangenen anderthalb Jahren das Kennzeichen des Kreises Rockenhausen bekommen, obwohl es den schon seit 1969 nicht mehr gibt. Die meisten seiner früheren Gemeinden gehören nun zum Donnersbergkreis, und dessen Bürger bekamen jahrzehntelang nur KIB an ihre Stoßstangen. Doch mittlerweile können Kreise ihren Einwohnern auch Nummernschilder mit Nostalgie-Kennungen erlauben.Die Freiheit geht sogar noch weiter. Schließlich trauern Menschen auch Kennzeichen nach, die nicht komplett verschwunden sind, aber für ihren Wohnort nicht mehr ausgegeben werden. Die Dörfer der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land beispielsweise gehörten bis 1972 zum Kreis Zweibrücken und hatten deshalb ein ZW-Kennzeichen. Dann kamen sie zum Kreis Pirmasens, der sich mittlerweile Südwestpfalz nennt. 

Ihre Einwohner mussten fortan PS verwenden, ZW gab es nur noch in Zweibrücken selbst. Demnächst soll sich das wieder ändern. Der Kreis will ab 1. Februar auch Stadt-Kombinationen vergeben, weil sie für einen Teil seines Gebiets als Altkennzeichen gelten. Eine Folge: Selbst Hauensteiner können dann ZW bekommen, obwohl sie diese Buchstaben nie an ihren Autos hatten. ROK prangt heute schließlich auch an Stoßstangen von Autofahrern, die im Altlandkreis Kirchheimbolanden leben. 

Bundesweit sind mittlerweile fast 300 Altkennzeichen wieder zugelassen. Besonders viele neu-alte Kombinationen verzeichnet das Bundesverkehrsministerium für die neuen Länder. Ganz vorne liegt allerdings Bayern: Im Juli 2013 sind dort auf einen Schlag 56 alte Buchstabenkombinationen zurückgekehrt. Die Rheinland-Pfälzer Bilanz fällt dagegen bescheiden aus. Neben ROK dürfen neun weitere Kennungen untergegangener Kreise wieder benutzt werden. 

Doch der erste Eindruck täuscht. Denn in Rheinland-Pfalz waren ohnehin nur wenige Kennzeichen verschwunden. Ein Sprecher des Innenministeriums in Mainz sagt: Fast alle sind wieder da. Eine Ausnahme in der Pfalz: BZA. Die meisten Gemeinden des einstigen Landkreises Bergzabern gehören seit 1969 zum Kreis Südliche Weinstraße. Der aber hat lieber darauf verzichtet, das alte Kürzel zurückzubringen. 

Der Heilbronner Tourismus-Professor Ralf Bochert findet das schade. Mit Umfragen und Studien hat der Wissenschaftler vor ein paar Jahren die Rückkehr der verschwundenen Kürzel erkämpft. Er meint: Das prägnante BZA wäre ein gutes Markenzeichen für den Kurort. Manche Altkennzeichen-Varianten allerdings würden auch ihm zu weit gehen. Wie man die Nummernschild-Nostalgie auf die Spitze treiben könnte, zeigt ein Spezialfall aus der Pfalz: der Rhein-Pfalz-Kreis. 

Der hieß bis 2004 Kreis Ludwigshafen – und teilte sich mit der Chemiemetropole nicht nur den Namen, sondern auch das Nummernschild. Der bloße Namenswechsel allerdings ist kein Grund, um LU als Zweitkennzeichen ins RP-Land zurückzuholen. Dazu muss es schon echte Gebietsänderungen gegeben haben. Doch auch die kann der Kreis vorweisen: Bis 1969 bestand der deutlich kleinere Altlandkreis Ludwigshafen. 

Dank dieser Vorgeschichte wäre es tatsächlich denkbar, im RP-Land wieder LU-Kennzeichen auszugeben. Und nicht nur die. Zum heutigen Rhein-Pfalz-Kreis gehören auch Orte aus den Altlandkreisen Speyer und Frankenthal. Bobenheim-Roxheimer könnten sich also ein SP-Kennzeichen gönnen, obwohl ihr Ort zwischen Frankenthal und Worms liegt. Und Dudenhofener könnten ein FT-Kennzeichen verlangen, obwohl sie an der Ortsgrenze von Speyer wohnen. 

ROK wiederum könnte theoretisch nicht nur im Donnersbergkreis ausgegeben werden. Denn einige Dörfer des früheren Kreises Rockenhausen gehören nun zu den Kreisen Bad Kreuznach und Kaiserslautern. Hans Jörg Duppré, Südwestpfalz-Landrat und ehemaliger Chef des deutschen Landkreistags, warnt deshalb vor Unübersichtlichkeit. Ohnehin findet der Christdemokrat: Dass Kürzel wieder aus der Versenkung geholt werden, ist ein „Zurück in die Vergangenheit“, deshalb „nicht zielführend“. 

Professor Bochert hingegen meint: Alte Nummernschilder können beim Weg in die Zukunft helfen – gerade in Rheinland-Pfalz. Denn im Norden des Landes leben auf viel Raum nur wenige Menschen, während im Süden kreisfreie Städte und Kreise viele Einwohner, aber nur wenig Fläche haben. Der Wissenschaftler sieht daher gute Gründe für das, was die Landesregierung ohnehin plant: eine weitere Gebietsreform, bei der auch Kreisgrenzen nicht mehr Tabu sind. 

Die wird leichter durchzusetzen, wenn die betroffenen Bürger ihre gewohnten Kennzeichen behalten können, meint Bochert. Landrat Duppré allerdings widerspricht: „Diese Einschätzung teile ich nicht.“ Dass er ZW trotzdem in seinen Kreis zurückkehren lässt, begründet der Chef der Südwestpfalz-Kreisverwaltung so: „Letztendlich haben einige Bürger des Kreises diesen Wunsch an mich herangetragen. Diesem Ansinnen wollte ich mich nicht verschließen.“