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Donnerstag, 11. September 2014 Drucken

Südwest

Nicht weit gekommen

Was es mit Bohlander, Dauernheim, Dorweiler, Lüchow und Wolkersdorfer auf sich hat

Ob häufig oder rar, jeder Familienname besitzt einen individuellen Klang. Kennern erzählen Namen ganze Geschichten: Wo ihre Träger herstammen, welchen Beruf und welche Vorlieben ihre Vorfahren hatten oder wie sie aussahen. RHEINPFALZ-Leser können sich von den Namenforschern der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz Fragen zum Familiennamen beantworten lassen. Die Antworten kommen heute von Fabian Fahlbusch.

 

Wo jemand herkommt, also seine Wurzeln hat, stellt ein wichtiges Merkmal zur Beschreibung seiner Person dar. Das war schon im Mittelalter so. Zwar musste man damals noch nicht in Formularen neben der kompletten Anschrift auch den Geburtsort angeben, doch wurden Zu-gezogene gerne nach ihrer ursprünglichen Heimat benannt. Dabei nahmen die Mitmenschen nie den aktuellen Wohnsitz, denn ein Nürnberger in Nürnberg stellte die Regel und nicht die charakterisierende Ausnahme dar. Innerhalb einer Gemeinschaft wählte man stattdessen eher den Beruf oder hervorstechende körperliche beziehungsweise charakterliche Merkmale. In den Herkunftsnamen aber haben sich viele kleinere Ortschaften, die zum Teil bereits untergegangen sind, erhalten. Namenforscher Fabian Fahlbusch nimmt die RHEINPFALZ-Leser heute mit auf eine Reise nach Bolanden, Dauernheim, Dorweiler, Lüchow und Wolkersdorf.

 

aus (Kreis Kaiserslautern) möchte wissen, was sein Familienname bedeutet.

Die abgegangene Burg Altenbolanden war einst der Stammsitz der Bolander, eines Mainzer Ministerialengeschlechts. Ihr Name (1128 erwähnt als „Bonlande“, und 1184 als „castrum Bolant“) lässt sich auf einen alten Flurnamen „zuo den bônlanden“ in der Bedeutung „Ort, wo vor allem Bohnen angebaut wurden“ zurückführen. Von der Burg hat auch die Gemeinde Bolanden im Donnersbergkreis ihren Namen geerbt. Einige Einwohner sind im Mittelalter südwestwärts in Richtung Rockenhausen, Kaiserslautern, Homburg oder Saarbrücken gezogen und haben einen Hinweis auf ihre alte Heimat im Familiennamen bewahrt. Bundesweit 170 Telefonanschlüsse (hochgerechnet rund 476 Namenträger) lauten heute auf Bohlander. Das spätestens seit 1220 zum Besitz der Herren von Bolanden gehörende Kirchheimbolanden erhielt erst im 19. Jahrhundert den Zusatz „bolanden“ zur Abgrenzung von Kirchheim an der Weinstraße und kann also nicht mehr namengebend gewesen sein. Während die Begriffe „Kirche“ und „Heim“ oft in Ortsnamen begegnen, kommt „landen“ nur 21-mal vor; häufiger ist „land“ mit 126 Belegen.

aus (Kreis Kaiserslautern) schreibt: „Gerne möchte ich erfahren, wo mein Name herkommt und ob es eine Verbindung zum Ort Dauernheim gibt?“

Eine Verbindung gibt es wirklich. Denn Dauernheim, Ortsteil der Gemeinde Ranstadt im hessischen Wetteraukreis, hat in der Tat zum gleichlautenden Familiennamen geführt. Er weist heute 31 Telefonanschlüsse (hochgerechnet rund 87 Namenträger) auf, die sich nach wie vor hauptsächlich in der Wetterau finden. In Deutschland existieren heute 1534 Siedlungen, die auf „-heim“ ausgehen: Hier besteht der Bezug zum mittelhochdeutschen Wort „heim“ (mittelnieder-deutsch „heime“) in der Bedeutung „Haus, Heimat, Wohnstätte“.

aus (Rhein-Pfalz-Kreis) schreibt: „Angeregt durch Ihre Artikel möchte ich Sie um Ihre Recherche zu unserem Namen Dorweiler bitten. Mein Vater war aus Flörsheim am Main, seine Großeltern kamen aus dem Raum Mayen; dort in der Nähe gibt es auch eine Ortschaft namens Dorweiler.“

Die knapp 460 Träger des Namens Dorweiler (164 Telefonanschlüsse) leben heute einerseits im Dreieck Gondershausen – Lahnstein – Kamp-Bornhofen, andererseits klar davon getrennt im Raum Erftstadt – Kerpen – Bergheim. Beiden Nestern können wir jeweils einen eindeutigen Herkunftsort zuordnen. Im ersten Fall handelt es sich um den gleichnamigen Ortsteil der Gemeinde Dommershausen im Rhein-Hunsrück-Kreis. Für die zweite Verdichtung kommt der ebenfalls Dorweiler heißende Ortsteil der Gemeinde Nörvenich bei Düren in Frage. Exakt 700 „-weiler“-Orte zählen wir in Deutschland. Die Endung beruht auf lateinisch „villaris“, was die zum Herrenhof gehörigen Gesindehäuser bezeichnete.

aus (Südliche Weinstraße bittet um Recherchen zu seinem Familiennamen.

In einem Streifen Itzehoe – Hamburg – Lüneburg – Uelzen trifft man heute die meisten der etwa 246 Lüchows (88 Telefonanschlüsse) an. Aufgrund dieser Verbreitung kommen zwei gleichlautende Ursprungsorte in Frage, nämlich im südlichen Wendland (Niedersachsen) sowie im Kreis Herzogtum Lauenburg (Schleswig-Holstein). Sie sind mit dem slawischen Zugehörigkeitssuffix „-ow“ von einem Rufnamen „L’uch“ abgeleitet, bedeuten also „Ort des L’uch“. 1258 solcher Siedlungsnamen mit der Endung „-ow“ gibt es in der Bundesrepublik.

aus (Donnersbergkreis) freut sich über eine Antwort auf seine Frage „Woher kommt mein Name?“

Fünf Orte mit Namen Wolkersdorf existieren in Deutschland, die meisten davon in Bayern. Die 110 Telefonanschlüsse für den daraus entstandenen Familiennamen Wolkersdorfer mit der typisch süddeutschen Ableitungssilbe „-er“ treten verstärkt im Raum Nürnberg/Schwabach auf. Als Ausgangspunkt bietet sich daher das bis 1972 eigenständige und heute einen Stadtteil von Schwabach bildende Wolkersdorf an. Weit gekommen sind also auch diese hochgerechnet etwa 308 Namenträger nicht.

„-dorf“ ist dabei ein äußerst beliebtes Siedlungsnamenendglied, zu mittelhochdeutsch „dorf“ beziehungsweise mittelniederdeutsch „dorp“ in der Bedeutung „Dorf, Landgut“, das sich bei 5726 Orten findet.

 

Haben Sie Fragen zu Ihrem Familiennamen, dann schreiben Sie uns. Die Mainzer Sprachwissenschaftler wählen aus allen mittlerweile eingegangenen Einsendungen pro Folge drei bis vier Familiennamen aus und erläutern deren Herkunft und Bedeutung. Das heißt aber leider: Nicht alle Einsendungen – inzwischen sind es rund 6000 – können in der seit Sommer 2005 laufenden Serie berücksichtigt werden. Zudem: Diese Serie leistet keine Ahnenforschung. (Fotos: Kunz (2), View, Iversen, Nobi)