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Freitag, 15. März 2019 Drucken

Ludwigshafen

Neues Tor zum Bürgerhof

15 Millionen Euro werden für das neue Bürgerhof-Entrée investiert. 30 Wohnungen sollen im Stadtkern entstehen. Monatelang lagen die Pläne auf Eis. Jetzt übernimmt eine Ludwigshafener Firma die Regie. Ein Problem ist der Untergrund, ein zweites der Knödelbrunnen. Und: Die Mietpreise sind gesalzen.

Von Steffen Gierescher

Pressegespräch gestern (von links): Andreas Müss, Jutta Steinruck, Wolfgang van Vliet und Klaus Schäffner.

Pressegespräch gestern (von links): Andreas Müss, Jutta Steinruck, Wolfgang van Vliet und Klaus Schäffner. ( Foto: ier)

30 Wohnungen plus Gewerbe, zur Fußgängerzone hin verteilt auf maximal acht, im Bürgerhof-Innenbereich abgestuft auf drei bis vier Etagen: So soll der Komplex nach der Fertigstellung Ende 2021 aussehen.

30 Wohnungen plus Gewerbe, zur Fußgängerzone hin verteilt auf maximal acht, im Bürgerhof-Innenbereich abgestuft auf drei bis vier Etagen: So soll der Komplex nach der Fertigstellung Ende 2021 aussehen. (Entwurf: Fischer Architekten)

Muss für den Abriss entfernt werden: der Knödelbrunnen in der Fußgängerzone.

Muss für den Abriss entfernt werden: der Knödelbrunnen in der Fußgängerzone. ( Archivfoto: Kunz)

Das nächste Großbauprojekt in der Innenstadt ist nach erheblichen Startschwierigkeiten unter Dach und Fach. Entsprechend gelöst war gestern die Stimmung der Beteiligten bei der Präsentation im Turmrestaurant im Ebertpark. Mehrfach wurde von einem Meilenstein für die City gesprochen, auch von einem neuen Tor für den zentralen Bürgerhof war die Rede. Der eher spärlich besuchte Platz soll mit dem Gebäude ein modernes Entrée erhalten, dadurch aufgewertet und zur Fußgängerzone hin geöffnet werden. Geschätzte Bauzeit: 30 Monate.

Als Generalunternehmen wird die in Mundenheim ansässige Luma Haus GmbH das Vorhaben im Auftrag der kommunalen Immobiliengesellschaft GAG bis Ende 2021 umsetzen. Der Vertrag zwischen den Partnern wurde gestern unterzeichnet, nachdem der GAG-Aufsichtsrat seine Zustimmung gegeben hatte. „Ich danke dem Aufsichtsrat, dass er den Weg für die Realisierung dieses schwierigen Projekts immer mitgegangen ist. Der heutige Tag ist ein Neustart nach allen Problemen“, sagte Wolfgang van Vliet als Vorstand der GAG, die in Ludwigshafen rund 12.800 Wohnungen betreut und damit die landesweit größte städtische Baugesellschaft ist.

90 Pfähle tragen den Komplex

In das neue Wohnhaus-Ensemble am Bürgerhof sollen bis zu 75 Menschen einziehen. In den zwei etwa 25 Meter hohen Türmen zur Fußgängerzone hin sind maximal acht, im Bürgerhof-Innenbereich abgestuft drei bis vier Geschosse vorgesehen. Die Wohnfläche beträgt insgesamt 1800 Quadratmeter. Geplant sind Zwei- bis Vier-Zimmer Appartements mit 50 bis 100 Quadratmeter Wohnfläche. Der Preis pro Quadratmeter liegt zwischen neun und elf Euro. Gemessen am aktuellsten Ludwigshafener Mietspiegel aus dem Jahr 2017 würde er damit weit über dem damaligen Mittelwert von 5,96 Euro liegen.

Zusätzliche 1450 Quadratmeter sind in den unteren beiden Etagen fürs Gewerbe reserviert. Hier liegt der Quadratmeterpreis bei 14 bis 15 Euro. Mit einem Ankermieter aus dem Dienstleistungssektor, der 1100 Quadratmeter belegen will, sei er im Gespräch, sagte van Vliet. Auch für die restlichen Flächen gebe es Interessenten. Der „torartige“ Komplex mit zwei alleinstehenden Gebäuden ist für den 60-Jährigen eine Schlüsselimmobilie in der Stadt.

Der Abriss des verwaisten Altbestands soll im Herbst beginnen und laut GAG-Prokurist Klaus Schäffner vier bis fünf Monate dauern. Problematisch ist der hohe Grundwasserstand. Dem 48-Jährigen zufolge müssen deshalb 90 Pfähle bis zu 20 Meter tief in die Erde gerammt werden, um die Häuser zu stabilisieren.

Dieser kostspielige Aufwand torpedierte im Vorfeld die Finanzkalkulation, weshalb das Projekt zwischenzeitlich auf Eis gelegt worden war. Hinzu kam: Von den 18 Firmen, die laut van Vliet von der GAG kontaktiert wurden, meldeten sich nur drei zurück. Deren Angebote lagen aber bis zu drei Millionen Euro über den Vorstellungen der GAG.

Im Dezember beschloss der Aufsichtsrat daher ein geändertes Konzept – mit Blick auf die Nutzung der Gebäude und das Thema Tiefgarage. Auf letztere wird verzichtet. Die 30 Stellplätze für die Mieter – ein Parkplatz pro Wohnung – sowie weitere für den Handel sollen im benachbarten Bürgerhof-Parkhaus garantiert werden. „Es war unerlässlich, die alten Planungen zu hinterfragen“, sagte GAG-Prokurist Schäffner gestern. „Die Schwierigkeiten sind überwunden“, bilanzierte van Vliet.

Luma-Chef ein bekannter Narr

Mit der Luma Haus GmbH ist nun ein Unternehmen eingestiegen, in dessen Angebot das veranschlagte Investitionsvolumen von 15,2 Millionen Euro (inklusive Grundstückserwerb) sogar um 100.000 Euro unterboten wird. „Es ist für mich eine herausragende Aufgabe, dieses Projekt in meiner Heimatstadt realisieren zu dürfen“, sagte Geschäftsführer Andreas Müss. „Schon seit Kindheitstagen kenne ich die Bürgerhof-Passage und habe leider auch miterleben müssen, wie der Zahn der Zeit daran gearbeitet hat. Ich bin mir sicher: Hier wird für alle Anwohner, Geschäfte und auch Besucher unserer Innenstadt ein weiterer und großer Schritt für eine gute Zukunft Ludwigshafens gegangen“, sagte der 44-Jährige, den man auch als Fasnachter kennt. Der Vater von drei Kindern ist Bezirksvorsitzender der Vereinigung badisch-pfälzischer Karnevalvereine und repräsentiert mehr als 125 Vereine und 30.000 Mitglieder. Die vor 30 Jahren gegründete Firma Luma beschäftigt 20 Mitarbeiter und arbeitet mit 500 externen Handwerkern zusammen. Zuletzt hat Luma Projekte mit über 100 Wohnungen in Neustadt, Altrip und in Nierstein (Kreis Mainz-Bingen) gestemmt, berichtete Müss.

„Das Bauvorhaben der GAG wird die Situation der Innenstadt nachhaltig verbessern“ – davon ist auch Oberbürgermeisterin und GAG-Aufsichtsratsvorsitzende Jutta Steinruck (SPD) überzeugt. Die Entwicklung im Zentrum gehe weiter voran, die jüngsten Signale seien allesamt positiv, meinte die OB mit Verweis auf das vor der Eröffnung stehende TWL-Kundenzentrum für 260 Mitarbeiter, die neue Pfalzwerke-Zentrale für 600 Mitarbeiter, die bis 2021 am ehemaligen C&A-Standort hochgezogen werden soll, oder die sich konkretisierenden „Metropol“-Hochhauspläne am Berliner Platz. In den vergangenen zehn Jahren seien 70 Millionen Euro in der City investiert worden, für Plätze und Anlagen zusätzliche zwölf Millionen Euro, unterstrich die 56-Jährige.

Unklar ist die Zukunft des Knödelbrunnens. Für die Abrissarbeiten muss er entfernt werden. Ob er an Ort und Stelle wieder aufgebaut, in den Bürgerhof versetzt oder am Ende gar komplett entsorgt wird, steht laut Steinruck noch nicht fest. „Wir denken jetzt erst mal Schritt für Schritt.“ Interview/Kommentar