Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Freitag, 14. Juni 2019 Drucken

Meinung

Nach Böhmermann-Satire: Mehr Respekt in der Homöopathie-Debatte

Von Anna-Lena Stauder

Die Wirkung von Globuli wird kontrovers diskutiert. (Foto: dpa)

Fernsehmoderator und Satiriker Jan Böhmermann setzt sich in der aktuellen Ausgabe des ZDF-Fernsehmagazins Neo-Magazin-Royale kritisch mit Homöopathie auseinander. Die Kontroverse entfacht hatte Ärztin Natalie Grams. Doch zu mehr als vernichtender Kritik ist es in der Debatte bislang nicht gekommen. Der Streit von Homöopathie-Befürwortern und -Kritikern ist inakzeptabel. Was der Debatte seit langer Zeit abhanden gekommen ist, ist der gegenseitige Respekt.

Mit der Aussage im RHEINPFALZ-Interview, Homöopathie wirke nicht über den Placebo-Effekt hinaus, hat Grams, die bis 2015 in Heidelberg eine homöopathische Privatarzt-Praxis führte, polarisiert. Der Homöopathika-Hersteller Hevert hat der Ärztin als Reaktion auf diese Äußerung eine Abmahnung zugeschickt. Darin wurde sie zur Abgabe einer Unterlassungserklärung aufgefordert. Grams hat angekündigt, diese nicht zu unterschreiben. Der Fall löste wie in den vergangenen Jahren so oft eine rege Diskussion über homöopathische Behandlungen und ihre Sinnhaftigkeit aus. Satiriker Jan Böhmermann legt mit dem Satz über Homöopathie "Verdünnen - Schütteln - Scheiße labern!" noch einmal nach.

Für ihn mag das Thema aber auch ein gefundenes Fressen sein. Nun ist die Debatte ohnehin schon sehr aufgeheizt und die Fronten verhärtet, da bringen Beiträge wie dieser noch mehr Unruhe. Für mehr Sachlichkeit sorgen sie nicht. Und die will Natalie Grams doch eigentlich herstellen. Da wundert es doch sehr, dass sie sich über die "Unterstützung" von Böhmermann so freut. Oder wie ist ihr Kommentar auf dem Nachrichtendienst Twitter "Verdünnen, Schütteln, Scheiße labern" @janboehm rasiert die #Homöopathie!" zu verstehen?

Zweck heiligt nicht alle Mittel

Der Zweck heiligt eben nicht jedes Mittel. Gerade Natalie Grams, die jahrelang als homöopathische Privatärztin tätig war, müsste es doch besser wissen. Mit ihren Aussagen verhält sie sich recht undiplomatisch. Auf ihrer Website schreibt sie, ihr Ziel sei es, dass "Patienten und Laien über die Homöopathie und andere pseudomedizinische Verfahren zunehmend richtig informiert werden". Aufklärung ist gut und richtig, aber nur, wenn man dabei nicht droht, in seiner eigenen Blase zu ersticken. Schwarz-Weiß-Denken hilft niemandem. Was in der Debatte total verlorengeht, ist der gegenseitige Respekt und das Aufeinanderzugehen.

Dass Homöopathie nicht über den Placebo-Effekt hinausreicht, weil es keine wissenschaftlichen Studien gibt, die das Gegenteil beweisen, mag sein. Das stellt niemand infrage. Aber warum muss in der heutigen Welt Vernunft und Glaube immer vollständig voneinander abgegrenzt werden? Schulmedizin wie Homöopathie haben ihre Vor- und Nachteile. Während es sich bei ersterer häufig um die Behandlung von Symptomen handelt, wird in der Homöopathie der Mensch als Ganzes stärker in den Fokus gerückt. Der Mensch kann über mögliche Hintergründe von Krankheits-Symptomen sprechen. Diese Gespräche kommen in der Schulmedizin oft zu kurz, auch weil Ärzte dafür schlichtweg keine Zeit mehr haben. Ein Teil der Wahrheit ist aber auch, dass durch die sofortige Einnahme von schulmedizinischen Medikamenten, die Patienten oftmals selbst vehement einfordern, die eigenen Selbstheilungskräfte gar nicht wirken können.

Pauschalisierung ist großes Problem

Dass Grams die Homöopathie als Arzneimittel verwirft, ist ihr gutes Recht. Ihre Forderung zu einer Medizin, die auf Wissenschaft aufbaut, auch. Aber das Problem daran ist, dass auch hier pauschalisiert wird. Nicht jeder Homöopath praktiziert die eine Lehre, genauso wenig wie ein Schulmediziner nur die eine praktiziert. Warum muss das eine also immer das andere ausschließen?

Pfalz-Ticker