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Mittwoch, 13. Dezember 2017

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Samstag, 18. Oktober 2014 Drucken

Ludwigshafen

Mit 20 000 Mann auf Fotosafari

Von Connie Lorenz

 

Es wird geknipst, was das Zeug hält: Die „Photo Walker“ haben auf ihrer Tour von Ludwigshafen nach Mannheim jede Menge lohnende Motive gefunden. Dazu gehörten unter anderem Graffiti in einer Unterführung. (Foto: Kunz)

Es wird geknipst, was das Zeug hält: Die „Photo Walker“ haben auf ihrer Tour von Ludwigshafen nach Mannheim jede Menge lohnende Motive gefunden. Dazu gehörten unter anderem Graffiti in einer Unterführung. (Foto: Kunz)

Es wird geknipst, was das Zeug hält: Die „Photo Walker“ haben auf ihrer Tour von Ludwigshafen nach Mannheim jede Menge lohnende Motive gefunden. Dazu gehörten unter anderem Graffiti in einer Unterführung. (Foto: Kunz)

Die Samstagsreportage: Ob in Sydney, Warschau, New Orleans oder Delhi – in 1052 Städten auf der ganzen Welt sind vor einer Woche mehr als 20 000 Hobbyfotografen auf der Suche nach dem ultimativen Bild gewesen. Auch in Ludwigshafen waren sie unterwegs.

 

Inmitten des samstäglichen Getümmels der Shopping-Freunde in der Rhein-Galerie stehen ein Dutzend freundliche Menschen zwischen Mitte 20 und Mitte 50. Jeder von ihnen hat eine große und teure Kamera um den Hals – manche sogar zwei.

„Ich schlage vor, dass wir uns alle duzen, das ist am einfachsten“, sagt Petra Brendel gleich nach der Begrüßung. Die junge Frau mit praktischer Kurzhaarfrisur und keckem Hütchen auf dem Kopf ist der „Photo Guide“ für diesen Tag. Sie hat die Tour durch Ludwigshafen organisiert und folgt damit der Idee des amerikanischen Fotografen Scott Kelby, der den „Photowalk“ für begeisterte Hobbyfotografen dieses Jahr schon zum siebten Mal initiiert hat.

Die Regeln sind einfach: Eine Gruppe Menschen – die „Photo Walker“ – trifft sich mit einem „Guide“ in einer Stadt. Vorzugsweise passiert das in der Stadtmitte oder einer hippen, angesagten oder sehenswerten Gegend, die dann mit dem Fotoapparat erkundet werden soll. Das ist aber nur ein Ziel des Walks. Das andere: sich mit Gleichgesinnten treffen und austauschen. Statt einer Teilnahmegebühr wird jeder um eine Spende für das „Springs of Hope“-Waisenhaus in Kenia gebeten. Außerdem können die „Photo Walker“ nach der Tour ein eigenes Foto auf der Kelby-Website hochladen und so an einem globalen Fotowettbewerb teilnehmen.

Die Tour in Ludwigshafen führt am Rhein entlang bis nach Mannheim. Die Route hat Brendel im Vorfeld festgelegt und empfiehlt den Teilnehmern des „Photowalks“, dass sich jeder im Vorfeld ein eigenes Motto überlegen sollte. Eine bestimmte Richtung für seine Bilder. Also so etwas wie klein/groß, blau, Schatten/Licht, Strukturen, Reflexionen oder Menschen.

Und dann geht es auch schon los. Die Fotografen schwärmen in alle Richtungen aus. Die Interessen sind ganz unterschiedlich. Neben der gewölbten Außenhaut des Ladentempels wird zunächst vor allem die gegenüberliegende Mannheimer Hafenansicht samt Speicher 7 geknipst. Aber auch spiegelnde Fensterscheiben, ein stillgelegter Kran, Fassadenmuster, gekräuseltes Wasser, die Stahlkonstruktion der Brücke, verschiedene Statuen und selbst eine randvolle Mülltonne müssen als Motiv für die aufmerksamen „Photo Walker“ herhalten.

Einige der Teilnehmer sind extra aus Hemsbach angereist. Teilweise sind sie echte Technikfreaks. Einer hat ein goldfarbenes Objektiv, eine andere fachsimpelt mit der RHEINPFALZ-Fotografin über Blende, Linse und Tiefenschärfe. Sie alle gehen regelmäßig auf Fototouren, sind Vereinsmitglieder des Hemsbacher Fotoclubs. „Ich hoffe, heute an Stellen zu kommen, an denen ich noch nie war“, sagt Frank Köhntopp, dessen Wunsch sich später erfüllen soll, wenn es zu Fuß über die Adenauer-Brücke und durch Unterführungen mit wilden Graffiti geht. Köhntopp hat über die „einschlägigen Fotografen-Communities wie Google Plus von der Aktion heute“ erfahren.

Aus Heidelberg sind die beiden jungen Jurastudenten Nicolas und Diana Schoch angereist. „Wir sind ja von Heidelberg eher die hübschen Motive gewohnt – das Schloss oder die Alte Brücke. Daher freuen wir uns auf den Kontrast, möchten heute eher kalten Industriecharme fotografieren“, erklären sie. Diana hält für den fotografierenden Nicolas Schirm und Kaltgetränk bereit, während der sich auf den Boden kniet, um seine Bilder auch mal aus der Ameisenperspektive zu schießen, oder sich wagemutig über Brückengeländer hängt. Die modischen schwarzen Barbour-Gummistiefel von Diana mit dem davor aufgestellten roten Regenschirmen sind übrigens ebenfalls ein beliebtes Motiv an diesem Tag.

Mit dem Fotoapparat in der Hand kommt man schnell in Kontakt mit seinen Mitmenschen, stellt sich heraus. Mal lehnt eine Gruppe Obdachloser es strikt ab, fotografiert zu werden, mal haben zwei junge Austauschschülerinnen sichtlich Spaß an einer spontanen kleinen Tanz- und Turn-Einlage für die Fotografen.

Seit einem dreiviertel Jahr ist Petra Brendel offiziell bestätigte Stadtführerin des Rhein-Pfalz-Kreises. „Ich hatte die Idee zu den Photowalks schon länger im Kopf“ verrät sie. „Bei reinen Stadtführungen erfährt man zwar viel über die Stadt, aber es bleibt meist wenig Zeit zum Fotografieren.“ Daher bietet sie nun – ebenfalls seit einem dreiviertel Jahr – auch Fototouren an. „Die Teilnehmer sind häufig recht jung, oft sind es Studenten, die hobbymäßig fotografieren, manchmal aber auch Fotolehrer auf der Suche nach neuen Motiven.“

Das scheint gut zu funktionieren. Die Teilnehmer beim Kelby-Lauf sind jedenfalls allesamt angetan und essen am Ende des langen Wegs noch beim Griechen am Rhein gemeinsam. Es werden Telefonnummern und Facebook-Adressen getauscht. Ob einer der Ludwigshafener „Photo Walker“ am Ende einen Preis für das beste Bild bei der weltweiten Aktion gewinnt? Wer weiß. Gelohnt hat es sich aber für alle. Im Schnitt haben die Ludwigshafener „Walker“ bis in den Abend hinein 200 Fotos gemacht. Da wird ganz bestimmt wenigstens ein richtig Gutes dabei sein.