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Donnerstag, 22. Dezember 2016 Drucken

Landau

Minister würde Uni Landau empfehlen

Von Falk Reimer

An der Uni Landau haben die Weihnachtsferien bereits begonnen – Geschenke hat der Wissenschaftsminister nicht zu verteilen. ( Foto: Iversen)

Konrad Wolf ( Foto: Iversen)

„Die Uni ist angemessen finanziert“, sagt der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Konrad Wolf im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Der Sozialdemokrat und ehemalige Präsident der Universität Kaiserslautern findet, dass die Situation in Landau schlechter dargestellt wird als sie ist.

Herr Wolf, würden Sie Ihren Kindern raten, in Landau zu studieren?

Ja, unbedingt. Wenn sie dort einen Studiengang finden, der sie interessiert, würde ich das auf jeden Fall tun. Mit besten Empfehlungen.

Ihnen würde es also nichts ausmachen, dass Ihre Kinder wegen überfüllter Hörsäle auf Treppen sitzen, in einer schlecht ausgestatteten Bibliothek pauken und mit überlastetem Lehrpersonal auskommen müssen?

Ich glaube, dass dieses Bild die Zustände in Landau nicht korrekt wiedergibt. Ich kenne auch Studierende, die sehr positiv vom Studium in Landau erzählen.

Wie sieht dieses Bild aus?

Man muss sich die Entwicklung der Uni Koblenz-Landau anschauen. In der Forschung hat sie ein sehr starkes Profil aufgebaut, in Landau sind es speziell die Umweltwissenschaften, die deutschlandweit bekannt sind. Das spiegelt sich unter anderem beim Anstieg der Drittmittel wider. In der Lehre ist sie ebenfalls ausgezeichnet. Beleg hierfür sind Erfolge in bundesweiten Wettbewerben. Über die zwei großen Wettbewerbe, nämlich „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ und „Qualitätspakt Lehre“ fließen rund 11 Millionen Euro. Das Grundgefühl ist in Landau nicht negativ, die Studenten, auch im Uni-Report der RHEINPFALZ, bewerten die Uni durchaus als attraktiven Ort, an dem man gerne lebt und studiert; anders wäre der große Zulauf auch nicht zu erklären.

Die Probleme werden also aufgebauscht?

Ich sehe schon, dass die Uni vor großen Herausforderungen steht. Aber das Bild, das über die Woche hinweg in Ihrer Zeitung gezeichnet wurde, ist zu düster. Natürlich ist die Uni sehr stark gewachsen, aber die Entwicklung von Konzepten, wie damit umzugehen ist, braucht auch etwas Zeit. Räume beispielsweise sind nicht innerhalb weniger Monate zu beschaffen. In Landau ist es eine Herausforderung, dass viele verschiedene Örtlichkeiten miteinbezogen sind, das wird sich aber durch die Konzentration am Campus Süd sehr stark verbessern.

Die Probleme der Uni sind ja nicht neu, sondern seit Jahren existent.

Das Wachstum der Studierendenzahlen hat aber erst in den letzten Jahren besonders stark zugenommen. Das wirkt sich auch auf die Finanzierung aus: Allein durch den Hochschulpakt erhält die Uni in 2016 knapp 23 Millionen Euro, mit diesen Mitteln kann man arbeiten, die Bibliotheks-, Stellen- und Raumsituation verbessern; das kommt den Studierenden unmittelbar zugute.

Die Unileitung hat gesagt, dass sie das tun könnte, aber wegen des Stellenplans nicht dürfe.

Die Finanzierung durch den Hochschulpakt läuft bis 2023. Das ist seit 2014 bekannt. Der Planungshorizont für die Universität beträgt also zehn Jahre. In diesem sehr langen Zeitraum können Berufungen vorgezogen oder Stellen besetzt werden. Zusätzlich hat das Land seit 2014 300 Dauerstellen an den Hochschulen des Landes geschaffen. Nächstes Jahr werden weitere 100 Stellen verstetigt. 400 Stellen in drei Jahren sind für ein Land wie Rheinland-Pfalz ein Kraftakt – vor allem in Zeiten der Schuldenbremse.

Bleiben wir in Landau. Sie sind der Ansicht, dass die Uni nicht unterfinanziert ist?

Wenn man sich die Zahlen ansieht, ist Landau in der Summe ähnlich finanziert wie die Uni Trier. Die gesamte Universität Koblenz-Landau ist in der Summe aus Grundfinanzierung und Hochschulpakt angemessen finanziert. Natürlich ist die Uni finanziell nicht auf Rosen gebettet. Aber das Geld reicht sehr wohl, um damit die Rahmenbedingungen für ein gutes Studium zu verbessern.

Präsident Roman Heiligenthal ist der starke Mann der Universität. Und er ist verantwortlich für die Entwicklung der Hochschule. Wenn Sie seine Arbeit bewerten – ist er der richtige Mann auf dem Posten?

Es steht mir nicht zu, eine Bewertung über einen Hochschulpräsidenten abzugeben. Die Universität Koblenz-Landau ist in den letzten Jahren, wie ich dargelegt habe, sehr erfolgreich in Forschung und Lehre. Der Erfolg einer Universität ist am Ende des Tages immer eine Leistung von Leitung und der ganzen Hochschule – nicht nur eines Einzelnen.

Sind größere Veränderungen geplant oder bekennt sich das Land zur Uni Koblenz-Landau in ihrer derzeitigen Struktur?

Koblenz-Landau ist eine Uni im Aufbruch. In dieser Struktur hat sich die Universität gerade in den letzten Jahren sehr erfolgreich entwickelt.

Wie finden Sie es als Sozialdemokrat, dass Nachwuchswissenschaftler in Rheinland-Pfalz in solch prekären Verhältnissen arbeiten müssen?

Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler brauchen gute Arbeitsbedingungen, um sich erfolgreich weiterqualifizieren zu können. Das Land hat auch deswegen im vergangenen Jahr mit den Hochschulen vereinbart, dass diese Leitlinien für gute Arbeit entwickeln. Dabei ist es selbstverständlich, das der wissenschaftliche Nachwuchs Zeit haben muss, eine Promotion erfolgreich abschließen zu können.

Kann sich die Uni Landau auf ein Weihnachtsgeschenk aus Mainz freuen?

Nun bin ich leider nicht der Weihnachtsmann und Geschenke erwarten die Hochschulen auch nicht von mir. Aber dennoch hoffe ich, Grund für Freude bereiten zu können. Die umgebaute Reithalle, in die der Fachbereich Kunst ziehen soll, wird bald für Hochschulzwecke zur Verfügung stehen. Der geplante Flächenzuwachs des Campus Süd in der Georg-Friedrich-Denzel-Straße ist genehmigt, dies wurde dem Präsidenten am Anfang der Woche mitgeteilt, damit in Landau jetzt schnell gehandelt werden kann.

 

 

Zur Person

Professor Konrad Wolf ist seit Mai 2016 Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur in Rheinland-Pfalz. Zuvor war der 52-jährige Physiker sieben Jahre Präsident der Universität Kaiserslautern.

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