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Sonntag, 15. Juli 2018 Drucken

Sport

Michael Frontzeck im Interview: "Spieler sind jung, aber beileibe nicht grün"

Von Andreas Böhm

Freut sich, dass er „echte Typen“ in der gut gemischen Mannschaft aus jungen und alten Spielern hat: FCK-Trainer Michael Frontzeck.

Freut sich, dass er „echte Typen“ in der gut gemischen Mannschaft aus jungen und alten Spielern hat: FCK-Trainer Michael Frontzeck. ( foto: kunz)

Trainer Michael Frontzeck ist mit der Vorbereitung und dem Kader des Fußball-Drittligisten 1. FC Kaiserslautern zufrieden. Ein Gespräch zum Ende des Trainingslagers im österreichischen Zams über Typen, Favoriten, Missionen und rosarote Wolken.

Herr Frontzeck, kein Spieler ist verletzt, Zeugwart Peter Miethe verkündete freudig, dass sogar alle Bälle wieder die Heimreise mit in die Pfalz antreten – in den Vorjahren hätten immer mindestens fünf gefehlt. Kann ein Trainingslager besser zu Ende gehen?

Sagen wir mal so: Es ist erfreulich gelaufen. Über allem stand, dass diese neuformierte Truppe schnellstmöglich zusammenfindet. 15 neue Spieler, das ist nicht alltäglich. Schon in Herxheim hatte man das Gefühl, dass die Mannschaft in sich richtige Fortschritte macht. Jede gute Mannschaft funktioniert so, dass sie einen Selbstreinigungsprozess hat, dass sie viele Dinge intern regelt, und das wird bei uns so gemacht. Das ist der eine, vielleicht wichtigste Punkt. Zum anderen denke ich, dass wir mit sehr großem Umfang trainiert haben, weil es eine megaschwere, belastende Zeit wird, rein logistisch schon mal wegen der vielen Wege, die wir gehen müssen in der Saison. Du hast viele, viele Spiele. Ich glaube, dass wir die Grundlagen in der Kürze der Zeit gelegt haben. Am langen Ende ist es ein gutes Trainingslager, wenn, wie in unserem Fall, alle alles mitgemacht haben. Ich habe aber auch schon zu viele Trainingslager erlebt, die optimal gelaufen sind, wo du dich zum Start dann gefragt hast: Wie kann das sein?

 

Von Anfang an lautet der Tenor: In dieser Mannschaft stehen echte Typen. Wurden Ihre Erwartungen in der Hinsicht sogar übertroffen?

Es ist so, wie ich es mir vorgestellt habe. Wir haben viele gestandene Spieler, ob es Flo Dick ist, Mads Albaek, André Hainault, Kevin Kraus. Lukas Spalvis ist nun auch schon einige Zeit dabei; er ist relativ jung, aber hat auch schon einiges gesehen. Timmy Thiele hat viel gesehen in seiner Laufbahn, Hemlein, Zuck. Wir haben zwar viele junge Spieler, aber keine vollkommen grüne Mannschaft. Ich glaube, dass wir eine gute Mischung gefunden haben.

 

In einer Umfrage unter den 20 Drittliga-Trainern haben 17 auf den FCK als Meister gesetzt. Zwei Trainer haben sich enthalten, Sie und Pavel Dotchev von Hansa Rostock. Warum wollten sie kein Votum abgeben?

Das ist absoluter Nonsens für mich, vor der Saison zu sagen, wer Topfavorit ist. Ich muss jede Mannschaft zumindest mal gesehen oder gegen sie gespielt haben, um mir ein Urteil zu erlauben. Dass die anderen Trainer das machen, ist legitim. Ich glaube, mit dem Etat, den wir haben, haben wir etwas Gutes gemacht, aber es ist nicht so, dass wir wie Köln und Hamburg in der Zweiten Liga runtergehen und fernab von allen anderen sind. Wir sind mit unseren fünf Millionen im oberen Drittel dabei. Wir haben uns den Gegebenheiten angepasst und nicht rumgesponnen, sondern seriös den Kader geplant. Damit bin ich absolut zufrieden. Ob 17 Trainer sagen, dass wir Favorit sind, interessiert mich wirklich nicht. Wir haben einen großen Namen, eine große Historie, die wunderbar ist und die man pflegen sollte, und wegen des Namens wirst du halt in diese Rolle gehievt. Aber wir sind im Hier und Jetzt, und wir sind nicht umsonst dort, wo wir sind. Alle freuen sich, gegen den FCK zu spielen, das ist wunderbar. Aber wir sollten dafür sorgen, dass die Freude nicht allzu groß wird.

 

In der vergangenen Saison sollten Sie den FCK retten, dieses Mal sollen Sie ihn nach oben führen, auch wenn das niemand ausspricht. Wie sehr unterscheiden sich die Missionen für Sie persönlich?

Es ist schon ganz, ganz wichtig, das anzunehmen, diese Liga, aber auch die Schwere, die in unserem Kader liegt. 15 neue Leute zu integrieren, da sagst du ja normalerweise, du spielst mal ein halbes Jahr, und dann schaust du, wo du stehst. Ich werde nicht kommen und sagen: Gib’ mir mal sechs, sieben Monate Zeit, und dann sage ich euch, wo es hingeht. Wir haben den Kader nicht so zusammengestellt, dass wir Applaus dafür bekommen, sondern dass er funktioniert. Trotzdem ist der Kader sehr gut aufgenommen worden. Wir haben beim ersten Training gesehen, wie positiv die Menschen gestimmt sind. Das gibt uns Rückhalt für diese ersten Wochen, die megaschwer werden.

 

Die Philosophie bei den Torhütern lautet: Sie setzen auf die Jugend, Wolfgang Hesl ist die routinierte Absicherung dahinter. Was machen Sie, wenn sich die Absicherung in der Vorbereitung als beste Wahl erweist?

Ich habe mich relativ früh auf Jan-Ole Sievers als Nummer eins festgelegt, ich mache da auch kein Palaver drum. Er hat unter mir in seinen beiden Spielen Topleistungen abgerufen, gerade in Braunschweig, wo der Kessel unter Dampf stand, wo es darum ging, ob wir überhaupt noch mal in die Sphären kommen, dass wir überleben können. Lennart Grill ist ein hochtalentierter Torhüter, der körperlich gerade auch Fortschritte macht. Auf Wolle Hesl kannst du blind zurückgreifen. Er hat eine hohe Arbeitsmoral und ist für die jungen Torhüter wichtig im Gespräch. Man weiß nie, was im Laufe einer Saison passiert, aber zu Beginn ist das überhaupt kein Thema.

 

Am Freitag wurde nun auch der neue Hauptsponsor vorgestellt, ein Unternehmer, der den FCK im Herzen trägt. Positive Nachrichten, wohin man schaut. Ist das verführerisch?

Da passe ich wirklich auf, dafür habe ich auch ein feines Näschen, dass man nicht alles rosarot anmalt. Aber: Der Klub hat in den letzten zehn, 15 Jahren genug Schläge bekommen, man kann jetzt ruhig auch mal positive Dinge vermelden. Es läuft alles seriös ab mit Aufsichtsrat und Vorstand. Sie sehen das auch hier: Es ist ein Miteinander, es ist Transparenz innerhalb des Klubs vorhanden. Trainerteam, Mannschaft, Umfeld, Zuschauer – das ist auf einem guten Weg. Den müssen wir weitergehen. Und es wird sich dann zeigen, wie stabil das ist, wenn du mal in eine schwierige Situation kommst. Dafür arbeiten wir gerade, dass wir diese schwierige Situation so lange wie möglich hinauszögern können.

 

Auf der folgenden Rheinpfalz-Seite findet ihr alle Informationen zum 1.FC Kaiserslautern