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Montag, 21. November 2016 Drucken

Zeitgeschehen

„Melania Trump wird eine Ikone“

Interview: Ein Anruf bei Werner Mang, Deutschlands wohl bekanntestem Schönheitschirurgen

Die künftige First Lady Melania Trump hat sich bereits chirurgisch verschönern lassen – und zwar ziemlich gelungen, meint Werner Mang. ( Foto: REUTERS)

Mang ( Foto: REUTERS)

Wie schön wollen wir sein? Eine jetzt vorgestellte Umfrage der Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie zeigt aktuelle Trends bei Schönheits-Operationen. Ein Gespräch mit Werner Mang (67), Leiter der Bodenseeklinik in Lindau, über ärztliche Verantwortung und die richtige Körbchengröße.

 

Herr Professor Mang, es gibt kaum verlässliche Zahlen zu den Eingriffen in Deutschland. Nimmt Ihrem Eindruck nach die Sehnsucht nach operativer Verschönerung eher zu oder doch wieder ab?

Ganz klar zu, der Trend ist da ungebrochen. Ich habe sogar das Gefühl, dass manche Menschen neuerdings eher mal auf einen Urlaub verzichten, um sich eine OP leisten zu können.

Woran liegt das?

Unter anderem auch an der Bilderflut der Medien. Sie präsentiert uns immer schnelllebigere Schönheitsideale. Meine Patienten wollen mittlerweile ganz gezielt Merkmale berühmter Persönlichkeiten. Gerade hat mich eine Patientin nach Melania Trump gefragt …

… der Frau von Donald Trump?

Aber ja. Ich sage Ihnen, sie wird eine Stilikone werden. Ich finde sie toll.

Warum wollen wir überhaupt schön sein?

Schauen Sie, es gibt Studien, die belegen, dass schöne Menschen mehr Erfolg haben. Das mag vielleicht nicht gut sein, aber es ist nun mal seit der Antike so, dass Schönheit ein bedeutender Gradmesser in unserer westlichen Gesellschaft ist. Das kann aber auch in eine als negativ empfundene Überästhetisierung ausarten.

Man kann es eben auch leicht mit den OP’s übertreiben.

Ja, es gibt ohne Frage solche Negativbeispiele. Bei Donatella Versace kann ich beispielsweise nur sagen: Schlauchboote gehören ins Wasser und nicht ins Gesicht.

Die Brustvergrößerung steht bei Frauen trotz allem noch an erster Stelle. Die Zeiten des Baywatch-Ideals sind aber vorbei, oder?

Mega-Busen sind out. Mittlerweile haben die meisten Frauen eine Wunschgröße von 75 B bis C, das entspricht einem Implantat von 250 bis 300 Gramm. Früher waren es gerne mal 400 bis 450 Gramm.

Wegen Stars wie Kim Kardashian hat man allerdings das Gefühl, dass der Hintern die Brust als überdimensioniertes weibliches Körperteil abgelöst hat. Was ist mit Po-Implantaten?

Ich lehne das medizinisch und auch ästhetisch ab. In anderen Kulturkreisen ist das schon länger so und wir haben das jetzt leider übernommen. Ich finde, man muss da hinten kein Sektglas abstellen können.

Bei Männern ist die Lidkorrektur äußerst beliebt. Versteckt sich am Augenlid etwa der Kern männlicher Schönheit?

Na ja, da gilt einfach: kleiner Eingriff, große Wirkung. Man erscheint sofort weniger müde und abgeschlafft. Tatsächlich machen Männer mittlerweile fast 20 Prozent meiner Patienten aus. Vor allem Fußballtrainer Jürgen Klopp hat mit seinem „Outing“ die Haartransplantation salonfähig gemacht.

Laut Umfrage geht es nur einem Drittel der Patienten um körperliche Verbesserung, mehr als die Hälfte hofft auf die Linderung seelischer Leiden. Muss man sich da als Schönheitschirurg nicht auch mal Zuständigkeitsgrenzen setzen?

Ich glaube nicht, dass diese Zahl repräsentativ ist. 80 bis 90 Prozent wollen einfach besser aussehen. Aber ja, da wo ein seelisches Leiden im Vordergrund steht, arbeite ich mit einem Psychologen zusammen, um die Situation beurteilen zu können. Etwa acht Prozent der Behandlungen lehne ich aus solchen Gründen dann auch ab. Die Grenzen sind aber fließend. Wenn sich ein junges Mädchen wegen einer riesigen Nase nicht mehr raustraut, dann sage ich: Dieses Problem kann man tatsächlich chirurgisch gut lösen.

Werden Sie dennoch oft mit unerfüllbaren Wünschen konfrontiert?

Natürlich. Wenn einer ankommt und will einen Waschbrettbauch haben, bekommt der von mir zu hören: Kauf dir einen Trainingsanzug und geh ins Fitnessstudio. Oder wenn jemand eine Taille wie Victoria Beckham möchte, und ich dazu eine Rippe entfernen soll. Das ist medizinisch nicht vertretbar und das mache ich auch nicht. Genau von diesem Quatsch kommt der bisweilen schlechte Ruf der Schönheitschirurgie.

Aber es gibt ja auch etliche Gesundheitsrisiken und einige handfeste Skandale mit Todesfällen …

Es ist eine Operation, und die bringt Risiken mit sich wie jede andere auch – Infektionen, Thrombose, die Narkose. Trotzdem behaupte ich: Wenn der Arzt gut ausgebildet ist und man sich nicht irgendwo ambulant behandeln lässt, sind die Risiken minimal. Doch auch wenn es nur um Schönheit geht – der Patient sollte sich bewusst sein, dass er nicht zum Frisör geht.

Interview: Alexander Graf