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Donnerstag, 16. Mai 2019 Drucken

Wirtschaft Regional

Ludwigshafen: IHK-Projekt bescheinigt Fähigkeiten im Beruf

Von Rebekka Sambale

In der Gastronomie arbeiten besonders viele ungelernte Kräfte, die aber teils jahrelange Erfahrung mitbringen. Genau an diese Menschen richtet sich das IHK-Projekt, das auch gut fürs Selbstbewusstsein ist.

In der Gastronomie arbeiten besonders viele ungelernte Kräfte, die aber teils jahrelange Erfahrung mitbringen. Genau an diese Menschen richtet sich das IHK-Projekt, das auch gut fürs Selbstbewusstsein ist. ( Fotos: Kunz/dpa)

Fatjon Toni Loka ist fit in seinem Job. Seit Jahren arbeitet der 34-Jährige in Hotels und Restaurants. Einen Berufsabschluss hat Loka nicht, genauso wie viele Millionen andere Menschen bundesweit. Das IHK-Projekt „Valikom Transfer“ bestätigt diesen Arbeitnehmern schriftlich, was sie können.

Fatjon Toni Loka arbeitet seit acht Jahren in Restaurants in Deutschland. Ursprünglich kommt der 34-Jährige aus Albanien. Was er hat: viel Berufserfahrung. Was ihm fehlt: ein Abschluss oder ein schriftlicher Beleg über seine Kenntnisse. Und ohne Schriftstück kann’s in Deutschland schwierig werden, weiß er. „Ich wollte immer vorwärts kommen, mich im Leben verbessern“, sagt der ehrgeizige Mann in sehr gutem Deutsch. Wohl deshalb hat er immer wieder einen Arbeitsplatz gefunden. In seinem Heimatland hatte er eine Ausbildung zum Hotel- und Restaurantfachmann begonnen. Doch die private Schule ging pleite. Nicht nur sein Geld war weg, auch alle Nachweise für seine Ausbildung, sagt Loka niedergeschlagen und ergänzt: „Man arbeitet immer ein bisschen mit Angst.“ Die Angst, dass ein Mitbewerber mit Abschluss kommt und für den Arbeitgeber interessanter ist. Deshalb sei „Valikom Transfer“ für ihn „etwas Tolles“.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) schätzt, dass bundesweit etwa 21 Millionen erwerbsfähige Menschen zwischen 20 und 60 Jahren keinen Berufsabschluss haben oder nicht in ihrem erlernten Beruf arbeiten. An genau diese Personen richtet sich „Valikom Transfer“. Seit November 2018 gibt es das IHK-Projekt. Die Idee: Quereinsteiger erhalten eine Bestätigung darüber, was sie können. Das Abschlusszertifikat wird gemeinsam mit einem Berufsexperten erstellt. Dirk Michel und Anne Fischer vom Team Fachkräftesicherung der IHK Pfalz erklären, wie es geht.

Experten bewerten Können

Wer teilnehmen möchte, kann sich bei der IHK melden. Gemeinsam wird festgelegt, welcher bestehende Ausbildungsberuf der Arbeit am nächsten ist. Neben einer Selbsteinschätzung unterhält sich der Teilnehmer mit dem Berufsexperten. Anschließend gilt: „Sie zeigen uns, was Sie können.“ In einer Abschlussbewertung – ähnlich einer Prüfung – beurteilt der Berufsexperte, welche Arbeiten der Teilnehmer beherrscht. Dann gibt’s darüber ein Zertifikat. Sechs Teilnehmer hat die IHK Pfalz aktuell. Zwei sind schon mitten im Verfahren, vier weitere kurz davor. Das Projekt müsse erst bekannter werden, sagt Dirk Michel. Außerdem suche man weitere Berufsexperten.

Mit den meisten Teilnehmern rechnen Fischer und Michel in den Bereichen Gastronomie und Hotellerie, Lagerlogistik und Einzelhandel. Bei der IHK Pfalz können aber insgesamt 19 Berufe „validiert“ werden, darunter auch Mediengestalter, Bürokauffrau und Fachinformatiker. „Viele sind Quereinsteiger, einfach in den Job reingerutscht“, weiß Anne Fischer. Die IHK Pfalz ist bei diesem Projekt nicht nur für ihr Einzugsgebiet zuständig, sondern für fast ganz Rheinland-Pfalz, für das Saarland und den Frankfurter Raum. Denn die 17 teilnehmenden Kammern haben sich die Deutschlandkarte untereinander aufgeteilt, wie Dirk Michel erklärt. „Valikom Transfer“ ist auf drei Jahre angesetzt und wird zu 80 Prozent vom Bildungsministerium gefördert.

Kein Ersatz für Ausbildung

„Wir wollen auf keinen Fall die duale Ausbildung torpedieren“, betont der Teamleiter. Damit also junge Leute nicht auf die Idee kommen, statt einer fundierten Ausbildung auf ein IHK-Zertifikat zu setzen, gibt es Vorgaben. Bei „Valikom“ mitmachen kann nur, wer mindestens 25 Jahre alt ist und bereits mehr als viereinhalb Jahr in seinem Beruf gearbeitet hat. Das Zertifikat soll den Teilnehmern nicht nur die künftige Arbeitssuche vereinfachen. Es gehe auch „um die Wertschätzung gegenüber dem, was man kann“.

Fatjon Toni Loka steht kurz vor seiner Abschlussbewertung. Aufgeregt sei er deshalb nicht. „Für mich wird das ein normaler Arbeitstag.“ Er arbeitet in einem Restaurant in St. Martin und kann voraussichtlich auch dort dem Berufsexperten sein Können zeigen. Den Tisch eindecken, servieren, Wein präsentieren – für Loka kein Problem, wie er sagt. Bald hat er das auch schriftlich.

 

Noch Fragen?

Wer am „Valikom“-Projekt teilnehmen möchte oder sich als Berufsexperte zur Verfügung stellt, kann sich bei der IHK melden unter 0621/5904-1811 oder per E-Mail an anne.fischer@pfalz.ihk24.de

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