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Donnerstag, 16. Mai 2019 Drucken

Meinung

Küken-Töten: Die logische Folge unserer Lebensweise

Von Juni Huber

(Foto: DPA)

45 Millionen männliche Küken werden jährlich getötet, weil sie für die Eierproduktion nutzlos sind. Diese Praxis empört viele, und doch ist sie nur konsequent.

Frisch geschlüpfte männliche Küken leben in der Eier-Industrie gewöhnlich nur ein paar Stunden. Die Tiere werden geschreddert oder mit Gas getötet, weil sie für die Eierproduktion nicht benötigt werden und in der Fleischzucht unrentabel wären. Jährlich sterben laut Bundeslandwirtschaftsministerium auf diese Weise rund 45 Millionen Küken. 2013 hatte das Land Nordrhein-Westfalen das Küken-Töten verbieten wollen, zwei Eierproduktions-Betriebe hatten dagegen geklagt und in den Vorinstanzen Recht bekommen. Der Fall landete in Leipzig. Das Bundesverwaltungsgericht hat am Donnerstag verhandelt. Nächste Woche soll das Urteil verkündet werden.

Ein vernünftiger Grund zum Töten

Die unmittelbare Vorinstanz, das Oberverwaltungsgericht in Münster, sprach 2016 in seinem Urteil von Vernunft. Zusammengefasst: Es gebe einen vernünftigen Grund dafür, die Küken zu töten, um die Produktion von Eiern aufrecht zu erhalten. Das ist konsequent. Es ist konsequent im Rahmen des Umgangs mit Tieren, wie er in unserer Gesellschaft gepflegt wird. Es sterben ja nicht nur frisch geschlüpfte Vögel für die menschliche Versorgung mit Nahrungsmitteln. Sondern auch Rinder, Schweine und andere Säugetiere, Fische, Krustentiere ... die meisten davon sterben, damit Teile von ihnen gegessen werden können, und viele leben und sterben unter jämmerlichen Bedingungen.

Denken in Verwertungs-Logik

Dass der Tod der männlichen Küken so empörend erscheint, liegt an unserem Denken in Verwertungs-Logik: Sie sterben, ohne irgendeinen Nutzen gehabt zu haben. Das ist es, was sich am Ende so anfühlt, als sei das, was einem männlichen Küken in den wenigen Stunden seines Lebens widerfährt, schlimmer als das, was eine Legehenne in ihren anderthalb Jahren erlebt. Auch Legehennen sterben übrigens keines natürlichen Todes. Nach einiger Zeit lässt die Qualität ihrer Eier nach, sie haben dann keinen wirtschaftlichen Nutzen mehr und werden getötet und weggeworfen.

Lobby droht mit Abwanderung ins Ausland

Zum Kükentöten gibt es Alternativen, zum Teil erforscht in millionenschweren Programmen, die von der Bundesregierung gefördert wurden. Doch diese Methoden sind noch nicht sehr verbreitet. Und Interessenverbände haben schon angekündigt, dass nach einem möglichen Urteil zugunsten der Küken die Betriebe ins Ausland abwandern werden - klarer ausgedrückt: Irgendwohin, wo sie mit den Tieren so verfahren können, wie es ihnen beliebt. Für Alternativen zum Schreddern oder Vergasen brauchen sie sich dann nicht mehr zu interessieren.

Es wird produziert, es wird gekauft

Egal wie das Leipziger Gericht nun urteilen wird: Die gegenwärtige Ernährungsweise von großen Teilen der Gesellschaft bedeutet, auf die eine oder andere Weise hinzunehmen, dass dafür Tiere sterben. Das wird auch in Zukuft so weitergehen. Zumindest solange, wie die Eier, die unter diesen Umständen produziert werden, auch gekauft werden.