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Freitag, 19. Juli 2019 Drucken

Meinung

Kommentar: Autos gegen Radfahrer - Am Ende stirbt der Schwächere

Von Yannika Hecht

Sieht witzig aus, hat aber einen ernsten Hintergrund: Radfahrer mit Pool-Nudeln auf dem Gepäckträger. In Kaiserslautern sind sie am Samstag unterwegs, um zu zeigen, wie viel Platz ein Radfahrer braucht und wie viel ihm zusteht. Bei Aktionen wie diesen dauert es nicht lange, bis sich Autofahrer in den Kommentaren in den sozialen Netzwerken zu Wort melden und über sie schimpfen. Das ist nicht nur unangebracht, es ist auch arrogant. Denn wenn sich ein Rad- und ein Autofahrer daneben benehmen, stirbt meistens der Radfahrer.

Autofahrer, die schon einmal mit Radfahrern im Straßenverkehr zu tun hatten, klagen oft über deren Benehmen. Ihre Vorwürfe: Die Fahrradfahrer fahren schräg über eine Kreuzung, schneiden andere Verkehrsteilnehmer, drängeln sich zwischen wartenden Fahrzeugen hindurch, und manche sehen in einer roten Ampel eher eine stimmungsvolle Beleuchtung als ein Anhaltesignal.

Hatten Radfahrer hingegen im Straßenverkehr schon mit denjenigen zu tun, die Fahrzeuge mit mehr als zwei Rädern fahren, sind die Klagen kaum leiser: Autofahrer parken auf Radwegen, öffnen die Tür, ohne vorher zu schauen, quetschen sich an Radfahrern vorbei, und manche verzichten auf den Schulterblick beim Abbiegen.

Damit müssten die wesentlichen Vorwürfe beider Seiten erwähnt sein, oder?

Autofahrer haben größere Verantwortung

An all diesen Vorwürfen ist etwas dran. Denn – Achtung: spektakuläre Neuigkeit – Menschen sind nicht perfekt, zuweilen egoistisch und gelegentlich unwissend. Und da macht es keinen Unterschied, ob sie auf zwei oder vier Rädern durch die Stadt fahren. Der Unterschied - erstens: Bei einem Unfall mit einem Auto und einem Fahrrad stirbt sehr viel wahrscheinlicher der Radfahrer. Zweitens: An den meisten Stellen sind die Radwege so schlecht geplant und ausgeführt, dass Radfahren zum lebensgefährlichen Abenteuer wird, ob man sich an die Regeln hält oder nicht. Die Autofahrer haben eine bessere Panzerung, das stärkere Fahrzeug und sind durch die Bauweise der meisten Straßen höchst privilegiert. Dadurch haben sie auch eine größere Verantwortung im Straßenverkehr.

Es ist also vollkommen unangebracht, mit den schwachen „aber selber“-Argumenten eines Kleinkindes über Radfahrer zu schimpfen, wenn diese auf ihre heikle Situation im Straßenverkehr aufmerksam machen. Und trotzdem wird geschimpft, was das Zeug hält, wenn es ein Radfahrer wagt, die Stimme zu erheben. Alle „Ausgerechnet die Radfahrer, sollen die doch einfach mal …“-Argumente sind nicht nur klassische Ablenkungsmanöver, die thematisch an dieser Stelle nichts verloren haben. Sie übertönen zudem die Hilferufe und Appelle der Radfahrer. Es ist aber wichtig, dass diese gehört werden. Dass der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) am Samstag mit Pool-Nudeln durch Kaiserslautern fährt, ist eine witzige Idee und zeigt eindrucksvoll, wie viel Platz ein Radfahrer braucht und wie viel ihm zusteht.

Man sollte diese Aktion unterstützen oder einfach still sein.