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Donnerstag, 09. Mai 2019 Drucken

Ich sehe das ganz anders

Kolumne: Wenn In-Urlaub-Fahren mehr stresst als Zuhausebleiben

Ab auf die Insel? Aber warum denn so weit? Was suchen wir denn auf Mallorca, Gran Canaria oder auf den Bahamas? Vielleicht lässt sich das, was wir dort so gerne zur Abwechslung mal genießen, auch ganz in der Nähe finden. Oder vielleicht sogar in uns.

Wer Stress hinter sich lassen will, nimmt für ein paar Tage oder sogar zwei Wochen eine Menge Strapazen auf sich, zahlt ganz schön viel Geld, muss vieles akzeptieren, wie’s dann dort auf den Kanaren oder in der Karibik so kommt. Das muss man schon wollen, ans Handgelenk beim Einchecken im Hotel mit dem Welcome-Drink in der Hand ein Plastik(Igitt!)-Bändchen zu bekommen. Damit dann jeder auf der Anlage weiß, welche Getränke ab wann inklusive sind.

Aber bis wir erst mal dort sind. Koffer packen, Zugticket, Parkticket, dies und das besorgen und noch schnell einpacken – Sonnencreme, Deo, Pflaster, Ibus – am Flughafen der ganze Zirkus. Ausschau halten nach dem Leihwagenschalter oder dem Shuttle. Anstehen, warten. Warten, anstehen. Alles für das bisschen Erholung.

Antistress-Programm: Ich bastel meine eigene Welt

Dabei raten Psychologen, dass wir uns für unser Seelenwohl auch eine kleine Welt basteln können. Ja, b a s t e l n. Ich mach‘ mir die Welt widdewidde wie sie mir gefällt, so wie die schwedische Göre Pippi Langstrumpf. Heißen schwedische Gören heute nicht Greta Thunberg und jetten um den Globus um den Globus zu retten? Also alle, außer Greta natürlich. Die besteigt ja keinen Flieger. Die Grechtenfrage des 21. Jahrhunderts ist also gestellt. Doch wie wir den Planeten retten, das steht in den Sternen.

Heutzutage ist die Wohnung ohne Buddha fast schon schlecht eingerichtet

Was nicht in den Sternen steht, dafür aber ein kleines Funkeln in jede einzelne Seele bringen kann, das ist eine Andachtsecke in den eigenen vier Wänden. Heutzutage ist eine Wohnung ohne einen kleinen Buddha ja fast schon schlecht eingerichtet. Wehe, ein Haushaltsmitglied wagt es, sich auf ein Deckchen im Schneidersitz abzumelden zur Abwechslung. Ein No-Go! Tja, das Deko-Teil darf das.

Vielleicht ist Buddha mehr als Deko

Aber möglicherweise ist der Buddha ja auch mehr als nur Dekoration. Vielleicht steckt dahinter eine doch nicht klein zu kriegende Sehnsucht nach Sinn und nach Spiritualität. Die mag nicht mehr jeder in der Kirche finden.

Stille Ecke im Haus, statt Urlaubsstress vor der Tür

Aber eine stille Ecke im Haus ist vielleicht die alternative Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen, inne zu halten, durchzuatmen und sich vom Trubel der Außenwelt zurückzuziehen. Ich habe schon länger einen kleinen Altar - mit Vielerlei von allen Kontinenten, denn es gibt nur eine Welt, in der wir alle miteinander verbunden sind. Das ist überall auf dem Globus zu sehen, aber genauso gut zu spüren, wenn wir in uns gehen. Und das geht immer. Auch jetzt. Augen zu! Schon angekommen.


Die Autorin

Christine Kamm (53) aus Ludwigshafen arbeitet seit 2012 im Sportressort der RHEINPFALZ.

Die Kolumne

Christine Kamm und Sigrid Sebald schreiben abwechselnd in der Online-Kolumne "Ich sehe das ganz anders" über die großen und kleinen Überraschungen sowie Absurditäten des Alltags.