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Sonntag, 04. Dezember 2016 Drucken

RHEINPFALZ am Sonntag

Klarer Sieg im Rennen um besten pfälzischen Spruch

Von Michael Konrad

SAACH BLOOSS EXTRA: 1013 von 7525 Stimmen bedeuteten einen klaren Sieg: Der beste pfälzische Spruch, die schönste Redensart des Pfälzer Dialekts, ist ein vermeintliches Paradox, das vieles bedeuten kann – nur eines nicht: Komm her und geh wieder weg!

"Kumm, geh fort!" ist der beste pfälzische Spruch – gewählt von über 2500 Lesern in zwei spannenden Wahlgängen über vier Abstimmungswochen seit Ende Oktober.

In Phase 1 unserer Aktion hatten mehr als 1000 Leserinnen und Leser ihre Pfälzer Lieblingsredensart vorgeschlagen. Wir, die Pfalz-Redaktion der RHEINPFALZ am SONNTAG, haben danach die 17 meistgenannten Redensarten ermittelt, drei originelle Außenseiter dazugemischt und die Top 20 zur Endauswahl gestellt. Über 1500 Leser haben dann in Phase 2 ihre jeweils fünf Stimmen abgegeben – oft verteilt auf bis zu fünf Sprüche, weil es im Pfälzischen doch so viele schöne gibt, häufig aber auch alle fünf für einen Favoriten. In beiden Phasen ungeschlagen vorne: Die Redensart „Kumm, geh fort!“

Für den Spruch stimmte zum Beispiel Iris Schmaderer aus Speyer: „Ich glab nämlich, dass des nur en Pälzer verstehe kann, dass des mit kumme und fortgehe gar nix zu du hot.“ Wie wahr! Werner Lucas erklärt per E-Mail: „Diese drei Worte verwendet der Pfälzer in zahllosen Bedeutungen von schroffer Ablehnung – im Sinne von: ,Schämmscht dich net for des dumm Gebabbel’ – bis zu Anerkennung und Bewunderung – im Sinne von: ,Des is jo kaum zu glaawe’.“ Prägnanter könne man sich kaum ausdrücken, meint Gerd Stühler aus Frankenthal, wenn man „eine unnötige Diskussion ganz schnell beenden oder mit entsprechender Handbewegung klarmachen will, dass alles nicht so schlimm ist.“ Wir finden: Die Leserinnen und Leser haben einen würdigen Siegerspruch gewählt.

Knapp dahinter landete „Jo, alla!“ auf Platz 2 – mit Inbrunst gewählt nicht nur von Pfälzern, wie diese Zuschrift von Jürgen Becker aus Albisheim beweist: „Übrigens, i ben an Schwob und die drei beschde Sache en dr Palz send uffem erschte Platz mei Fraa, uffm zwoite ’s Dubbeglass (’s Nullfenfer) un uffm dridde Platz ,Jo, alla’.“ Der Spruch spiegele „die Gelassenheit der Pfälzer auch in heikelsten Situationen wider“, schreibt Sabine Bader aus Billigheim-Ingenheim – ganz nach dem Motto: „Jo, alla, was werdn sei?“

Der Erfolg von „Jo, alla!“ ist keine Überraschung: Als die RHEINPFALZ am SONNTAG vor viereinhalb Jahren das schönste pfälzische Wort wählte, landete „alla“ – eine Ableitung des französischen Verbs „aller“ für „gehen“ – unangefochten auf Platz 1. Kaum ein anderes Wort ist in der Pfalz so präsent und überall sonst in der Welt so vollkommen ungebräuchlich (zumindest in Pfälzer Schreibweise und Bedeutung). Die kaum weniger gebräuchliche Redensart „Alla hopp“ übrigens hatte es in der Vorauswahl immerhin in die Top 30 geschafft.

Die Liebe der Pfälzerinnen und Pfälzer zu Sprüchen, die mit einem Ausrufezeichen enden, beweist auch der Spruch, der auf Platz 3 landete: „Uffbasse!“ Hier reicht ein Wort aus für einen vollständigen pfälzischen Satz und damit auch für eine veritable Redensart. Und hier macht – wie so häufig – der Ton die Musik. Von der schelmisch dahingehauchten bis zur lautstark polternden Version geht die Bandbreite der sanften bis bösartigen Drohungen, die per „Uffbasse!“ in den Pfälzer Raum geworfen werden.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Lesern, die sich an unserer Aktion beteiligt haben – auch für die vielen freundlichen Briefe und E-Mails. Wir versprechen: Wir bleiben in Sachen Dialekt am Ball!