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Samstag, 14. Juli 2018 Drucken

Fussball-WM

Keiner will dieses Spiel

Belgien und England spielen heute um Platz drei

Enttäuscht: Belgiens Vincent Kompany.

Enttäuscht: Belgiens Vincent Kompany. ( Foto: REUTERS)

Enttäuscht: Englands Kyle Walker.

Enttäuscht: Englands Kyle Walker. ( Foto: REUTERS)

«St. Petersburg.»Es ist die Partie, die keiner gerne spielen will. Wenn heute (16 Uhr/ARD) Belgien und England im Spiel um Platz drei aufeinandertreffen, sind die Akteure trotz eines Funken sportlichen Ehrgeizes mit den Gedanken längst woanders. Entweder im Finale, das sie hätten bestreiten wollen. Oder im Urlaub beziehungsweise zu Hause bei der Familie.

Mit Frust im Leib, nach rund 50 Tagen in Teamcamps und einem kompletten Spannungsabfall bei Fans und Spielern ist es schwierig, noch einmal hochzufahren. Deshalb empfinden auch diesmal die Teilnehmer wenig Vorfreude. „Es fällt schwer, dieses Spiel zu spielen. Aber wir müssen es ja tun“, sagte Belgiens Torhüter Thibaut Courtois nach der 0:1-Halbfinal-Niederlage gegen Frankreich. Und Englands Harry Maguire sagte nach dem 1:2 nach Verlängerung gegen Kroatien: „Meine Meinung dazu behalte ich lieber für mich.“

Es ist in der Tat ein absurder Gedanke eines sportlichen Wettkampfs, zwei Verlierer bei einem Turnier plötzlich nochmal gegeneinander antreten zu lassen. Aus gutem Grund wird Platz drei im DFB-Pokal und auch in der Champions League nicht ermittelt. Ja, es gibt noch nicht einmal eine entsprechende Partie bei Europameisterschaften. Schon nach 1980 hat die Uefa sie abgeschafft, „weil das Spiel nicht mehr als attraktiv angesehen wird“. Die Fifa hält bei Weltmeisterschaften daran fest.

Die Einschaltquoten der letzten drei „kleinen Finals“ – wie das Spiel um die goldene Ananas gerne aufwertend genannt wird – waren in Deutschland aber kurioserweise ausgezeichnet. 2014 sahen 17,51 Millionen zu, vier Jahre davor 23,62 Millionen und 2006 sogar 23,97 Millionen. Doch dafür gab es Gründe: 2014 traten Erzrivale Niederlande und die soeben von Deutschland mit 1:7 gedemütigten Brasilianer quasi zum Warm-up für das deutsche Finale an. Bei den beiden anderen Partien war das DFB-Team direkt beteiligt, 2006 als Abschluss des Sommermärchens gegen Portugal (3:1), vier Jahre später gegen Uruguay (3:2).

Die Gewinner bekommen als Trost immerhin Medaillen. Doch was diese im Fußball wert sind, hatte zuletzt der FC Bayern nach dem verlorenen Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt gezeigt. Sandro Wagner warf seine sogar ins Publikum. |dpa