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Mittwoch, 15. Juli 2015 Drucken

Kusel

Hochhaus, Fabrik und bis zu 100 Firmen

Kusel: Die beiden chinesischen Investoren haben große Pläne für die Kreisstadt – Luft- und Trinkwasserfilter für ihr Heimatland

Von Wolfgang Pfeiffer

 

„Wenn alles gut läuft, dann haben wir in fünf Jahren 80 bis 100 chinesische Firmen hier in Kusel.“ Long Gu und Enci Chen, die beiden Chinesen, die zum Jahreswechsel das ehemalige DRK-Gebäude gekauft haben und es derzeit umbauen, haben große Pläne für Kusel. Dazu gehören ein siebenstöckiges Wohn- und Geschäftshaus sowie eine Fabrik zur Herstellung von Luft- und Trinkwasserfiltern für den chinesischen Markt, wie sie gestern in einem Gespräch mit der RHEINPFALZ mitgeteilt haben.

Kurz vor Weihnachten haben Gu (46) und Chen (35) das DRK-Gebäude in der Trierer Straße gekauft. Schon zuvor waren sie in Hoppstätten-Weiersbach tätig, wo im Ortsteil Neubrücke in den vergangenen Jahren ein Zentrum für kleine chinesische Firmen entstanden ist (wir berichteten). Chen hat zudem am Umweltcampus Birkenfeld studiert und seinen Bachelor in Umweltverfahrenstechnik gemacht – Gu ist Unternehmer in der chinesischen Millionenstadt Chingdao. Kurz nach dem Jahreswechsel verlegten beide ihren Wohnsitz nach Kusel, wenig später verlagerten sie auch ihre gemeinsame Firma GCIB (German Chinese Investment & Business) GmbH von Birkenfeld nach Kusel.

Diese Firma soll nun die Basis sein für umfangreiche wirtschaftliche Unternehmungen in der Kreisstadt, sagen Chen und Gu. Sie werde Chinesen helfen, nach Kusel zu kommen und dort ihre Firmen aufzubauen. In erster Linie werden das kleine Im- und Exportfirmen sein, doch die beiden planen auch gemeinsam mit weiteren Investoren eine Fabrikation. Hier sollen Trinkwasser- und Luftfilter hergestellt werden. „Dass wir in China Probleme mit der Luft- und Wasserreinheit haben, ist ja nicht unbekannt. In den nächsten 20 Jahren werden sehr viele solcher Filteranlagen in China gebraucht werden“, sagt Gu. Und warum dann in Deutschland herstellen, wenn es doch in China viel billiger ist? Gu: „Wenn wir dort ein chinesisches Produkt für 100 Euro verkaufen können, dann bekommt man für ein Produkt ,Made in Germany’ mindestens 180. Deutsche Produkte sind top und hoch angesehen in China.“

Zurück zu den Handelsfirmen, von denen Gu und Chen Dutzende in den nächsten Jahren in Kusel erwarten. Zehn bis zwölf von ihnen sollen im ehemaligen DRK-Gebäude Platz finden. Ebenso im Erdgeschoss ein LED-Shop. Gu sagt, er habe eigens eine chinesische Markenfirma gekauft, um deren Produkte von Kusel aus zu vermarkten, will aber auch früher oder später mit einer eigenen Marke in den Wettbewerb gehen. Chen: „Kusel ist für uns der Standort, von wo aus wir europaweit aktiv werden wollen.“

Sobald die Hälfte des DRK-Hauses belegt ist, soll das Projekt Hochhaus angegangen werden, sagen Chen und Gu: „Wir reden darüber bereits mit der Stadt. Wir brauchen dafür ein Grundstück in guter Verkehrslage.“ Entstehen sollen insgesamt sieben Etagen. Das Erdgeschoss wird für Verkaufsflächen vorgehalten, für die übrigen sechs Etagen sind Räume vorgesehen, die sich sowohl als Wohnungen eigenen als auch als Büros. Genau so, wie jetzt das DRK-Haus umgebaut wird. „Leider dauert der Umbau deutlich länger als wir dachten“, begründen Gu und Chen, warum baulich noch nicht wirklich etwas von ihren Plänen erkennbar ist. Wann das Projekt denn nun fertig sein wird? „Wir wissen es noch nicht.“

Aber: Der verzögerte Umbau ist nicht das einzige Problem, wie Gu und Chen schildern. Gu hat nach eigenen Worten bereits mehrere potenzielle Investoren an der Hand, die in Kusel sofort mit einsteigen würden. Allerdings sei die deutsche Botschaft nicht sehr hilfreich bei der Erteilung von Visa für Geschäftsreisende. „Trotz offizieller Einladung des Landkreises, der uns sehr unterstützt, und obwohl wir dafür bürgen, dass die Einreisenden dem deutschen Staat keine Kosten verursachen.“ Beide hoffen, dass sich dieses Problem bald löst. „Wir wollen doch hier etwas Gutes für Kusel und die Region tun“, betonen die beiden Geschäftsleute und verweisen auf neue Arbeitsplätze und auf Steuereinnahmen.

Einen ersten Beitrag leisten sie selbst bereits, wie sie stolz erzählen. Obwohl sie sich zumeist in Birkenfeld aufhielten, „fahren wir zum Einkaufen immer nach Kusel“. Überhaupt hat es ihnen die Stadt, hat es ihnen der Landstrich angetan. „Die Leute hier sind unheimlich freundlich.“ Warum ihre Wahl überhaupt auf Kusel gefallen ist, dafür haben Gu und Chen eine verblüffende Erklärung: Gus 20-jährige Tochter, die in Schwerin Wirtschaft studiert, ist begeisterte Hobbymusikerin. „Und wir haben gehört, dass Kusel das Musikantenland ist. Also haben wir uns das mal angeschaut...“