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Montag, 13. Mai 2019 Drucken

Speyer: Kultur Regional

Heilige Kunst und Heidenspaß

Bei der nächsten Songwriter-Show „Ulis Wohnzimmer“ im „Philipp Eins“ in Speyer begrüßt Gastgeber und Moderator Ulrich Zehfuß Lucid und Matthias Binner. Antonia Kurz hat mit Binner gesprochen – zum Beispiel darüber, weshalb seine neue Single „Smoothieman“ heißt.

Hat all seine Lieder gleich lieb: der Berliner Klavierchansonnier Matthias Binner.

Hat all seine Lieder gleich lieb: der Berliner Klavierchansonnier Matthias Binner. ( Foto: Oliver Blankenburg)

Ihre neue Single heißt „Smoothieman“. Was ist denn das für ein Typ?

Ein Enkel vom Ice Cream Man ... Es gibt ja jede Menge Popsongs, die harmlose Dinge als Chiffre für Alkohol, Drogen oder namenlose Sauereien verwenden; ich fand’s witzig, den Gestus umzudrehen und etwas unbestritten Gesundes, Großartiges wie den Smoothie so anzupreisen, als ginge es um etwas ganz, ganz Verruchtes. Es ist auch eine Hommage an zwei Freunde, die klinische Entzüge hinter sich gebracht haben.

 

Auf der Homepage heißt es, Ihre Lieder sind „mal nachdenklich und mal entschlossen, mal wehmütig und mal himmelschreiend komisch“. Aber welche Themen besingen sie?

Verloren gegangene Tombola-Lose, gefundene Tretboote, kontaktlose Bezahl-Methoden und überraschende Junggesellenabschiede – und alles mögliche andere Spannende, was man 2019 so erleben kann.

 

Werden Sie in „Ulis Wohnzimmer“ Ihr Programm „Vorbeischneiten Freiheiten“ spielen?

„Vorbeischneiten Freiheiten“ ist zum einen ein voller Neunzig-Minüter, zum anderen nun auch schon wieder ein paar Jahre alt. In Ulis Wohnzimmer werde ich also vor allem neuere Titel spielen – aber gut möglich, dass auch so was wie „Zweiunddreißig Gründe (noch nicht aufzugeben)“ reinrutscht, mal gucken.

 

Welche Freiheiten sind denn vorbeigeschneit?

Das Programm beginnt mit dem uralten Klavier, das Spediteure in unsern Hobbykeller brachten, als ich vier war. Es endet mit dem Abendsegen aus Hänsel und Gretel, den ich bei der Beerdigung meiner Mutter gesungen habe. Dazwischen geht’s um das Geschenk, in der selbstständigen Einheit West-Berlin aufgewachsen zu sein (nicht etwa in der Welthauptstadt Germania), um die Postkarte, die mich als Schüler beim Mauerfall am Brandenburger Tor zeigt, um die Befreiung durch und von Liebe, um Musical-Darsteller, die sich beim Bühnenkuss in ihren angeclippten Mikrofone verheddern und um das Tanzen auf der Terrasse.

 

Haben Sie ein Lieblingslied, das Sie auch in Speyer singen werden?

Lieder sind wie Kinder, man hat sie alle gleich lieb, so unterschiedlich sie sind. Aber besonders freue ich mich darauf, „Smoothieman“ zu spielen – das Video ist schon bei Youtube und Facebook schon fantastische 16.000 mal geguckt worden, vielleicht sind ja ein Paar Guckerinnen und Gucker im Publikum?

 

Welche Instrumente bringen Sie mit?

Ich teile die Bühne ja mit zwei wunderbaren Kollegen und deren Gitarren, da werde ich mich hübsch vorsichtig auf meine Kernkompetenz zurückziehen: Das Klavier!

 

Gibt es Themen, die Sie als Liedermacher überhaupt nicht interessieren?

Ich versuche alles zu vermeiden, was mit Hass, Häme, Großkotzigem und Kleingeistigem aller Art zu tun hat. Die Welt ist voll genug davon, ich möchte das nicht auch noch auf die Bühne hieven.

 

Kann man als Liedermacher noch unpolitisch sein?

Das Liederschreiben ist eine der ältesten Kunstformen überhaupt; seit Urzeiten treffen sich Menschen, singen sich vor, was sie beschäftigt und versuchen so, die Dunkelheit zu vertreiben. Dieses Erbe zu pflegen, empfinde ich als in hohem Maße politisch.

 

Sie treten mit der Songwriterin Lucid auf. Können Sie sie kurz vorstellen?

Die schönste Stimme, die ich kenne! Ihr Gitarrenspiel ist muskulös und sensibel, ihr Klavierspiel punktgenau, ihre Texte bersten vor sinnlichen Bildern. Wir kennen uns seit 2015 und kooperieren seitdem immer wieder auf höchst gewinnbringende Weise.

 

Spielen Sie abwechselnd oder auch im Duett?

Unser Duett „Zerrissene Herzen, durcheinandergefegt“ wird auf jeden Fall ein Show-Höhepunkt, genauso wie Lucids „Bus nach Berlin“, bei dem ich Klavierspielen und Backings singen werde. Und da wir beide auch Uli und seine Lieder kennen und lieben, wird es sicher eine bunte Mischung, aus Solos, Duetten und Terzetten werden!

 

Weshalb sollte man den Abend nicht verpassen?

Wir betreiben unsere Kunst mit heiligem Ernst und haben Heidenspaß daran, unserm Publikum eine Herzensfreude zu bereiten. Und wir schmeißen alles, was wir können, wissen und lieben auf die Bühne, damit das gelingt.

Termin

Besuch aus Berlin im Doppelpack – am Freitag, 17. Mai, 20 Uhr, ist im „Philipp Eins“ in Speyer die zehnte Ausgabe der Songwriter-Show „Ulis Wohnzimmer“. Gastgeber und Moderator Ulrich Zehfuß begrüßt die Songwriterin Lucid alias Claudia Fink und den Klavierliedermacher Matthias Binner. Karten gibt es bei allem Reservix-Vorverkaufsstellen, damit auch beim RHEINPFALZ-Ticket-Service, in der Tourist-Info Speyer sowie an der Abendkasse. Einlass ist um 19 Uhr, Beginn um 20 Uhr. Wie immer ist die Veranstaltung nur teilbestuhlt. Anspruch auf Sitzplätze besteht nicht. |apk