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Mittwoch, 20. August 2014 Drucken

Mannheim und Region

Gewerbegebiet als Erholungsort

Die Konversion in Mannheim schreitet voran. Nachdem die Neugestaltung des Turley-Areals bereits Formen angenommen hat, konkretisieren sich auch die Pläne für den Taylor Campus im Stadtteil Vogelstang. Architekt Diébédo Francis Kéré hat seine Pläne jetzt vorgestellt – eine mutige Mischung aus Gewerbe und Naherholung.

Von Jan Millenet

 

Mannheim. Der Entwurf, der die Grundlage für den Bebauungsplan des ehemaligen Kasernengeländes darstellt, überrascht mit einem durchgängigen Grünzug, der die Fläche in ihrer gesamten Länge zwischen Käfertaler Wald und Vogelstang-Seen komplett durchtrennt. „Obwohl sich hier Industrie befindet, wollen wir auch, dass Menschen kommen, um sich zu erholen“, erläuterte der Berliner Architekt Diébédo Francis Kéré. Die Grundidee sei, den benachbarten Wald aufzugreifen und ihn anhand des Grünzugs durch das Gewerbegebiet quasi zu verlängern. Kéré sieht auf dem Grün spielende Kinder, Radler oder auch Spaziergänger. Interessant ist nicht zuletzt die direkte Verbindung des Waldes mit der grünen Fläche. Denn bislang ist die Bundesstraße 38 eine nicht zu übersehende Grenze. Kérés Lösung, diese Grenze zu durchtrennen, ist eine Brücke mit zwei Schenkeln – eine weitere Besonderheit. Sie solle ebenfalls bepflanzt und „bespielbar“ sein.

Dass man sich zwischen Lagerhallen, großen und kleinen Gewerbebetrieben wohlfühlen kann, da ist sich der Architekt sicher: „Immerhin macht der Grünzug etwa 22 Prozent der gesamten Fläche aus.“ Er ist an seiner engsten Stelle zirka 45 Meter breit, biete also viel Platz für jede Menge Freizeitaktivitäten. Und damit Familien nicht mit dem Auto anreisen müssen, soll irgendwann eine Straßenbahn bis fast direkt an den Grünzug fahren. Was auch ein Plus wäre für die zukünftigen Angestellten auf dem Taylor-Gebiet.

Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz zeigte sich bei der Präsentation am Montag von Kérés Ideen angetan: „Der Entwurf überzeugt nicht nur durch die vorbildliche Umsetzung des gewünschten durchgängigen Grünzugs, sondern bietet auch attraktive Flächen für große und kleine Gewerbebetriebe, die einen breiten Nutzungsmix abbilden.“

Die Vorgaben an die Teilnehmer des städtebaulichen Wettbewerbs, aus dem Kéré als Sieger hervorging, waren klar. Das Taylor-Areal soll so entwickelt werden, dass über 100.000 Quadratmeter Grün zusammenhängend erschlossen und somit der Grünzug Rhein-Neckar komplettiert wird. Das entspricht, inklusive des vorhandenen Biotops, knapp einem Viertel der Fläche. Die Gedanken gehen aber noch weiter, denn die grüne Schneise soll auch Platz bieten für kleinere Veranstaltungen, etwa für Lesungen oder kleinere Konzerte, zu denen dann ein paar hundert Besucher kommen könnten.

Diese Veranstaltungsfläche ergänze zudem einen im Kasernenbereich Benjamin Franklin Village geplanten Medienpark von Naidoo und dem Produzenten Michael Herberger, wie Konrad Hummel, Konversionsbeauftragter der Stadt, erläuterte. Der Name Naidoo fiel am Montag noch ein zweites Mal. Der Musiker plant in direkter Nähe zum Taylor-Grünzug nämlich einen Autohof mit seinen Fahrzeugen, den er der Öffentlichkeit zugänglich machen möchte. Mit dem Autohof, DHL, R + S Solutions und MWM/Caterpillar seien bereits vier Ansiedlungen fix. Gut ein Drittel der Flächen seien damit schon verkauft. Zudem sei man mit einer Biotechfirma und einem Betrieb aus dem Baugewerbe in Gesprächen. Wenn alles weiterhin gut laufe, könnte im Sommer 2015 das reguläre Baurecht erteilt werden, sagte Achim Judt von der MWS Projektentwicklungsgesellschaft, die sich um die Konversion kümmert. 2016 wären dann schon sichtbare Ergebnisse möglich.