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Freitag, 07. August 2015 Drucken

Kreis Südliche Weinstrasse

Freifunk in Weyher

Von Martina Johann

Hotspots in der Kirche und im Rathaus: Thomas Siener hat in Weyher Freifunk-Router aufgestellt. Über ausländische Server stellen diese eine Internetverbindung her, die jeder nutzen kann. (Foto: Johann)

Hotspots in der Kirche und im Rathaus: Thomas Siener hat in Weyher Freifunk-Router aufgestellt. Über ausländische Server stellen diese eine Internetverbindung her, die jeder nutzen kann. (Foto: Johann)

Wer Weyher besucht und sein Smartphone zückt, erlebt eine Überraschung: In dem 500-Einwohner-Ort gibt es kostenloses WLAN. Die Router für das offene Netz stehen auf dem Kirchturm, im Feuerwehrhaus und im Rathaus. Thomas Siener (46) aus Edenkoben hat das Projekt in seinem Heimatort Weyher mit Geräten der Non-Profit-Organisation Freifunk initiiert.

Die Idee, mit Freifunk-Routern kostenloses WLAN in Weyher einzurichten, wurde geboren, als Monika Götze (43) das Gästehaus Siener von ihren Eltern übernahm. „Ich wollte wegen der Haftung nicht, dass die Gäste unser privates WLAN nutzen, und dann kam mein Bruder mit Freifunk um die Ecke“, berichtet Götze und schaut zu ihrem Bruder Thomas Siener. Der Systementwickler erinnert sich an einen  Moment im April: „Ich habe in einem Magazin einen Artikel über Freifunk gelesen und dachte, das sei eine gute Lösung.“ Daraufhin fand er heraus, dass es in seinem Wohnort Edenkoben bereits ein Freifunk-Netz gibt, das allerdings nur aus wenigen Routern besteht.

Die Idee, ein freies Funknetz zu etablieren, das aus selbstverwalteten lokalen Netzwerken besteht, ist nicht neu: Seit 2003 gibt es die nicht-kommerzielle Initiative Freifunk, die sich eben dies zum Ziel gesetzt hat. Spezielle Freifunk-Router können im Internet geordert werden, sie stellen eine Internetverbindung über Server im Ausland her. Einen solchen Router schloss Thomas Siener in der Pension seiner Eltern in Weyher an. Dann sprach er andere Anbieter von Gästezimmern an, und bald standen Geräte in der Ferienwohnung des Bürgermeisters und im Hotel Kronprinz.  Inzwischen gibt es 25 Router, sie stehen unter anderem im Rathaus, bei der Feuerwehr und in der Kirchturmspitze und verbinden sich per Funk.

 „Ich war selbst überrascht, wie schnell das Ganze voranging“, erzählt Siener. Er glaubt, dass die rasche Entwicklung des Projekts innerhalb von vier Monaten auch an der guten Dorfgemeinschaft und dem aktiven Vereinsleben in Weyher liege. „Das Internet wird über Server im Ausland bereitgestellt. Es taucht nur die IP-Adresse des Servers auf, nicht die IP-Adresse von dem, der den Router bei sich aufstellt“, erklärt der Systementwickler. Deswegen könne derjenige, der einen Freifunk-Router bei sich positioniere, auch nicht für die abgerufenen Inhalte haftbar gemacht werden. Wer sich beteiligen möchte, benötige einen regulären WLAN-Anschluss mit Router und müsse zusätzlich einen Freifunk-Router aufstellen. Wie viel  Bandbreite des eigenen Internetanschlusses man  den Freifunknutzern zur Verfügung stellen wolle, entscheide man selbst.

 „Die Feriengäste finden es toll, dass sie nicht über das Handy ins Internet gehen müssen“, berichtet Bürgermeister Andreas Möwes. Der 40-Jährige hat in seiner Ferienwohnung selbst einen Freifunk-Router aufgestellt. „Auch die Schüler finden es super, wenn sie morgens an der Bushaltestelle sitzen und das WLAN nutzen können“, erklärt der Finanzwirt.  

 „Wir haben das  frei zugängliche WLAN auch in die Präsentation für den Wettbewerb ,Unser Dorf hat Zukunft‘ aufgenommen“,  berichtet Siener. Ob das frei verfügbare Internet einer der Faktoren war, die dazu geführt haben, dass Weyher bei dem Wettbewerb im Juni den ersten Platz belegt hat, kann er nicht genau sagen.

Bei der Frage, ob man sich einen Freifunk-Router in die Wohnung stellt, spielt auch Vertrauen eine Rolle. Einige Bewohner Weyhers sorgten sich, ob sie nicht doch für die Inhalte haftbar gemacht werden können, die andere Leute abrufen. „Am Anfang hatte ich Bedenken, aber weil der Bürgermeister und viele andere dabei waren, habe ich mir auch einen Freifunk-Router aufgestellt“, erzählt Adrian Eichner (39). Vor der Installation des Freifunk-Netzes hatte der Verwaltungsfachangestellte nur über das Datenvolumen seines Smartphones die Möglichkeit, ins Internet zu gehen.  Jetzt kann er über einen Freifunk-Router das Internet aus der Nachbarschaft nutzen.  „Meistens funktioniert das Internet gut,  aber manchmal fällt es aus oder wird langsam, zum Beispiel an Sonntagabenden, wenn viele Leute zu Hause sind“, sagt Eichner.

Das Freifunk-Projekt in Weyher hat Auswirkungen über das Dorf hinaus. „Inzwischen rufen mich Leute aus anderen Orten in der Pfalz an“, berichtet Siener. Leute aus Rinnthal, Edesheim und Billigheim-Ingenheim hätten sich dafür interessiert, in ihren Orten über Freifunk-Router ein  frei zugängliches WLAN einzurichten. „Wir stehen noch am Anfang“, lässt er das Projekt  Revue passieren. Sein Ziel ist es, in naher Zukunft einen Verein für den Kreis Südliche Weinstraße zu gründen, der die Verbreitung von kostenlosem WLAN über Freifunk weiter voranbringt.

Internet: www.freifunk-weyher.de