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Sonntag, 16. Juni 2019 Drucken

Sport

FCK-Trainer Sascha Hildmann: "Unsere Fans sind super"

Von Horst Konzok

Sascha Hildmann (47)liebt seinen Job als Trainer des 1. FC Kaiserslautern. Der Verein, sein Verein, ist für ihn Herzenssache.

Sascha Hildmann (47) liebt seinen Job als Trainer des 1. FC Kaiserslautern. Der Verein, sein Verein, ist für ihn Herzenssache. (Foto: Kunz)

Das Bangen um die Lizenz ist vorüber, am Sonntagmorgen startet der Fußball-Drittligist 1. FC Kaiserslautern mit dem Training. Um 16 Uhr gastieren die Roten Teufel bei der SpVgg Waldfischbach-Burgalben. Coach Sascha Hildmann macht es weiter Freude, mit der Mannschaft zu arbeiten, erzählt er im Gespräch mit Horst Konzok. Die Fans seien „einzigartig und machen den Verein zu etwas ganz Besonderem“. Ihnen verspricht Hildmann für die kommende Saison einen offensiven Spielstil – aber mit Köpfchen.

Herr Hildmann, der Urlaub ist zu Ende. Es geht wieder los. Haben Sie sich in den Tagen auf Mallorca gut erholt?

Ja, ich hab’ mich sehr gut erholt. Ich muss aber auch sagen, dieser Job ist für mich kein Stress. Ich habe nie das Gefühl, auf die Arbeit zu müssen. Es macht mir Freude, FCK-Trainer zu sein.

Wie haben Sie Ihr erstes halbes Jahr als FCK-Trainer verarbeitet?

Es war extrem ereignisreich. Es war eine unglaublich intensive Zeit – du denkst immer nur von Samstag zu Samstag, von Spiel zu Spiel. Du bist in einem Tunnel. Das halbe Jahr war geprägt von schönen Momenten – sehr schönen wie dem Derbysieg in Karlsruhe, aber auch von Enttäuschungen.

Welche Rückschlüsse ziehen Sie aus Ihrer aufschlussreichen Saisonanalyse? Ihre Mannschaften hat 199 Ecken – Ligabestwert, aber nur zwei Tore nach Ecken geschossen. Der FCK hat mit die meisten Torchancen in der Dritten Liga, aber nur 49 Tore in 38 Spielen geschossen. Und: Ihre Mannschaft hat 18 Kontertore gefangen.

Ein Rückschluss ist, dass wir uns auf den neuralgischen Positionen versuchen zu verstärken. Wir haben die Fehler erkannt und versuchen, die Schwachstellen zu beheben. Wir brauchen gute Standardschützen – und haben mit Simon Skarlatidis einen bekommen, der diese Qualität bei Kickers Würzburg nachgewiesen hat. Wir brauchen einen großen, kopfballstarken Stürmer. Man sieht ja anhand der Zahlen und Fakten, dass wir viel in eine Richtung unterwegs sind, was oft so gar nicht wahrgenommen wird. Das machen die Jungs schon gut. Wir wissen aber auch, dass wir unsere Qualität im Abschluss verbessern müssen und dass wir im Umschaltspiel nach hinten die Kompaktheit nicht verlieren dürfen. 18 Gegentore durch Konter sind eindeutig zu viel. Wir brauchen deshalb einen sehr präsenten Sechser, groß, kopfballstark.

„Simon Skarlatidis steht für viele Positionswechsel"

Der Abschied von Mads Albaek und Jan Löhmannsröben ist ja eine Konsequenz Ihrer Analyse. Julius Biada ist auch weg, weil er trotz allen Potenzials wohl nie beim FCK ankam. Mit Florian Dick ist der Kapitän verletzungsbedingt von Bord gegangen. Wer folgt ihm nach? Wird gewählt oder bestimmen Sie den Spielführer?

Den bestimme ich. Die Mannschaft wählt den fünfköpfigen Mannschaftsrat und einen aus diesem Kreis ernenne ich zum Kapitän. Damit lasse ich mir aber Zeit – das passiert kurz vor dem Saisonstart.

Mit Simon Skarlatidis und José-Junior Matuwila nehmen am Sonntag zwei Neue das Training beim FCK auf. Was zeichnet die Beiden aus?

Skarlatidis ist sehr fußballintelligent, er versteht ein Spiel zu lesen, er bringt gute Standards. Simon ist zudem sehr variabel, steht für viele Positionswechsel, bringt auch gute Flanken. Er kann vorne alles spielen. José Matuwila ist ein super Junge, sehr bodenständig. Er hat 36 von 38 Spielen in der Dritten Liga für Cottbus gemacht – er ist sehr präsent, besitzt einen guten linken Fuß, er ist schnell und kopfballstark.

Auf der folgenden RHEINPFALZ-Seite findet Ihr alle Informationen zum 1. FC Kaiserslautern.

Nicolas Sessa vom VfR Aalen stand beim FCK im Wort, der Vertrag war unterschriftsreif, dann aber entschied sich der gesuchte Spielmacher für Erzgebirge Aue. Sind Sie sauer, sind Sie enttäuscht?

Wenn ein Spieler nicht zu 100 Prozent vom FCK überzeugt ist, dann macht das auch keinen Sinn. 

Wie spielt der FCK künftig Fußball, mit welchem System?

Wir möchten offensiven Fußball spielen – aber mit Kopf! Ein wildes Pressing ohne Struktur bringt auch nichts. Ich tendiere zu einem 4-4-2, möchte aber die Variabilität mit einem 3-5-2 beibehalten, möchte immer aus einer guten Ordnung heraus in die Spiele reingehen. Das in der Liga so wichtige Umschaltspiel muss in beide Richtungen funktionieren.

"Dominik Schads Entwicklung ist sensationell"

Der FCK war mal eine Hausmacht. Das ist lange her. Letzte Saison gewannen die Absteiger Aalen und Cottbus hier. Wie kann der Betze wieder zur Festung werden?

Die Mannschaften, die herkommen, haben nichts zu verlieren, für die ist es meist das Spiel des Jahres. Sie organisieren Sonderzüge und bringen viele Fans auf den Betze mit. Da wir gerade zu Hause offensiv Fußball spielen wollen, müssen wir gegen die oft defensiv eingestellten Gegner Lösungen finden. Deshalb legen wir bei der Suche nach Verstärkungen viel Wert auf fußballerische Qualität. Wir brauchen aber auch viel Mentalität.

Also ein FCK mit elf Dominik Schads – oder Carlo Sickingers – oder Christian Kühlwetters …

Exakt. Dominik Schads Entwicklung ist, wie bei den beiden anderen auch, ja noch nicht abgeschlossen, aber sie ist sensationell. Der Junge macht mir Spaß, haut sich ja in jeden Ball rein. Carlo hat es in der Abwehr prima gemacht, ich seh’ ihn künftig aber auf der Acht, weil er ja auch torgefährlich ist und vorne gerne in die Box geht. ,Kühli’ habe ich immer gern auf dem Platz – er hat die FCK-Mentalität.

Wo liegen die Schwerpunkte Ihrer Trainingsarbeit in den nächsten Wochen außer im Bereich Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer?

Neben den genannten Bereichen, die natürlich im Vordergrund stehen, wollen und müssen wir uns im Umschaltspiel in beide Richtungen verbessern.

„Mainz 05 – ein Hammer-Los!"

Sie, der echte Lauterer, sind ja Fan der Fans. Sie waren zuletzt sehr angetan von der Abschluss-Choreographie, und der Fankultur gerade auch bei Auswärtsspielen. Welche Rolle spielen die Fans?

Unsere Fans sind einzigartig! Die Fans sind super. Sie haben so viel Leidenschaft, so viele Emotionen. Sie machen den Verein zu etwas ganz Besonderem.

Wer kommt am Sonntag in Waldfischbach-Burgalben zum Einsatz?

Alle Spieler, die fit sind.

Montagabend geht’s zum SV Rodenbach – dort begann Ihre Trainerkarriere. Besondere Gefühle bei der „Heimkehr“?

Ich war bis dahin Profi. Ich war beeindruckt, wie ehrlich der Amateursport war. Ich habe viel reflektiert, mir viele Gedanken gemacht, wir sind zweimal aufgestiegen. Der Aufstieg in die Verbandsliga war der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Wir waren bei der RHEINPFALZ-Wahl die Mannschaft des Jahres, und ich wurde zum Sportler des Jahres gewählt. Ich freue mich aufs Wiedersehen am Montag – das wird sicher schön und emotional.

Herr Hildmann, die Pokal-Auslosung ist gelaufen, der FCK trifft in der ersten Runde am zweiten Augustwochenende auf den 1. FSV Mainz 05. Ihr Kommentar?

Mainz – ein Hammer-Los! Ein tolles Derby. Mainz ist als Bundesligist mit einer starken Mannschaft natürlich der Top-Favorit. Ein tolles Derby – das Stadion wird voll sein, ein heißes Spiel. Ich habe ja als U17-Trainer in Mainz gearbeitet, habe mich dort auch wohlgefühlt und mit Sandro Schwarz ein sehr gutes Verhältnis. Ich freue mich auf das Spiel!