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Samstag, 11. Mai 2019 Drucken

Sport

FCK: Bayern macht den „Betze“ voll

Von Oliver Sperk & Horst Konzok

Glückwunsch, Locke! Torschütze Hemlein nach seinem Treffer zum 4:0 gegen Unterhaching, umringt von Timmy Thiele und Florian Pick (von links) sowie Jan Löhmannsröben (rechts).

Glückwunsch, Locke! Torschütze Hemlein nach seinem Treffer zum 4:0 gegen Unterhaching, umringt von Timmy Thiele und Florian Pick (von links) sowie Jan Löhmannsröben (rechts). (Foto: Kunz)

Das Finanzierungspuzzle für die Drittliga-Lizenz des FCK ist noch nicht komplett. Der Wirtschaftskrimi überlagert das Spiel am Samstag in Würzburg.

Die angeforderten Namen der potenziellen regionalen Investoren, die ihm drei Millionen Euro Soforthilfe gewähren wollen, hat der FCK bis Freitag noch nicht bekommen. An bereits kolportierten Listen gibt es Zweifel. Der Wirtschaftskrimi am „Betze“ geht weiter.

Im keinesfalls aussichtslosen Kampf der Lauterer um die Lizenz ganz sicher noch helfen wird die Partie zum Saisonabschluss am Montag, 27. Mai (18.30 Uhr): Für das „Retterspiel“ des FC Bayern München beim FCK und für den FCK haben die Roten Teufel freitags am ersten Verkaufstag schon rund 14.000 Tickets abgesetzt.

Auf der folgenden RHEINPFALZ-Seite findet Ihr alle Informationen zum 1. FC Kaiserslautern.

Auch Christoph Hemlein freut sich auf seine Premiere gegen die Bayern. Er kam letzten Sommer als Hoffnungsträger zum FCK. Erfahren, gestählt im Dress von Arminia Bielefeld, einer, der weiß, wie Aufstieg geht. Die Saison – ein Zick-Zack-Kurs für Hemlein, den emotionalen Flügelspieler. 31 Einsätze, drei Tore, zwei Vorlagen. Seinen Stammplatz hat er zwischenzeitlich eingebüßt. „Ich weiß, dass ich die Erwartungen, die hoch waren, nicht erfüllt habe – meine eigenen auch nicht“, sagt der 28-Jährige. Letzten Samstag sah er sich plötzlich wieder auf der Sonnenseite. Nach einem rabenschwarzen Montag beim 0:2 in Wiesbaden fand sich Hemlein auf der Bank wieder, kam nach 87 Minuten für den jungen Kollegen (und Rivalen) Toni Jonjic. „Innerhalb von drei Minuten ein Tor vorzubereiten und eins zu schießen, ist gut fürs Selbstvertrauen“, sagt Hemlein, der seelisch am Boden war. Der hoch emotionale Typ mit den blauen Augen ist alles andere als blauäugig. „Ich hab’ den Rückpass nicht absichtlich zum Gegner gespielt …“, sagt er beim Blick zurück auf Wiesbaden. Dass die eigenen Fans ihn beschimpft haben, tut ihm weh. „Das macht mich traurig“, gesteht Hemlein, der natürlich registriert, was im Verein gerade geschieht. „Es wird zwar oft gesagt, dass die Spieler das ausblenden müssen. Aber wenn es um die Lizenz geht – das kannst du nicht ausblenden …“

Den Druck unterschätzt

Er rechnet auch hoch, wie viele Punkte die Mannschaft in der Nachspielzeit verschleuderte. Zehn, zwölf Punkte … Was wäre wenn … Nachtrauern hilft nicht. „So ein Projekt braucht Zeit. Es ist ein langer Weg, es ist ein langer Prozess. Du kannst nicht alles in acht Monaten gutmachen, was über Jahre kaputt gemacht wurde – auch das war ein langer Prozess.“

Er gesteht auch, dass er den Druck unterschätzt hat, der von der Wucht der Tradition, den Erwartungen des Umfelds ausgeht: „Ich wusste auch nicht wirklich, was es heißt, für den FCK zu spielen. Es ist ein großer Klub – aber wir sind Drittligaspieler.“ So ist Hemlein auch überrascht, dass sein Ausflug am Maifeiertag nach Mannheim zu einer Strandparty mit seinem Teamkollegen Jan Löhmannsröben im Internet groß aufgeblasen wurde.

Ein Fan hatte die beiden mit jeweils einem Longdrink-Glas in der Hand geknipst und das Foto verbreitet. Trainer Sascha Hildmann nahm sich die beiden am nächsten Morgen zur Brust. „Der Trainer hat gesagt: Du wirkst nicht wie jemand mit Restalkohol im Blut“, sagt Hemlein rückblickend. „Es war ein Drink an einem freien Tag, es war eine Party am helllichten Tag, meine Frau war dabei, Freunde waren dabei, wir sind schon gegen 21 Uhr heimgefahren.“ Für den FCK zu spielen mit diesem im Positiven wie im Negativen hoch emotionalen Umfeld, sich dieser besonderen Bedeutung bewusst zu werden, das war für die vielen neuen Roten Teufel ein Lernprozess in dieser für alle erneut so schwierigen Saison.

Ruhe, Zeit und Wille

Aber Hemlein ist überzeugt, dass „sehr gute Qualität da ist“, den FCK wieder voranzubringen, „den Verein dahin zu bringen, wo er auch hingehört.“ Mit Ruhe. Mit Zeit. Und Wille. Effektiv werden wie der VfL Osnabrück, der als Meister aufsteigt – ein Weg. Den will der Mann mit der Rückennummer 17 mitgehen, den bis 2020 laufenden Vertrag erfüllen. „,Locke’ zerreißt sich immer, gibt immer alles“, attestiert der Trainer. „Zu verkopft“ sei er zuletzt gewesen, ohne Selbstvertrauen. Das doppelte Erfolgserlebnis gegen Haching – Balsam für die Seele. „Er spielt bei uns immer eine Rolle.“ Das will Hemlein auch am Samstag (13.30 Uhr) beim vorletzten Punktspiel in Würzburg tun. In der Tabelle indes können die beiden Teams aus dem oberen und mittleren Mittelfeld nicht mehr viel reißen.


 

So spielen sie

Würzburger Kickers:

Verstappen - Göbel, Hägele, Schuppan, Kurzweg - Kaufmann, Sontheimer, Gnaase, Skarlatidis - Elva, Breitkreuz – Es fehlen: Bachmann (Geln-Sperre), Drewes (Syndesmoseriss), Ofosu-Ayeh (Fersenverletzung)

1. FC Kaiserslautern:

Grill - Schad, Kraus, Hainault, Sternberg - Hemlein, Fechner, Zuck (Löhmannsröben), Pick - Thiele, Kühlwetter – Ersatz: Hesl, Gottwalt, Bergmann, Biada, Jonjic, Huth – Es fehlen: Albaek (Adduktorenreizung), Dick (Sprunggelenke lädiert), Esmel (Kreuzbandriss), Sickinger (Faserriss im Oberschenkel), Spalvis (Knorpelschaden)

Schiedsrichter:

Fritsch (Mainz)

Hinrunde:

0:0.