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Dienstag, 19. Januar 2016 Drucken

Sport

Falsche Zeit, falscher Ort – falscher Mann

Fussball: Stefan Kuntz legt beim FCK Chefposten zum 30. Juni nieder – Dissens mit Aufsichtsrat über Strategie und Ausrichtung

Von Andreas Böhm

 

Angefasst: Stefan Kuntz neben Pressesprecher Stefan Roßkopf und Nikolai Riesenkampff (von links). ( Foto: KUNZ)

Kaiserslautern. Die Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern bereitet sich in Spanien auf die Fortsetzung der Zweitliga-Saison vor, über der Pfalz lachte gestern ebenfalls die Sonne. Doch droben auf dem Betzenberg pfiff ein eisiger Wind, auch im übertragenen Sinne: Stefan Kuntz wird am 30. Juni den Posten des Vorstandsvorsitzenden räumen. Ursprünglich sollte sein Vertrag am 31. Dezember 2017 enden.

 

Kuntz zeigte sich anlässlich der eiligst einberufenen Pressekonferenz froh darüber, seine Emotionen „einigermaßen im Griff“ zu haben. In manch einem Moment aber war zu spüren, wie schwer dem 53-Jährigen die Ankündigung seines Abschieds fiel. Ende Juni wird er fast ein Viertel seines Lebens als Spieler und Funktionär für den FCK tätig gewesen sein. Eine prägende Zeit in einem, so sagt er, besonderen Verein, mit dem er die Tugenden Anstand, Respekt und Demut teile. Auf die Schnelle vermochte Kuntz seine achtjährige Tätigkeit nicht zu rekapitulieren, er versuchte es dennoch und resümierte: „Letztlich war es gut, was wir hier gemacht haben. Es muss sich keiner Sorgen machen. Hier bricht nichts zusammen. Es wird nur eine Amtszeit enden.“

Doch warum? Kuntz hat nicht mehr das Gefühl, der richtige Mann am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu sein. Die teils harsche Kritik aus dem Umfeld und dem Fanlager an seiner Person und seinen Entscheidungen habe keine Rolle gespielt, erklärte Kuntz, in solch einer Position wie der seinen müsse er damit umgehen können. Ausschlaggebend sei, dass er und der Aufsichtsrat hinsichtlich der Strategie auf unterschiedlichen Frequenzen funkten. Manifestiert hat sich dies bei der Debatte über die aktuellen Wintertransfers, konkret in der Personalie Emanuel Pogatetz.

Der 33-jährige bundesligaerfahrene Verteidiger galt als Wunschkandidat von Trainer Konrad Fünfstück und auch von Kuntz, er wäre ablösefrei gewesen und hätte zunächst bis zum Ende der Saison unterzeichnen sollen – der Aufsichtsrat unter Führung von Nikolai Riesenkampff legte sein Veto ein. „Mein Entschluss ist aber nicht an diese eine Geschichte gebunden, wir haben gemerkt, dass wir generell unterschiedliche Auffassungen haben“, sagte Kuntz.

Folglich wäre es in Zukunft öfter zu lähmendem Dissens gekommen. Es sei demnach „das Beste für den Verein“, sich einvernehmlich zu trennen, „der FCK steht über allem.“ Der Zeitpunkt sei richtig, dem Verein bleibe ausreichend Zeit, sich neu zu positionieren. Nikolai Riesenkampff sagte, im Kontext sinkender Zuschauer- und TV-Einnahmen nehme das von ihm geführte Gremium davon Abstand, die Ausgabenseite zu belasten. Durch das Nein zur Verpflichtung Pogatetz’ habe sich der Aufsichtsrat nicht in sportliche Belange eingemischt. „Wir haben keinen Spieler beurteilt, sondern wir führen Aufsicht darüber, ob der Verein seinen Etat einhält“, betonte er. Was die Auflösung des bestehenden Arbeitspapieres angeht, kam Kuntz dem 1. FC Kaiserslautern offenbar großzügig entgegen. „Es ist eine sehr, sehr faire Lösung“, sagte Riesenkampff, „eine Lösung, durch die wir gemerkt haben, dass Stefan der Verein sehr am Herzen liegt.“

Gestern waren in Kuntz’ Augen nur für Augenblicke Tränchen zu erkennen. Nach dem letzten Saisonspiel des 1. FC Kaiserslautern (voraussichtlich am 15. Mai) beim FC St. Pauli, noch eher im finalen Heimspiel am 8. Mai gegen die SpVgg Greuther Fürth werden sich die Kanäle wohl öffnen.

Doch was wird Stefan Kuntz danach tun? Als Manager arbeiten? Als Klubchef? Bei einem Verein oder einem Verband? Kuntz versicherte, sich darüber keine Gedanken gemacht zu haben, eine längere Auszeit sei möglich. Das Beste sei es wohl, Abstand zu gewinnen. Und auf seine Frau zu hören. „Sie sagt immer: ’Was du machst, ist mir egal. Ich möchte nur, dass es dir gut geht’.“