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Montag, 17. Oktober 2016 Drucken

Ludwigshafen

BASF-Unglück: Schnitt in falsche Rohrleitung vermutlich Ursache für Explosion

Dieses Bild entstand kurz nach der Explosion: Eine gigantische Säule aus Flammen und Rauch hüllt Teile des Hafens ein. (Foto: dpa)

Ein Mitarbeiter der Feuerwehr in einem der fünf Messfahrzeuge, die nach dem Unglück im Einsatz waren. (Foto: Schmid)

Ein Kondolenzbuch liegt am Eingang der Hauptfeuerwache in Ludwigshafen nach dem Tod zweier Kollegen aus. (Foto: Gierescher)

Die Aufnahme zeigt die Unglücksstelle im Nordhafen drei Tage nach dem Unglück. (Foto: Lenz)

Am Donnerstag hat die Stadt Ludwigshafen auch die Warnung für das angrenzende Gewerbegebiet zurückgenommen. (Foto: Kunz)

Wenn die Steamcracker wieder anfahren, können laut Unternehmen möglicherweise überschüssige Gase abgefackelt werden. Auch laute Geräusche sind möglich. (Foto: Kunz)

Am dritten Tag nach dem Unglück ist die Feuerwehr immer noch am Ort des Geschehens. (Foto: Kunz)

Der dicke schwarze Rauch, der von dem Brand aufstieg, verunsicherte die Bevölkerung. Laut BASF und Feuerwehr wurden in der Umgebung keine erhöhten Schadstoffmengen festgestellt. (Foto: Kunz)

Der Rauch stieg wegen der ruhigen Wetterlage zunächst senkrecht hoch und zog dann Richtung Nordosten ab. (Foto: Privat)

Die Qualmwolke am Montagmittag von Oppau aus gesehen. (Foto: umi)

Ein genauerer Blick auf den Brandort zeigt am Tag nach der Katastrophe das Ausmaß der Zerstörung. (Foto: Kunz)

Die Aufnahme zeigt die Unglücksstelle im Nordhafen drei Tage nach dem Unglück. (Foto: Lenz)

Die BASF-Explosion vom 17. Oktober im Landeshafen Nord ist vermutlich durch einen Schnitt in eine falsche Rohrleitung verursacht worden. Das geht aus einer gemeinsamen Erklärung der Staatsanwaltschaft und des Polizeipräsidiums vom 26.Oktober hervor. Bei Ermittlungen im engeren Tatortbereich ist demnach ein Einschnitt an einer Rohrleitung festgestellt worden. Dieser wurde offensichtlich mit einer Trennscheibe vorgenommen. An einer benachbarten Leitung waren zu diesem Zeitpunkt Wartungsarbeiten im Gange, bei denen ein Winkelschleifer zum Einsatz kam. Die angeschnittene Rohrleitung war von diesen Arbeiten ausgenommen. In dieser floss brennbares Raffinat. Die Ermittler und Gutachter konzentrieren sich nun auf den Ablauf der Wartungsarbeiten und die davor getroffenen Sicherheitsmaßnahmen.

Auch eine Woche nach der Explosion bei der BASF kontrolliert die Stadtverwaltung Ludwigshafen die Luft im Stadtgebiet auf mögliche Schadstoffe. Wie Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Eva Lohse am Montag mitteilte, soll bei der Stadt eine Koordinierungsstelle eingerichtet werden, in der sich regelmäßig alle Fachbehörden und die Feuerwehr treffen. Da es während der jetzt anstehenden Spülungen von Reststoffen in den Leitungen immer noch zu gasförmigen Produktaustritten kommen kann, werden die Messfahrten in einem Sechs-Stunden-Rhythmus fortgesetzt.

Die beim BASF-Unglück freigesetzten Schadstoffe waren nach Darstellung von Stadt und Feuerwehr insgesamt keine Gefahr für die Bürger. Der höchste Benzolwert, der außerhalb der Unglücksstelle gemessen worden sei, habe immer unterhalb des Akzeptanzwertes für Arbeitsplätze von 200 Mykrogramm pro Kubikmeter Luft gelegen, sagte Thomas Bienert, der Ärztliche Leiter des Gesundheitsamtes, am Freitag in Ludwigshafen.

Der Benzolwert sei im Gewerbegebiet Nachtweide gemessen worden und sei in den ersten Stunden nach dem Unglück vom Montag etwas erhöht gewesen, war demnach aber nach mehr als 24 Stunden nicht mehr nachweisbar. Nach dem krebserregenden Benzol habe man am genauesten geschaut, weil es „das Gefährlichste“ sei. Dass mehrere Bürger über Reizungen von Augen und Atemwegen geklagt hatten, bei genaueren Messungen aber keine erhöhten Werte festgestellt worden waren, erklärte Bienert damit, dass die Schadstoffe „schwallartig“ aufgetreten seien.

Ludwigshafens Feuerwehrleiter Peter Friedrich bestätigte, dass zu keinen Zeitpunkt eine Gefahr für die Bevölkerung bestanden habe. Dies habe auch an der günstigen Wetterlage gelegen, die verhinderte, dass der Rauch mit Schadstoffen des Großbrands in die Stadt zieht.  Die Warnung, Fenster und Türen geschlossen zu halten, wurde in den nördlichen Stadtteilen Ludwigshafens trotzdem bis Dienstag aufrecht erhalten, da sich die Windrichtung auch schnell hätte drehen können.

Das Hochfahren wichtiger Anlagen nach der folgenschweren Explosion bei der BASF läuft bisher ohne Probleme. «Sowohl die beiden Steamcracker sind im Anlaufprozess als auch andere Anlagen sukzessive», sagte eine BASF-Sprecherin am Sonntag. «Es ist sehr komplex, dementsprechend dauert es einige Tage.» Bisher gebe es keine Auffälligkeiten. Mit den sogenannten Steamcrackern, die als Herzstück des Werks gelten, wird mit Hilfe von Dampf (englisch: steam) Rohbenzin aufgespalten (englisch: to crack). Beim Anfahren können Fackeln zu sehen sein.

Mittlerweile mehrt sich Kritik an BASF-Vorstandschef Kurt Bock. Es herrsche in Teilen der Belegschaft Unverständnis, warum sich Bock bislang nicht an die Öffentlichkeit gewandt habe. Der BASF-Spitzenmann ist sich offenbar der Kritik bewusst. Am Freitag wandte er sich mit einer Videobotschaft an die Mitarbeiter des Unternehmens und forderte, das Unternehmen müsse Vertrauen in der Öffentlichkeit wieder herstellen. 

Die BASF-Explosion hat die Nutzerzahl der Notfall-App Katwarn in Ludwigshafen nach oben schnellen lassen. „Wir hatten am Montag, am Tag der Explosion, in Ludwigshafen knapp 19.000 Katwarn-Nutzer, am Dienstag hatten wir schon über 30.000. Dieses Ereignis hat also dazu geführt, dass sich an einem Tag fast 12.000 Leute Katwarn downgeloadet haben“, berichtet der Ludwigshafener Beigeordnete Dieter Feid (50, SPD) im RHEINPFALZ-Interview.

Die Explosion und die nachfolgenden Brände forderten bislang drei Menschenleben. Zwei Angehörige der Werksfeuerwehr starben in den Flammen. Es handelt sich bei ihnen um den aus Worms stammenden Einsatzleiter sowie um einen 38-Jährigen aus der Verbandsgemeinde Lingenfeld. Außerdem starb ein Matrose, der von der Wucht der Detonation ins Wasser geworfen wurde. Laut BASF hatte das Unglück zudem 17 Leicht- und acht Schwerverletzte zur Folge. Einige liegen mit teils schweren Brandverletzungen auf der Intensivstation.

Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Lohse betonte am Montag, sie erwarte eine lückenlose Aufarbeitung der Vorfälle. Wegen des Unglücks hatte sie eine Auslandsreise in Ecuador abgebrochen, wo sie als amtierende Städtetagspräsidentin auf der Weltsiedlungskonferenz der Vereinten Nationen vertreten war. Für den 7. November plant die Stadt in Übereinstimmung mit den Fraktionen eine Sondersitzung des Stadtrats, der sich mit den Ereignissen beschäftigen soll.

Begonnen hatte die Katastrophe mit einem kleinen Brand an einer Leitung in einem Rohrgraben. Kurz darauf folgten die Explosion und mehrere Brände. (dpa/mix/skz/adh/crk/ier) 

Infotelefon: Die Feuerwehr Ludwigshafen hat unter der Telefonnummer 0621 5708-6000 ein Informationstelefon geschaltet. Die Umweltzentrale ist unter 0621 60-4040 zu erreichen.  

Wo die Explosion geschah: 

 

Das Unglück in den sozialen Netzwerken: 

Aus einem Kleinflugzeug wurde der Großbrand im Nordhafen gefilmt (Quelle: Youtube):  

 

Dieses Video zeigt den Brand, gefilmt aus einem Auto (Quelle: Youtube):