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Donnerstag, 15. Februar 2018 Drucken

Olympia-Tagebuch

Eine Algensuppe im Jjimjilbang

Olympia-Tagebuch: Der Besuch einer koreanischen Sauna ist ein Erlebnis

Von

Elisabeth Schlammerl

Wer ein paar Stunden lang an einer der zugigen Wettkampfstätten aushalten muss und danach durchgefroren ist, hat zwei Möglichkeiten, sich aufzuwärmen. Entweder, er setzt sich in einen der überheizten Busse. Oder, er geht in das Jjimjilbang, was wörtlich beheiztes Bad oder Raum heißt.

Die koreanische Variante der Sauna ist jedoch viel mehr als ein schnödes Schwitzbad, sie ist mit einem kombinierten Wellness-Erlebnis-Tempel für die ganze Familie zu vergleichen. Neben unterschiedlichen Saunen gibt es in Jjimjilbangs Restaurants, Karaokeräume, Nagelstudios, Schönheitssalons sowie Massage-, Fitness- und Computerräume. Saunieren hat eine große Tradition in Korea und rührt von jener Zeit her, als die Dorfgemeinschaft in die auskühlenden Brennöfen für Keramik gekrochen ist und es sich darin gemütlich gemacht hat.

Seine Kleidung lässt man in einem Schließfach gleich nach dem Eingang zurück, die Schuhe tauscht man noch davor gegen Schlappen, die zur Verfügung gestellt werden. Dann geht es nackt und streng nach Geschlechtern getrennt in die Badeabteilung, denn vor dem Betreten der Saunalandschaft ist eine ausgiebige Reinigung notwendig. Dort trifft man gerne Koreaner, die sich gegenseitig mit einem speziellen, sehr, sehr harten Rubbel-Handtuch abreiben. Dadurch lösen sich die abgestorbenen Hautschichten. Außerdem fördert es die Durchblutung. Anschließend schlüpft man in die am Eingang ausgehändigte Saunabekleidung, die manchmal wie eine Art Pyjama mit kurzen Hosen aussieht, manchmal sind es einfach nur ein weites T-Shirt und Shorts. Jetzt kann es losgehen mit dem Saunieren.

Die klassische finnische Sauna ist meist sehr groß in Korea, daneben gibt es Salzgrotten und unterschiedliche beheizte Heißräume aus Stein oder Ton. Dort liegt man in seinem Sauna-Outfit auf Hanfmatten.

Wer damit fertig ist, kann sich endlich jenen Annehmlichkeiten widmen, die ein Jjimjilbang sonst noch bietet: Maniküre, Pediküre, Friseur, Computerspiele, Fernsehen, Lesen, Singen, manchmal sogar Golfspielen sowie natürlich Essen und Trinken. Zu einem typischen Saunasnack gehören Sikhye, ein süßliches Reisgetränk, gebackene Eier und Miyeok guk, eine Algensuppe.

Eine besondere Bedeutung haben die Ruheräume im Jjimjilbang. Sie dienen nicht nur zur kurzzeitigen Erholung nach der Sauna, sondern manchmal sogar als Schlafraum. Für ein kurzes Nickerchen, aber auch für die ganze Nacht, da die koreanischen Saunen meist 24 Stunden geöffnet haben.

Das wird meist von jenen Leuten genutzt, die nach einem langen Abend nicht mehr mit Bus oder Bahn nach Hause kommen. Vielleicht sieht auch der eine oder andere Olympia-Besucher angesichts der horrenden Hotelpreise während der Winterspiele in der Region um Pyeongchang das Jjmjilbang als perfekte Alternative. Übernachtung für rund zehn Euro, Sauna zum Aufwärmen und unzählige Unterhaltungsangebote inklusive.

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