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Dienstag, 13. Februar 2018 Drucken

Sport

Ein kleines Überlebenstraining

Von

Elisabeth Schlammerl

"Kamera in Korea umgefallen" ist das neue "Sack Reis in China umgefallen". Nur gibt es bessere Fotos. (Foto: DPA)

Olympia-Tagebuch: Busse offenbar ohne Winterreifen – Wind bläst mächtig

Die Ski-Expertin des österreichischen Fernsehens wollte es genau wissen. Alexandra Meissnitzer, eine frühere Weltmeisterin, fuhr hinauf zum Start des für Montag geplanten Riesenslaloms der Frauen – und wurde beinahe vom Winde verweht. Viktoria Rebensburg ist erst gar nicht ausgestiegen aus der Gondel. Sie erfuhr von der Absage des Rennens während der Fahrt nach oben, blieb deshalb sitzen, bis sie wieder unten im Tal angekommen war. Der Wind bläst seit Sonntag mächtig über den Nordosten von Südkorea. Die Windräder, die in der Nähe von Gangneung stehen, drehen sich ordentlich, das ist gut für die Stromerzeugung. Aber den olympischen Betrieb stört dieses fiese Wetter. Es führt nicht nur zu Wettkampf-Verschiebungen, sondern auch zu organisatorischen Schwierigkeiten rund um den Sport – und bringt manchmal sogar Menschen in Gefahr.

Abgestürzte Kamera als beliebtes Fotomotiv

Im Yongpyong Alpine Center haben die Volunteers gestern schnell versucht, alle nicht fest verschraubten Gegenstände entweder zu entfernen oder zu befestigen, aber alles bekamen sie nicht mehr rechtzeitig zu fassen. Teppiche wehten umher, Absperrgitter fielen um und eine Kamera landete im Schnee. Die war oben auf der Plattform der Tribüne aufgestellt worden und dort offenbar dem Wind so ausgesetzt gewesen, dass sie samt Stativ zu Boden krachte. Getroffen hat sie zum Glück niemanden, aber sie war schnell bei den wenigen noch anwesenden Offiziellen und Journalisten ein beliebtes Fotomotiv. Es war wohl die letzte Funktion, die sie erfüllen konnte, denn heil überstanden hat sie den Sturz nicht.

Sibirischer Einfluss seit vielen Wochen

Die extremen Wetterbedingungen sind für diese Region in Südkorea nicht ungewöhnlich, ungewöhnlich ist aber, dass der sibirische Einfluss schon so viele Wochen anhält. Als am Sonntag während der Entscheidung im Einer-Rodeln auch noch Schneefall einsetzte und die kurvige Straße neben dem Eiskanal langsam mit einer leichten weißen Schicht bedeckt wurde, musste der Shuttle-Dienst eingestellt werden. Offenbar sind die vom Organisationskomitee angemieteten Busse nicht mit Winterreifen ausgerüstet. Der Abstieg von der Rodelbahn nach Alpensia geriet bei Schneegestöber und auf rutschigem Weg zu einem kleinen Überlebenstraining.

Skier können während der Fahrt verbrennen

Der Wind und die sibirischen Temperaturen stellen auch die Serviceleute der Skirennläufer vor eine große Herausforderung. Der Wind entzieht dem ohnehin schon trockenen Schnee noch mehr Feuchtigkeit, er wird dadurch so aggressiv, dass die Laufflächen der Skier während der Fahrt verbrennen können. Verhindert werden könnte dies nur durch den Einsatz von Skiern mit einem härteren Belag – aber weil damit nicht zu rechnen war, hat dieses selten benötige Material kaum eine Skifirma mit nach Südkorea gebracht. Am Donnerstag, so lässt der Metereologe des Organisationskomitees ausrichten, soll es deutlich besser werden. Das mit dem Wind wenigstens.