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Montag, 19. Februar 2018 Drucken

Olympia-Tagebuch

Ein Hauch Korea

Olympia-Tagebuch: Gastgeber bieten Ausflüge an

Von Elisabeth Schlammerl

Es gehört ein bisschen Mut dazu, sich in die Hände eines Karikaturisten zu begeben. In der Regel entspricht das Konterfei ja nicht den Vorstellungen vom eigenen Ich. Die Nase zu lang, das Kinn zu spitz, die Ohren zu groß. Aber die Verlockung war groß, denn im Pressezentrum bieten seit Anfang der Spiele Karikaturisten der Cartoon-Schule des Korea Manhwa Museums aus der Nähe von Seoul gratis ihre Dienste an. Nach einer halben Stunde Modell sitzen kam es, wie es kommen musste, aber wir wollen das Ergebnis lieber nicht näher beschreiben.

Veranstalter von Olympischen Spielen sind stets der Auffassung, den Berichterstattern Gutes tun zu müssen, allerdings erst, nachdem sie die teuren Unterkünfte gebucht haben und bereits vor Ort sind. So gab es vom Chef des Organisationskomitees, Lee Hee-Beom, zuletzt persönliche Glückwünsche zum koreanischen Neujahrsfest. Er reichte jedem anwesenden Journalisten im Hauptpressezentrum persönlich die Hand. Noch besser war anschließend das üppige Büfett mit allerlei Delikatessen, eine schöne Abwechslung zu Sandwich, Instantsuppe oder Bulgogi im Mediencafé.

Aber das OK will ja nicht nur, dass alle Journalisten satt sind, sondern ihnen auch Land, Leute, Kultur und Tradition von Korea nahebringen. Dazu hat das Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus ein Ausflugsprogramm ausgearbeitet, das jeder Journalist buchen kann, kostenlos versteht sich.

Eine Tour führt an die nordkoreanische Grenze. Dort darf man ausnahmsweise in die militärische Zone und kann sich im nahegelegenen Museum über die Geschichte des geteilten Landes informieren. Außerdem gibt es auf dem Weg einen Tempel in der Nähe des Strandes. Ein anderer Trip geht in zwei traditionelle Dörfer, eines davon ist sogar Welt-Kulturerbe. Daneben werden kleinere Ausflüge in die Umgebung angeboten wie die Gondelfahrt in Samcheok mit Blick über die Strände am Japanischen Meer oder Ostmeer, wie die Koreaner wegen ihrer historischen Rivalität mit Japan sagen, oder zu einem Markt in der Jeongseon-Region.

Vor dem Eingang in die große Mensa im Mediendorf kann sich der Journalist am Bücherstand bedienen, kostenlos. Dort werden Werke koreanischer Autoren übersetzt in verschiedene Sprachen ausgestellt. Wer lieber etwas über die koreanische Spielleidenschaft wissen will, lässt sich in der Tischreihe gegenüber inspirieren. Da gibt es die Kunst des Beonanori – Räder, Teller oder Körbe werden auf einem speziellen Stock jongliert und dabei kräftig im Rhythmus gedreht. Weniger Geschick als Glück ist bei Yutnori notwendig. Das koreanische Brettspiel ist rund 2000 Jahr alt und gilt als Vorgänger von „Mensch ärgere dich nicht“. Das Wurfspiel Tuho wurde einst vor allem in den Königsfamilien und besseren Kreisen gespielt. Dabei müssen Pfeile in einen kleinen Holzeimer geworfen werden. Liebes OK, alles sehr schöne Ideen, nur steht dem Freizeitprogramm der straffe olympische Terminplan im Weg.