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Montag, 27. Juni 2016 Drucken

Sport

Ein glanzvoller Auftritt

FUSSBALL: Deutschland nach 3:0 gegen Slowakei im Viertelfinale gegen Spanien oder Italien – Draxler und Boateng überragen

VON CHRISTINE KAMM

 

Streicheleinheiten: Joshua Kimmich und Freundin. ( Foto: dpa)

Top: Jérôme Boateng. ( Foto: dpa)

Artistisch: Julian Draxler erzielt das 3:0. ( Foto: dpa)

Lille. Es ist angerichtet für das erste Spiel gegen eine große Mannschaft bei dieser EM. Mit einem souveränen Auftritt schickte der Weltmeister gestern im Achtelfinale die Slowakei mit 3:0 (2:0) nach Hause. Nun kommt es am nächsten Samstag zum Schlager gegen Spanien oder Italien.

 

Eine Überraschung hat Joachim Löw immer parat. Dieses Mal hat er sich also entschieden, dem bisher glücklosen Mario Götze eine Auszeit zu gönnen. Julian Draxler kehrte zurück, der im letzten Gruppenspiel gegen Nordirland (1:0) draußen saß. Auf sein Ass Jérôme Boateng hat der Bundestrainer nicht verzichten wollen. Er stand nach auskurierter Wadenverletzung in der Startelf.

Wie gut die Entscheidung war, auf Boateng zu bauen, zeigte sich schnell. Denn da traf der Verteidiger auch schon zum 1:0 (8.). Nach einem Eckball kam ihm nach einem Klärungsversuch von Milan Skriniar der Ball entgegen, er überlegte nicht lange und setzte einen Schuss aus 20 Metern Richtung Tor ab, der – von Skriniar abgefälscht – unhaltbar für Keeper Matus Kozacik im Kasten einschlug. Boateng rannte nach seinem ersten Länderspieltor zur deutschen Bank und feierte dort. „Es war mein Dank an die Physios und die Ärzte. Sie haben für mich Vollgas gegeben“, betonte Boateng. Und das Tor? „Ich habe gesehen, dass der Ball in meine Richtung kommt. Ich habe ihn sehr gut getroffen. Die Mannschaft hat sehr gut gespielt.“

Der Anfang war gemacht. Und das tat dem deutschen Spiel auch sehr gut, weil die Mannschaft mit der Führung im Rücken weiterkurbelte. In der Spitze war die Mannschaft wieder viel flexibler. Thomas Müller turnte oft im Strafraum oder in der Nähe der Box herum. Es herrschte sehr viel Leben ganz vorne. Das für die Treffer eigentlich zuständige Quartett rochierte viel und war dadurch auch gefährlich. Und noch vor der Pause belohnte die Mannschaft sich mit dem zweiten Treffer. Der gestern sehr starke Draxler tanzte Juraj Kucka aus und legte von der Grundlinie aus zurück zu Mario Gomez, der im zweiten Turnierspiel von Beginn an auch sein zweites Tor machte (43.). „Unsere Flexibilität ist genial. Wir können mehr als zufrieden sein“, meinte Gomez. Es hätte da allerdings auch 3:0 oder 4:0 stehen können, doch Mesut Özil scheiterte mit einem etwas lauen Elfmeter an dem gut reagierenden Kozacik (13). Der slowakische Kapitän Martin Skrtel hatte Gomez im Strafraum mit der Hand weggeschoben.

Vom Gegner war nicht viel zu sehen. Die deutsche Mannschaft hatte mit Superstar Marek Hamsik gar nicht so viel zu tun. Bis zur Pause gab es nur einen kurzen Schreckmoment für die deutschen Fans. Als Peter Pekarik, ein guter Bundesliga-Bekannter von Hertha BSC, kurz vor der Pause eine Maßflanke von rechts servierte und Kimmich am langen Pfosten das Kopfball-Duell gegen Kucka verlor, war der deutsche Kapitän auf dem Posten. Manuel Neuer lenkte den Ball, der unter die Latte gepasst hätte, übers Tor.

Nach der Pause änderten die Verhältnisse sich etwas. Die deutsche Elf versuchte, das Spiel kontrolliert weiterlaufen zu lassen. Doch das war keine gute Idee, denn die Slowaken nahmen die Einladung dankend an und begannen, den Raum zu nutzen. Das Blatt wendete sich nicht wirklich, aber der Gegner, am 29. Mai noch stolzer 3:1-Testspielsieger über den Weltmeister in Augsburg, holte den einen oder anderen Freistoß heraus.

Gebannt war die Gefahr nach einer Kroos-Ecke. Der Ball sprang Draxler vor die Nase und der krönte seinen klasse Auftritt mit seinem ersten Tor im Turnier (62.). Da haben Leistung und Ertrag endlich mal zusammengepasst. „Das war ein sehr schöner Tag für mich“, sagte Draxler. Toni Kroos hätte kurz vor Schluss noch auf 4:0 erhöhen können, scheiterte aber knapp. „Wir haben den Ball gut laufen lassen, die Räume gut genutzt“, lobte Bundestrainer Joachim Löw.

 

So spielten sie

Deutschland:

Neuer (Bayern München) - Kimmich (Bayern München), Boateng (Bayern München)/71. Höwedes (FC Schalke 04), Hummels (Borussia Dortmund), Hector (1. FC Köln) - Kroos (Real Madrid), Khedira (Juventus Turin)/76. Schweinsteiger (Manchester United) - Müller (Bayern München), Özil (FC Arsenal), Draxler (VfL Wolfsburg)/71. Podolski (Galatasaray Istanbul) - Gomez (Besiktas Istanbul)

Slowakei:

Kozacik (Viktoria Pilsen) - Pekarik (Hertha BSC), Skrtel (FC Liverpool), Durica (Lokomotive Moskau), Gyömber (AS Rom)/84. Salata (Slovan Bratislava) - Hrosovsky (Viktoria Pilsen), Skriniar (Sampdoria Genua), Hamsik (SSC Neapel) - Kucka (AC Mailand), Weiss (Al-Gharafa Sports Club)/46. Gregus (FK Jablonec) - Duris (Viktoria Pilsen)/64. Sestak (Ferencvaros Budapest)

Tore:

1:0 Boateng (8.), 2:0 Gomez (43.), 3:0 Draxler (63.) - Gelbe Karten:

Hummels, Kimmich - Kucka (2), Skrtel (2) - Beste Spieler:

Boateng, Draxler, Hummels, Neuer - Kozacik, Kucka - Zuschauer:

44.312 - Schiedsrichter:

Marciniak (Polen).