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Freitag, 09. Februar 2018 Drucken

Sport

Ein denkwürdiger Abend

HANDBALL: Rhein-Neckar-Löwen besiegen den TBV Lemgo mit 38:17– Unglaubliche erste Halbzeit

Von Udo Schöpfer

Im Torrausch: Andy Schmid. Rechts Christian Klimek.

Im Torrausch: Andy Schmid. Rechts Christian Klimek. ( Foto: Kunz)

«Mannheim.» Der nächste Rausch: Die Rhein-Neckar-Löwen schlugen gestern Abend im ersten Spiel nach der EM-Pause den TBV Lemgo mit sage und schreibe 38:17 (23:4). Die 7034 Zuschauer erlebten eine denkwürdige erste Halbzeit.

Ein Fall für die Historiker. Gab es jemals in der Handball-Bundesliga eine Mannschaft, die erst in der 17. Minute ihren ersten Treffer erzielte? Gab es je eine Mannschaft, die in der 24. Minute zu ihrem zweiten Tor kam? Der TBV Lemgo erlebte gestern Abend in der SAP-Arena eine unheimliche Begegnung der ganz ungewöhnlichen Art. So hatten sich die Ostwestfalen, die bislang eine so passable Runde spielten, den Neustart ins Jahr 2018 niemals vorgestellt. Mit jedem Wurfversuch, der eine Beute der großartigen Löwen-Abwehr und des fantastischen Torhüters Andreas Palicka wurde, nahm das Selbstvertrauen der Gäste ab. Mit jedem Tor der Löwen machte der TBV einen trostloseren Eindruck. Nichts gelang. Die Körpersprache verriet Resignation.

„So etwas habe ich nicht erlebt, nicht auf dem Niveau“, sagte Andreas Palicka. Der schwedische Torhüter knüpfte an seine starken Leistungen während der Europameisterschaft in Kroatien an. Mit seinem Team holte er dort die Silbermedaille. „Da kann man nicht meckern, das war ein toller Start“, betonte er.

Lemgos Trainer Florian Kehrmann nahm schon in der zwölften Minute die zweite Auszeit – ohne erkennbare Folgen. Isaias Guardiola, der Zwillingsbruder von Löwe Gedeón, agierte im TBV-Dress bei seiner Rückkehr nach Mannheim sehr unglücklich. Nach der Pause blieb er bis zur Schlussphase draußen.

Schema F in der Arena. Lemgo brachte den Ball nicht im Tor unter, die Löwen liefen einen erfolgreichen Konter nach dem anderen. Auch die Lemgoer Maßnahme mit dem siebten Feldspieler brachte nichts, Keeper Andreas Palicka warf den Ball gleich zweimal ins verwaiste Tor der Gäste.

Als TBV-Kreisläufer Christoph Theuerkauf von der Rückraum-Mitte-Position in der 17. Minute das erste Tor schoss, applaudierte das Publikum. Mitleid als Mitgift. Einen Siebenmeter ließ Lemgo zuvor durch den eigentlich sehr sicheren Tim Hornke aus. Dabei verlangte der TBV Ende August im ersten Saisonspiel den Löwen alles ab, verlor nur 24:26. „Die erste Halbzeit ist schwer zu erklären. Mit zehn Toren kann eine Mittelfeldmannschaft bei den Löwen verlieren, aber nicht so. Das hätte nicht sein dürfen“, meinte Lemgos Tim Suton. Sein Trainer Floria Kehrmann räumte ein, dass nichts von dem, was sich die Mannschaft vorgenommen hat, dann auch klappte. Geschäftsführer Jörg Zereike fand den Auftritt des TBV peinlich. „Weltklasse gegen Kreisklasse“, befand er.

Löwen-Coach Nikolaj Jacobsen nahm in der zweiten Halbzeit bis auf Andy Schmid die Stammformation vom Feld. Am Sonntag (17 Uhr) steht ja schon das Champions-League-Spiel im Harres gegen Pick Szeged an. Jetzt war es eine ganz andere Partie, mit vielen Ballpassagen für die Gastgeber. Der junge Filip Taleski gefiel.

Die Löwen spielten nun nicht mehr mit der allerhöchsten Konzentration, Lemgo kam vergleichsweise zu leichten Toren. Aber auch der zweite Durchgang ging an den Spitzenreiter. „Ich bin ein bisschen sprachlos, die erste Halbzeit war Wahnsinn, die Abwehr war sehr beweglich“, kommentierte Löwen-Coach Nikolaj Jacobsen. Er hat, so erzählte er, während des Spiels auf die Anzeigetafel geschaut und gerätselt, ob bei Lemgos erzielten Toren womöglich eine Zahl fehlt ...

 

So spielten sie

Rhein-Neckar-Löwen:

Palicka (2) - Petersson (2), Larsen (2), Schmid (5/2) - Groetzki (5), Sigurdsson (4) - Pekeler (2) - Gedeón Guardiola (2), Baena (3), Reinkind (2), Taleski (4), Tollbring (4/1), Radivojevic (1), Bliznac, Trost

Lemgo:

Johannesson - Isaias Guardiola, Kogut (1), van Olpen - Hornke (2), Zieker (4) - Theuerkauf (1) - Klimek (1), Suton (2), Bartok (4), Engelhardt (1), Ebner (1)

Spielfilm:

5:0 (7.), 9:0 (11.), 14:1 (17.), 18:1 (22.), 22:2 (28.), 27:7 (39.), 30:9 (43.), 32:12 (50.), 35:15 (56.) - Siebenmeter:

4/2 - 1/0 - Zeitstrafen:

0/2 - Beste Spieler:

Palicka, Groetzki, Schmid - Zieker - Zuschauer:

7034 - Schiedsrichter:

Hörath/Hofmann (Helmbrechts/Eibach).